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ISSN 1610-0611
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Zugang zu Generika in ärmeren Ländern

Sydney: Wirtschaftsminister entscheiden über das Leben von Millionen
Menschen

ÄRZTE OHNE GRENZEN fordert Zugang zu Generika in ärmeren Ländern

Anlässlich des Delegiertentreffens der
Welthandelsorganisation (WTO) in Sydney ruft die internationale
Hilfsorganisation ÄRZTE OHNE GRENZEN die Wirtschaftsminister auf, den Schutz
der Gesundheit in ärmeren Ländern nicht zu Gunsten der Interessen der
Industrienationen einzuschränken. ÄRZTE OHNE GRENZEN fordert die
WTO-Mitglieder insbesondere dazu auf, die Exportbeschränkungen für generisch
produzierte Medikamente (Nachahmerprodukte) aufzuheben.

Genau vor einem Jahr, am 14. November 2001, erklärten die Mitgliedsstaaten
auf der WTO-Ministerkonferenz in Doha, dass der Patentschutz von
Medikamenten Regierungen ärmerer Länder nicht an der Behandlung ihrer
Bevölkerung hindern darf. "Am Jahrestag der Erklärung von Doha sehen wir
diese Zusagen auf das Äußerste gefährdet", so Ellen 't Hoen von ÄRZTE OHNE
GRENZEN. "Wir befürchten, dass in Sydney Beschlüsse gefasst werden, die den
Zugang zu Nachahmerprodukten für ärmere Länder zusätzlich erschweren
werden."

Jedes Jahr sterben rund 14 Millionen Menschen weltweit an
Infektionskrankheiten. Mehr als 36 Millionen HIV-Infizierte haben keinen
Zugang zu lebensnotwendigen Arzneimitteln. Hauptursache hierfür ist der
unerschwinglich hohe Preis der HIV/Aids-Medikamente in diesen Ländern.

Generisch hergestellte Nachahmerprodukte kosten meist deutlich weniger als
die patentierten Markenprodukte. Damit können erheblich mehr Patienten zu
denselben Kosten behandelt werden. Gemäß des Abkommens zum Schutz geistigen
Eigentums der WTO (TRIPS-Abkommen) dürfen Länder ohne eigene
Produktionskapazitäten, Nachahmerprodukte aus anderen Ländern importieren.
Völlig paradox ist jedoch, dass die betreffenden Generika-Produzenten ihre
kostengünstigen Arzneimittel nicht exportieren dürfen.

Gemeinsam mit anderen Hilfsorganisationen und einigen Regierungen ärmerer
Länder fordert ÄRZTE OHNE GRENZEN deshalb die Aufhebung dieser
Exportbeschränkungen. Nur so kann der Zugang zu kostengünstigen Medikamenten
für die Menschen in ärmeren Ländern im Sinne der Erklärung von Doha
gewährleistet werden.

"In Sydney muss dauerhaften Lösungen des Exportproblems der Vorrang
gegenüber halbherzigen, vorschnellen Absprachen gegeben werden, die das
Leben von Millionen von Menschen aufs Spiel setzen", erklärt Ellen 't Hoen.





Pressestelle, Kattrin Lempp
AERZTE OHNE GRENZEN /
Berlin/Sydney, 13. November 2002.


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