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ISSN 1610-0611
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Kriegsverbrechen von Warlords..

Afghanistan-Folgekonferenz auf dem Petersberg bei Bonn
Kriegsverbrechen von Warlords nicht länger tabuisieren!

Kriegsverbrechen und bis heute andauernde
schwere Menschenrechtsverletzungen der
rivalisierenden Warlords in Afghanistan dürfen
nicht länger tabuisiert werden. Diese Forderung
hat die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV)
anlässlich der Eröffnung der Afghanistan-
Folgekonferenz auf dem Petersberg bei Bonn am
Montag erhoben. "Wer den Terror der Taliban
verurteilt, aber nicht entschieden gegen die
Verbrechen seiner heutigen Bündnispartner in
Afghanistan vorgeht, verspielt seine
Glaubwürdigkeit", kritisierte der GfbV-
Asienreferent Ulrich Delius und forderte eine
unabhängige Untersuchung der Übergriffe durch
eine internationale Kommission.

Selbst ein so schwerer Vorwurf wie der
Massenmord an mehr als 1.000 gefangenen Taliban-
Anhängern sei monatelang ignoriert worden, warf
Delius der Antiterror-Koalition und der
afghanischen Regierung vor. Für den gewaltsamen
Tod der Kriegsgefangenen im Dezember 2001 soll
der stellvertretende Verteidigungsminister
Afghanistans, General Abdul Rashid Dostum,
verantwortlich sein. Es sei ungeheuerlich, dass
der Usbeken-General ungestraft Zeugen dieses
Verbrechens inhaftieren und foltern lassen
könne, um sie an belastenden Aussagen zu hindern.

Die Gefangenen sollen während des Transports zu
einem Lager in Dasht-e-Leili im Norden des
Landes in Container-Lastwagen qualvoll erstickt
sein, hatte die amerikanische
Menschenrechtsorganisation Physicians for Human
Rights bereits im Januar 2002 berichtet. "Bis
heute sind keine konkreten Initiativen zur
Aufklärung dieses Verbrechens und zur Bestrafung
der Täter ergriffen worden", sagte Delius, "und
entgegen den Angaben des UN-
Sonderberichterstatters für Afghanistan, Lakhdar
Brahimi, ist der Tatort monatelang nicht
gesichert worden."

"Die Antiterror-Koalition hat mit der Wahl
dieser Bündnispartner den Bock zum Gärtner
gemacht", kritisierte Delius. "General Dostum,
Provinzgouverneur Imail Khan und andere Warlords
stehen nicht für Menschenrechte, sondern für
Machtmissbrauch und Willkür." Bereits am Freitag
hatte die GfbV in einem achtseitigen Memorandum
vor einer Gefährdung des Wiederaufbaus in
Afghanistan durch die Warlords gewarnt, die ihre
Milizen seit Jahren mit dem Opium-Anbau
finanzierten. Schon deshalb sei es absurd, jetzt
mit der afghanischen Regierung in Bonn über den
Kampf gegen Drogenanbau zu sprechen.



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Gesellschaft fuer bedrohte Voelker e.V. (GfbV)
Inse Geismar, Pressereferentin
Postfach 2024, D-37010 Goettingen
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Bonn/Göttingen, den 2.12.2002


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