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ISSN 1610-0611
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Wiederaufbau in Afghanistan gefährdet

Ein Jahr nach Luftangriffen ist Wiederaufbau in Afghanistan gefährdet

Ein Jahr nach dem Beginn der Luftangriffe auf
Afghanistan (7.10.2001) hat die Gesellschaft für
bedrohte Völker (GfbV) am Montag vor ernsten
Gefahren für den Wiederaufbau Afghanistans
gewarnt. "Das Land wird zur Beute der Warlords,
wenn die Antiterror-Koalition nicht endlich
gegen lokale Kriegsfürsten vorgeht, die mit
ihrer Willkürherrschaft ganze Regionen
terrorisieren", erklärte der GfbV-Asienreferent
Ulrich Delius. Für das Streben der USA, die
eigenen Soldaten nicht zu gefährden, zahle
Afghanistan einen hohen Preis. Allein der
Kooperation mit den Warlords sei es zu
verdanken, dass bislang nur 39 US-Soldaten im
Afghanistan-Krieg getötet worden seien. Es
widerspreche jedoch den Grundsätzen der
Antiterror-Koalition, wenn
Menschenrechtsverletzungen der so genannten
Nordallianz mit Rücksicht auf die zweifelhaften
Bündnispartner verschleiert würden. So sei es
unverständlich, dass die Massakervorwürfe gegen
den Uzbekenführer General Abdul Rashid Dostum
nicht untersucht worden seien. Der mächtigste
Kriegsfürst Afghanistans wird beschuldigt, für
die Ermordung von bis zu 3.000 gefangenen
Taliban verantwortlich zu sein.

Nur eine Ausdehnung des Mandats der
internationalen Schutztruppe (ISAF) auf den
immer wieder umkämpften Norden und Osten des
Landes biete die Chance, dem wachsenden Einfluss
regionaler Kriegsfürsten Einhalt zu gebieten,
sagte Delius. Ohne jede Rücksicht auf die
Zivilbevölkerung kämpften die Warlords um die
Macht. Erst vergangenen Freitag seien bei
Kämpfen sechs Menschen - unter ihnen drei Kinder
- getötet und mehr als 20 Personen verletzt
worden. Bislang verweigert die ISAF, deren
Kommando voraussichtlich Deutschland und die
Niederlande im Dezember übernehmen werden, die
geographische Ausweitung ihres Mandates über die
Hauptstadt Kabul hinaus. Angesichts von 700.000
im Land
kursierenden Waffen hatten sich sowohl UN-
Generalsekretär Kofi Annan als auch der UN-
Sonderbeauftragte für Afghanistan, Lakhdar
Brahimi, im September 2002 für eine Ausdehnung
des ISAF-Mandates ausgesprochen.

Mit ihrer kurzsichtigen Kooperation mit den
Warlords förderten die USA auch den Opiumanbau,
der sprunghaft angestiegen sei, kritisierte
Delius. Die Warlords finanzierten mit dem
Verkauf von Drogen ihre Privatarmeen.
Afghanistan wird im Jahr 2002 nach Schätzungen
der Vereinten Nationen 2.700 Tonnen Opium
produzieren. Damit steigt der Ertrag gegenüber
dem Vorjahr um 1.400 Prozent.



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Gesellschaft fuer bedrohte Voelker e.V. (GfbV)
Inse Geismar, Pressereferentin
Postfach 2024, D-37010Goettingen
7.10.2002
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