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ISSN 1610-0611
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Miss World-Wahl ist Chance für Menschenrechte


"Miss World"-Wahl in Nigeria kann Chance für
Menschenrechte sein

Die "Miss World"-Wahl in Nigeria kann nach
Auffassung der Gesellschaft für bedrohte Völker
(GfbV) eine Chance zur Durchsetzung von
Menschenrechten sein. Trotz der drohenden
Steinigung von zum Tode verurteilten Frauen
solle die Schönheitskonkurrenz in der
nigerianischen Hauptstadt Lagos stattfinden,
unterstrich die Menschenrechtsorganisation am
Mittwoch nochmals ihren Appell an die
Teilnehmerinnen. "Ein öffentlicher Protest gegen
die Scharia bei dem Wettbewerb ist wirksamer als
jeder Boykott, der nur ganz Nigeria an den
Pranger stellen würde," erklärte der GfbV-
Afrikareferent Ulrich Delius. Kritik an der
Scharia würde in Nigeria selbst nicht nur von
den christlichen Kirchen, sondern auch von
zahllosen Nichtregierungsorganisationen
geäußert. "Wenn Sie Ihre Meinung zur Scharia
kundtun wollen, dann sollten sie (nach Nigeria)
kommen, wo sie mehr Medieninteresse während des
Events bekommen werden", appellierte auch einer
der nigerianischen Organisatoren der
Schönheitskonkurrenz, Guy Murray-Bruce, an die
Teilnehmerinnen in einem Interview mit der
Nachrichtenagentur Reuters. Die GfbV begrüßte,
dass die Regierung Nigeria am Dienstag für die
Gäste der "Miss World"-Wahl Sicherheitsgarantien
gegeben hatte.

Angesichts der Appelle zahlreicher
Teilnehmerinnen der "Miss World"-Wahl, das Leben
Amina Lawals zu schonen, wies die GfbV nochmals
eindringlich darauf hin, dass es nicht nur um
das Schicksal dieser einen von Steinigung
bedrohten Frau gehe, über deren
Berufungsverfahren voraussichtlich am 25.
September 2002 entschieden wird. Es ginge vor
allem auch um die Durchsetzung demokratischer
rechtsstaatlicher Grundsätze in Nigeria, die der
Anwendung der Scharia grundsätzlich eine klare
Absage erteilen. Fast jede Woche würden neue
Gerichtsverfahren in den nördlichen, überwiegend
von Muslimen bewohnten Landesteilen bekannt, in
denen Angeklagten die Steinigung drohe. "Es ist
skandalös, wenn der nigerianische Justizminister
öffentlich die Scharia als verfassungswidrig
bezeichnet, aus wahltaktischen Überlegungen
jedoch keine weiteren Maßnahmen ergreift",
erklärte Delius. Dem Missbrauch der muslimischen
Religion durch machthungrige Politiker in
Nordnigeria müsse endlich Einhalt geboten werden.

Die GfbV bedauere, dass ein unter Frauen- und Bürgerrechtlern so umstrittenes
Medienereignis wie die "Miss World"-Wahl als
Plattform für die Äußerung von Protesten genutzt
werden müsse. Doch angesichts der Untätigkeit
der nigerianischen Regierung und der drohenden
Steinigungen sei es gerechtfertigt, auch auf
diese Form des Protestes zurückzugreifen.


Gesellschaft fuer bedrohte Voelker e.V. (GfbV)
Inse Geismar, Pressereferentin

 


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