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ISSN 1610-0611
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Ausschreitungen in Nigeria - Appell an Präsidenten

Ausschreitungen in Nigeria - Appell an Präsidenten
105 Tote bei Ausschreitungen gegen Miss World-
Wahl in Nigeria
Appell an Nigerias Präsidenten: Scharia-Streit
nicht länger aussitzen, sondern endlich lösen !

Nach den schweren Auseinandersetzungen im Norden
Nigerias hat die Gesellschaft für bedrohte
Völker (GfbV) dem nigerianischen
Staatspräsidenten Olusegun Obasanjo vorgeworfen,
mit seiner Beschwichtigungspolitik gegenüber
muslimischen Machtpolitikern mitverantwortlich
für das Blutbad zu sein, bei dem am Donnerstag
in der Stadt Kaduna mindestens 105 Menschen
getötet worden sind. "Der Streit um die Miss
World-Wahl ist im überwiegend muslimischen
Norden des Landes bewusst geschürt worden, um
die Autorität des demokratisch gewählten
Staatspräsidenten in Frage zu stellen", erklärte
der GfbV-Afrikareferent Ulrich Delius am Freitag
in Göttingen. "Die unsensible Berichterstattung
der nigerianischen Boulevardzeitung ThisDay war
dann das Zünglein an der Waage und hat die
Gewalt wieder aufflackern lassen." Obasanjo
müsse sich endlich seiner Verantwortung stellen
und mit der Abschaffung der umstrittenen Scharia-
Gesetzgebung den ethnisch-religiösen Konflikten
Einhalt gebieten. Weggucken und Aussitzen seien
keine angemessene Antwort auf den Tod von mehr
als 6.000 Menschen, die seit 1999 bei ethnisch-
religiösen Auseinandersetzungen in Nigeria ums
Leben gekommen sind.

"Nicht die Organisatoren der Miss World-Wahl
sind dafür verantwortlich, dass Nigeria heute
vor einer Zerreißprobe steht, sondern das
jahrelange Taktieren nigerianischer Politiker,
die auch vor dem Schüren von Unruhen nicht
zurückschrecken, um ihren eigene Macht zu
erweitern," kritisierte Delius.



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Gesellschaft fuer bedrohte Voelker e.V. (GfbV)
Inse Geismar, Pressereferentin
Postfach 2024, D-37010 Goettingen
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22.11.2002


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