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ISSN 1610-0611
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Protest gegen drohende Steinigungen...

Nigerias Vizepräsident und Minister in Frankfurt
Protest gegen drohende Steinigungen und
Amputationen in Nigeria

Mit einer symbolischen Steinigung hat die
Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) am
Donnerstag während des Frankfurt-Besuches des
nigerianischen Vizepräsidenten Atiku Abubakar
und des Staatsministers im Außenministerium
Chief Dubem Onyia gegen drohende Steinigungen
und Amputationen in Nigeria protestiert.
Mitarbeiter der Menschenrechtsorganisation
forderten die beiden an einer
Wirtschaftskonferenz in Frankfurt teilnehmenden
Politiker dazu auf, sich für eine Abschaffung
des islamischen Scharia-Rechts mit seinen
unmenschlichen Strafen einzusetzen. "Die
Zusicherung der nigerianischen Regierung, vor
der Miss World-Wahl niemanden zu steinigen, ist
nur ein Lippenbekenntnis," kritisierte der GfbV-
Afrikareferent Ulrich Delius. "Die zum Tod durch
Steinigung verurteilte junge Mutter Amina Lawal
wartet seit Wochen vergeblich auf einen Termin
für ihr Berufungsverfahren." Die GfbV hatte in
der Nähe vom Marriot-Hotel, in dem die
Wirtschaftskonferenz stattfand, eine Steinigung
mit einer lebensgroßen, in "Sand" eingegrabenen
Puppe nachgestellt, an deren Kopf eine große
rote Wunde klaffte.

Neben Amina Lawal, deren Fall durch Boykott-
Aufrufe der am 7. Dezember in Nigeria
stattfindenden Miss World-Wahlen weltweit
Aufmerksamkeit erregte, sollen noch eine Frau
und fünf Männer gesteinigt werden, sagte Delius.
Ohne von ihrer drohenden Steinigung zu wissen
sei ein Liebespaar wochenlang in Haft gehalten
worden. Zwar seien die beiden inzwischen auf
Kaution freigekommen, doch ihr weiteres
Schicksal sei noch immer unklar.

Selbst Kinder und Jugendliche wurden auf Grundlage der islamischen
Scharia-Gesetzgebung zu grausamen Strafen
verurteilt. Elf Kindern soll wegen Diebstahls
eine Hand amputiert werden. "Unter ihnen ist zum
Beispiel der 15 Jahre alte Rabio Bello, der ein
Hemd von der Wäscheleine gestohlen hat",
berichtete Delius. Das jüngste mögliche Opfer
dieser unmenschlichen Strafe sei der 13 Jahre
alte Abudahar Musa. Er sei wegen des Diebstahls
einer Kuh verurteilt worden.

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Gesellschaft fuer bedrohte Voelker e.V. (GfbV)
Inse Geismar, Pressereferentin
==============================
Frankfurt / Göttingen, den 21.11.2002


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