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ISSN 1610-0611
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Protest mit Galgen

Tag der Menschenrechte
Protest mit Galgen gegen Todesurteile an
Tibetern und Uiguren in China

Aus Protest gegen die Hinrichtung politischer
Gefangener in Tibet und Ostturkestan (Xinjiang)
hat die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV)
am Dienstag gemeinsam mit in Deutschland
lebenden Uiguren und Tibetern vor der
chinesischen Botschaft in Berlin einen Galgen
errichtet. „Mehr als 500 aus politischen Gründen
inhaftierte Uiguren wurden seit 1997 in China
hingerichtet“, kritisierte der GfbV-
Asienreferent Ulrich Delius. „Auch in Tibet hat
Peking die Repressionen seit dem 11. September
2001 massiv verschärft.“ So seien erst am 2.
Dezember 2002 erneut zwei Tibeter von einem
Gericht in der Region Ganzi in der Provinz
Sichuan wegen vermeintlicher Beteiligung an
einem Bombenanschlag und staatsfeindlicher
Aktivitäten zum Tode verurteilt worden. Der
tibetische Geschäftsmann Lobsang Dhondup soll
voraussichtlich in zwei Tagen hingerichtet
werden. Für zwei Jahre ausgesetzt worden sei
hingegen die Vollstreckung des Todesurteils für
den buddhistischen Gelehrten und Mönch Trulku
Tenzin Delek, berichtete Delius. Der 52 Jahre
alte Tibeter war den Behörden wegen des Baues
von Klöstern und Wohlfahrtseinrichtungen für
seine Landsleute sowie aufgrund seiner Kritik an
der chinesischen Herrschaft in Tibet schon seit
Jahren verdächtig. Nur aufgrund massiver
öffentlicher Proteste war der Gefolgsmann des
Dalai Lama nach Festnahmen in den Jahren 1998
und 2000 wieder freigelassen worden.

„Die deutsche Bundesregierung darf Chinas
Führung nicht länger einen Freibrief für schwere
Menschenrechtsverletzungen geben, die unter dem
Deckmantel des Antiterror-Kampfes verübt
werden“, forderte Enver Can, der Präsident des
Nationalkongresses Ostturkestans, der sich an
der GfbV-Menschenrechtsaktion in Berlin
beteiligte. Jeden Monat würden in Ostturkestan
im Nordwesten Chinas Todesurteile an
muslimischen Uiguren vollstreckt, denen
„illegale religiöse terroristische Aktivitäten“
vorgeworfen wurden. Die Bevölkerung werde von
den chinesischen Behörden mit öffentlichen
Schauprozessen und Massenhinrichtungen
eingeschüchtert. Wer sich für die Erhaltung der
eigenen traditionellen Kultur und Religion
einsetze, werde auch bei friedlichem Engagement
als „Terrorist“ kriminalisiert.

Auch für Falun Gong-Anhänger habe sich die Lage
in den letzten Monaten dramatisch zugespitzt,
sagte Delius. Mehr als 520 Falun Gong-Anhänger
seien seit Beginn der Repression gegen die
Meditationsbewegung im Juli 1999 in
Polizeistationen und Arbeitslagern zu Tode
gekommen.

Der GfbV-Asienreferent Ulrich Delius ist in
Berlin erreichbar unter Tel. 0160 95 67 14 03.



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Gesellschaft fuer bedrohte Voelker e.V. (GfbV)
Inse Geismar, Pressereferentin
Postfach 2024, D-37010 Goettingen
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Berlin/Göttingen, den 10.12.2002=====


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