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ISSN 1610-0611
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Britische Regierung gewährt Schutz

Britische Regierung gewährt ehemaliger Sklavin aus dem Sudan Schutz

Glückliches Ende für Odyssee ehemaliger Sklavin
Britische Regierung will Bestseller-Autorin aus
dem Sudan Schutz gewähren

Das britische Innenministerium will den
ablehnenden Asylbescheid der ehemaligen Sklavin
Mende Nazer aus dem Sudan nach Informationen der
Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV)
zurücknehmen. "Die Staatsministerin im
Innenministerium, Beverley Hughes, hat gestern
in einem Brief an die Vizepräsidentin des
Britischen Oberhauses, Baroness Caroline Cox,
angekündigt, die Rechtsanwälte von Frau Nazer
darüber in Kürze schriftlich zu informieren",
sagte der GfbV-Afrikareferent, Ulrich Delius am
Dienstag in Göttingen, "wir freuen uns mit Mende
Nazer, dass sie eine Abschiebung in den Tod nun
nicht mehr fürchten muss." Delius ist davon
überzeugt, dass das Leben der 22-jährigen Nuba
vor allem durch das Engagement der Leserinnen
und Leser ihrer Autobiographie "Sklavin"
gerettet wurde. Tausende hätten sich in den
vergangenen 14 Tagen an E-Mail-Protestaktionen
der GfbV gegen die drohende Abschiebung Mende
Nazers in den Sudan beteiligt und an die
britische Königin Elizabeth, Innenminister David
Blunkett und Bundesinnenminister Otto Schily
geschrieben. Das britische Innenministerium habe
seinen plötzlichen Meinungswandel jetzt mit der
Veröffentlichung der Autobiographie in
Deutschland begründet. Am 10. Oktober hatten die
britischen Behörden den Asylantrag der
ehemaligen Sklavin abgelehnt, die ihren
Peinigern im September 2000 entfliehen konnte.

"Vergangenen Mittwoch haben wir mit einer
Mahnwache vor der britischen Botschaft in Berlin
dagegen protestiert, dass die junge Frau in die
Hände ihrer Verfolger abgeschoben werden soll
und uns gleichzeitig mit einer Petition an den
britischen Innenminister Blunkett gewandt",
berichtete Delius. In dem Schreiben habe die
GfbV den ablehnenden Asylbescheid als inhaltlich
dürftig und haltlos kritisiert. In ihrem
gestrigen Brief hatte Staatsministerin Hughes
eingeräumt: "Meine Mitarbeiter haben mich darauf
hingewiesen, dass der Ablehnungsbescheid
bedauerlicherweise nicht klar auf einige Fragen
zu ihrer Glaubwürdigkeit und zur objektiven
Situation im Sudan einging."

Mende Nazer schildert in ihrer Autobiographie "Sklavin", wie sie im Alter von
13 Jahren von arabischen Milizionären aus ihrem
Dorf in den Nuba-Bergen in die Sklaverei
verschleppt wurde. Die Milizen waren von der
sudanesischen Armee bewaffnet worden. Acht Jahre
musste das Nuba-Mädchen bei wohlhabenden
Nordsudanesen unbezahlte Zwangsarbeit leisten.
Dann wurde sie nach eigenen Angaben drei Monate
lang im Londoner Haus eines sudanesischen
Diplomaten unter Sklaven-ähnlichen Bedingungen
festgehalten, bevor ihr im September 2000 die
Flucht gelang. Ihre Autobiographie konnte bis
heute in Großbritannien nicht erscheinen, da der
der Sklaverei beschuldigte sudanesische Diplomat
drohte, mit allen juristischen Mitteln eine
Veröffentlichung zu verhindern.



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Gesellschaft fuer bedrohte Voelker e.V. (GfbV)
Inse Geismar, Pressereferentin
Postfach 2024, D-37010 Goettingen
12.11.2002


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