Irak: Repräsentanten des Regimes Einreise verwehren, Herr Fischer!
Offener Brief an Bundesaußenminister Joschka Fischer
Den Anfängen wehren! Ersticken Sie jede neuerliche Zusammenarbeit deutscher Firmen mit der irakischen Giftgasindustrie im Keim, Herr Fischer!
Sehr geehrter Herr Außenminister, an dem morgigen "deutsch-irakischen Expertengespräch" im Hotel Crowne Plaza in Heidelberg sollen nach Informationen, die der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) vorliegen, auch Vertreter der irakischen Giftgasindustrie beteiligt sein. U. a. sollen Dr. Abdul Razzaq al Hashimi, außenpolitischer Sprecher der Baath-Partei, und Dr. Raad K. Muslih, Generalsekretär der Arab Federation for Chemical/Petrochemical Industries, zu den Teilnehmern gehören. Ihnen wirft der UN- Sonderberichterstatter für den Irak, Max van der Stoel, Teilnahme an Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor. Für uns ergibt sich daraus der Anfangsverdacht, dass es Ziel dieses Treffens sein könnte, Gespräche über eine Kooperation im Bereich der Produktion biologischer und chemischer Waffen zu führen.
Das Saddam-Regime hat bereits in der Vergangenheit bewiesen, dass es nicht zögert, solche Waffen auch einzusetzen. Der Giftgaskrieg des Baath-Regimes forderte 1987/88 während der Anfal-Offensive 182.000 Todesopfer unter Kurden, Yeziden und assyrisch-aramäischen Christen im Nordirak. Allein 5000 Menschen starben qualvoll nach dem Giftgasangriff auf die kurdische Stadt Halabja 1988, mit dem die Anfal-Offensive ihren Höhepunkt erreichte. Auch im Krieg gegen den Iran 1980 bis 1988 kamen Giftgaswaffen zum Einsatz.
Zahlreiche deutsche Firmen waren am Aufbau der irakischen Giftgasindustrie beteiligt, so auch die Firmen Karl Kolb und Pilot Plant. Dies wurde seinerzeit von der GfbV aufgedeckt, die mit beiden Firmen eine gerichtliche Auseinandersetzung in dieser Sache führte.
Eine Zusammenarbeit deutscher Firmen mit Produzenten von Giftgas aus dem Irak sollte sich nicht wiederholen. Deshalb sollten entsprechende Firmenkontakte von vornherein verhindert werden.
Sehr geehrter Herr Außenminister, wir appellieren an Sie, die Friedenspolitik in Sachen Irak ernst zu nehmen, und alle nötigen Maßnahmen zu treffen, um den für Massenmord Verantwortlichen das Handwerk zu legen und neuen Anfängen zu wehren. In diesem Sinne haben wir uns heute auch an das Bundeskriminalamt gewandt.
Mit freundlichen Grüßen
Tilman Zülch (Generalsekretär)
============================================= Gesellschaft fuer bedrohte Voelker e.V. (GfbV) Inse Geismar, Pressereferentin Göttingen/Heidelberg,26.09.02 ==============================================
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