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ISSN 1610-0611
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Putins Vergeltung trifft tschetschenische Zivilist

Putins Vergeltung trifft tschetschenische Zivilisten

Angedrohte Vergeltung trifft tschetschenische
Zivilisten: Schikanen gegen Dorfbewohner,
Flüchtlinge und Menschenrechtler

Tschetschenische Flüchtlinge in Lagern, einfache
Dorfbewohner und Menschenrechtler in Moskau
bekommen nach Informationen der Gesellschaft für
bedrohte Völker (GfbV) die Drohung des
russischen Präsidenten Wladimir Putin,
Vergeltung für das Moskauer Geiseldrama zu üben,
bereits zu spüren. "Wir sind in großer Sorge um
das Leben und die Gesundheit der
tschetschenischen Zivilbevölkerung", erklärte
die Osteuropa-Referentin der GfbV, Sarah Reinke,
am Dienstag in Göttingen. Ein zuverlässiger
Mitarbeiter der russischen
Menschenrechtsorganisation Memorial habe der
GfbV telephonisch berichtet, dass russische
Truppen das Dorf Tschetschen Aul seit dem 25.
Oktober von der Außenwelt abgeriegelt hätten.
Vier Menschen seien bereits umgebracht worden.
Um das Dorf seien Zelte aufgebaut worden, in
denen möglicherweise Zivilisten gefoltert werden
sollen, befürchtet Memorial. Auch die Stadt Urus
Martan und die umliegenden Dörfern würden wieder
"gesäubert".

In den meisten Flüchtlingslagern in Inguschetien
sei der Strom - und damit die Heizquellen -
abgeschaltet worden. Russische Sicherheitskräfte
hätten Kontrollposten in den Lagern errichtet,
die die Flüchtlinge häufig in Angst und
Schrecken versetzen. So habe ein betrunkener
russischer Soldat am Montag im Lager Severny
wild um sich geschossen. Außerdem würden die
Flüchtlinge bedroht, sie müssten noch vor dem
Jahreswechsel zurück nach Tschetschenien.

Aus Moskau berichtete die tschetschenische
Menschenrechtlerin Zainap Gaschajewa von
massiven und willkürlichen Kontrollen
tschetschenischer Zivilisten. Ihr selbst sei am
Montag am Moskauer Flughafen die Ausreise zum
tschetschenischen Weltkongress nach Dänemark
verweigert worden. Außerdem sei sie zweimal von
russischen Polizisten kontrolliert worden.



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Gesellschaft fuer bedrohte Voelker e.V. (GfbV)
Inse Geismar, Pressereferentin
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29.10.2002


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