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Folter in Bangladesh beenden
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FORUM BANGLADESCH FOLTER UND UNFAIRE VERFAHREN BEI DERZEITIGER VERHAFTUNGSWELLE IN BANGLADESCH BEENDEN!
Schon 24 Personen auf ungeklärte Weise in der Haft gestorben
Bonn/Bielefeld, - Nahezu unbemerkt von der internationalen Öffentlichkeit erlebt die Bevölkerung Bangladeschs derzeit eine massive Verhaftungswelle. Am 17. Oktober startete eine konzertierte Aktion von Armee- und Polizeikräften. Dabei wurden nach Presseberichten in Bangladesch bislang weit über 20.000 Armeeangehörige eingesetzt und mehr als 5000 Personen verhaftet. Erklärtes Ziel dieser so genannten "Operation Clean Heart" ist der Kampf gegen die immer weiter um sich greifende Kriminalität.
Bislang sind Berichten aus Bangladesch zufolge 24 der Verhafteten (Stand 21.11.2002) unter ungeklärten Umständen in Polizei- oder Armeegewahrsam ums Leben gekommen. Viele von ihnen starben nur ein oder zwei Tage nach ihrer Festnahme, einige der Opfer direkt auf dem Weg ins Krankenhaus. Trotz deutlich sichtbarer äußerer Verletzungen als Folge schwerer Misshandlungen wird die Anwendung von Folter vehement abgestritten. Als Todesursache wird in fast allen Fällen lapidar "Herzversagen" angegeben.
Im Vorfeld der "Operation Clean Heart" wurden das Parlament und andere demokratische Instanzen übergangen. Bis heute ist die Regierung eine Erklärung schuldig geblieben, auf welcher Rechtsgrundlage sie das Militär beauftragte. Bei den Verhaftungen geht die Armee offenkundig systematisch und mit Personenlisten vor. Wer diese nach welchen Kriterien erstellt hat, liegt im Dunkeln.
Unter den Festgenommenen finden sich nicht nur bekannte Kriminelle, sondern zunehmend auch unbescholtene Frauen und Männer, prominente Vertreter politischer Parteien sowie Künstler und Intellektuelle. Zu den bekanntesten Opfern zählt Saber Hossain Chowdhury. Der politische Sekretär von Scheich Hasina Wajed, der Vorsitzende der größten Oppositionspartei Awami League (AL), wurde am 20. Oktober auf dem Flughafen Dhaka verhaftet. Am darauf folgenden Tag wurde der ehemalige Gesundheitsminister Scheich Fazlul Karim Selim, ebenfalls AL-Mitglied, in seiner Wohnung in Dhaka festgenommen. Beide Festnahmen wurden nachträglich mit §54 der Strafprozessordnung Bangladeschs gerechtfertigt. Danach können Personen ohne Strafbefehl und auf den bloßen Verdacht hin, die öffentliche Sicherheit zu gefährden, verhaftet werden.
Die Politiker wurden zunächst ohne Kontakt zur Außenwelt festgehalten und erst auf Druck ihrer Anwälte einem Richter vorgeführt. Saber Chowdhury berichtete in einer öffentlichen Anhörung von stundenlangen Verhören, bei denen ihm Handschellen angelegt und die Augen verbunden wurden. Vor wenigen Tagen kam er auf Anordnung des Obersten Gerichts gegen Kaution frei, steht aber weiter unter Anklage.
Die Regierung hat auf Proteste reagiert und eine Kommission eingesetzt, die die ungeklärten Todesfälle untersuchen soll. Trotz dieses positiven Schritts kann aber keine Entwarnung gegeben werden: Nach Äußerungen von Regierungsmitgliedern ist derzeit kein Ende der Militäraktion abzusehen. Zudem hat die Regierung in aller Eile sechs Schnellgerichte installiert, die in kürzester Zeit Gerichtsverfahren abhandeln sollen.
Die Mitglieder des Bangladesch-Forums sind angesichts dieser Entwicklungen äußerst besorgt. Wir fordern deshalb die Bundesregierung, das Auswärtige Amt und alle Fraktionen des Bundestages auf, sich bei der Volksrepublik Bangladesch für die Rechte der Gefangenen sowie die Rückkehr zu rechtsstaatlichen Prinzipien einzusetzen. Das heißt konkret:
- Rückzug des Militärs und sofortige Einleitung von Gerichtsverfahren, die internationalen Standards für ein faires Verfahren entsprechen - freier Zugang für Familien und Rechtsanwälten zu den Gefangenen, - Beendigung der Folter und Misshandlungen, - angemessene medizinische Versorgung sowie - unverzügliche Freilassung aller Gefangenen, die nicht wegen einer erkennbaren Straftat angeklagt werden können.
Das Bangladesch-Forum ist ein Ende September 2002 gegründetes noch loses Netzwerk verschiedener Organisationen, unter anderem Misereor; Evangelischer Entwicklungsdienst; Andheri-Hilfe; amnesty international; Vereine, die Entwicklungshilfeprojekte in Bangladesch unterstützen; Vereine von Bangladeschis in Deutschland; Wissenschaftler, Engagierte und an Bangladesch interessierte Einzelpersonen.
Mit diesem Aufruf wendet sich das Bangladesch-Forum erstmals an die Öffentlichkeit.
Petra Dannecker, Universität Bielefeld, oder Edda Kirleis, Evangelischer Entwicklungsdienst e.V oder Bernhard Hertlein, amnesty international,
22. November 2002
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