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Jährlich verenden 60.000 Wale als „Beifang“

Todesfallen auf hoher See
WWF: Jährlich verenden 60.000 Wale als „Beifang“ in den Netzen der Hochseefischer

Frankfurt a. M., 25.07.2002 - Der Tod lauert unter der Wasseroberfläche: Für Nordkaper, Tümmler und andere Delfinarten stellen die Netze der Fischer nach Einschätzung des WWF inzwischen eine größere Bedrohung dar als die Harpunen der Walfänger. Nach neuesten Schätzungen US-amerikanischer Wissenschaftler verheddern sich jedes Jahr rund 60.000 Wale und Delfine in den für sie nahezu unsichtbaren Maschen der Fischernetze und ertrinken qualvoll. Volker Homes, Artenschutzfachmann des WWF, ist alarmiert: „So viele Opfer hat selbst der kommerzielle Walfang in seiner Blütezeit, als jährlich mehr als 20.000 Tiere erlegt wurden, nicht gefordert.“ Damit es den Kleinwalen nicht genauso ergeht wie vielen ihrer inzwischen stark bedrohten großen Verwandten, müssen die Beifangraten gesenkt werden. Zu diesem Zweck hat der WWF jetzt gemeinsam mit Meeresforschern ein Netzwerk gegründet. Ziel ist es, den weltweiten Informationsaustausch zu intensivieren, um gemeinsam mit den Fischern alternative Fangmethoden weiter zu entwickeln.
Die Netze sind besonders für die kleinen Walarten gefährlich. So enden im Golf von Mexiko jedes Jahr bis zu 15 Prozent der vom Aussterben bedrohten Vaquitatümmler als so genannter Beifang. Nur etwa 500 Tiere dieser nur dort vorkommenden Art haben überlebt. Mit nur noch etwa 100 Exemplaren sind die Hektor-Delfine vor der Nordinsel Neuseelands inzwischen noch seltener. Auch sie werden oft zum Opfer der Fischerei. „Die Problematik läßt sich in vielen Teilen der Welt beobachten, deshalb versuchen wir es, weltweit anzugehen“, erläutert Volker Homes. Der WWF hat dazu jetzt ein Netzwerk mit Wissenschaftlern aus aller Welt ins Leben gerufen. Gemeinsam will man praxisnah mit ortsansässigen Fischern, Verwaltungen und anderen Verantwortlichen zusammenarbeiten, um verträgliche Lösungen des Beifangproblems zu erarbeiten. Das Netzwerk soll den Informationsaustausch zur Bestandssicherung vieler Walarten verbessern. Vielerorts werden bereits Lösungen erprobt. Die erfolgversprechenden Ansätze gelte es zu verstärken und auch anderswo einzusetzen.
Von Patentlösungen ist man noch weit entfernt. Denn obwohl sich die Problematik in vielen Teilen der Welt ähnelt, sind die Lösungsmöglichkeiten verschieden. Die Ansätze variieren je nach Region und betroffener Walart und umfassen Schwimmer, die an Netzen befestigt werden und bei der Berührung mit einem Wal wegbrechen. Erprobt werden auch so genannte „Pinger“, die akustische Warnsignale an die Meeressäuger aussenden und sie vertreiben. Für den WWF ist es wichtig, die Fischer beim Schutz der Wale einzubinden. „Wir brauchen die Erfahrungen der Fischer, denn nur so ist es möglich, praktikable Schutzmechanismen zu entwickeln“, betont Volker Homes vom WWF.

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