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Miss World-Wahl ist Chance für Menschenrechte
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"Miss World"-Wahl in Nigeria kann Chance für Menschenrechte sein
Die "Miss World"-Wahl in Nigeria kann nach Auffassung der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) eine Chance zur Durchsetzung von Menschenrechten sein. Trotz der drohenden Steinigung von zum Tode verurteilten Frauen solle die Schönheitskonkurrenz in der nigerianischen Hauptstadt Lagos stattfinden, unterstrich die Menschenrechtsorganisation am Mittwoch nochmals ihren Appell an die Teilnehmerinnen. "Ein öffentlicher Protest gegen die Scharia bei dem Wettbewerb ist wirksamer als jeder Boykott, der nur ganz Nigeria an den Pranger stellen würde," erklärte der GfbV- Afrikareferent Ulrich Delius. Kritik an der Scharia würde in Nigeria selbst nicht nur von den christlichen Kirchen, sondern auch von zahllosen Nichtregierungsorganisationen geäußert. "Wenn Sie Ihre Meinung zur Scharia kundtun wollen, dann sollten sie (nach Nigeria) kommen, wo sie mehr Medieninteresse während des Events bekommen werden", appellierte auch einer der nigerianischen Organisatoren der Schönheitskonkurrenz, Guy Murray-Bruce, an die Teilnehmerinnen in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters. Die GfbV begrüßte, dass die Regierung Nigeria am Dienstag für die Gäste der "Miss World"-Wahl Sicherheitsgarantien gegeben hatte.
Angesichts der Appelle zahlreicher Teilnehmerinnen der "Miss World"-Wahl, das Leben Amina Lawals zu schonen, wies die GfbV nochmals eindringlich darauf hin, dass es nicht nur um das Schicksal dieser einen von Steinigung bedrohten Frau gehe, über deren Berufungsverfahren voraussichtlich am 25. September 2002 entschieden wird. Es ginge vor allem auch um die Durchsetzung demokratischer rechtsstaatlicher Grundsätze in Nigeria, die der Anwendung der Scharia grundsätzlich eine klare Absage erteilen. Fast jede Woche würden neue Gerichtsverfahren in den nördlichen, überwiegend von Muslimen bewohnten Landesteilen bekannt, in denen Angeklagten die Steinigung drohe. "Es ist skandalös, wenn der nigerianische Justizminister öffentlich die Scharia als verfassungswidrig bezeichnet, aus wahltaktischen Überlegungen jedoch keine weiteren Maßnahmen ergreift", erklärte Delius. Dem Missbrauch der muslimischen Religion durch machthungrige Politiker in Nordnigeria müsse endlich Einhalt geboten werden.
Die GfbV bedauere, dass ein unter Frauen- und Bürgerrechtlern so umstrittenes Medienereignis wie die "Miss World"-Wahl als Plattform für die Äußerung von Protesten genutzt werden müsse. Doch angesichts der Untätigkeit der nigerianischen Regierung und der drohenden Steinigungen sei es gerechtfertigt, auch auf diese Form des Protestes zurückzugreifen.
Gesellschaft fuer bedrohte Voelker e.V. (GfbV) Inse Geismar, Pressereferentin
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