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"Writers in Prison" Tag
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Der Preis der Freiheit: 110 Journalisten hinter Gittern
Zum internationalen "Writers in Prison"-Tag fordert Reporter ohne Grenzen internationale Aufmerksamkeit für inhaftierte Journalisten
Weltweit befinden sich zur Zeit rund 110 Journalisten im Gefängnis, weil sie ihr Recht auf freie Berichterstattung wahrgenommen haben. Allein in Nepal zählt Reporter ohne Grenzen 19 inhaftierte Journalisten, in Birma sind es 15, in China 11 und im Iran 10. Diese Länder gehören zu den weltweit größten Gefängnissen für Reporter, berichtet die internationale Menschenrechtsorganisation zur Verteidigung der Pressefreiheit anlässlich des internationalen "Writers in Prison" Tages am 14. November.
Viele der inhaftierten Journalisten werden ohne ordentlichen Prozess und über Jahre hinweg gefangen gehalten. Bereits die kleinste Abweichung von der offiziellen Lesart kann Journalisten die Freiheit kosten.
Stellvertetend für Viele steht das Schicksal von Win Tin aus Birma. Der heute 72-Jährige wurde kurz nach der blutigen Niederschlagung der Demokratiebewegung 1989 festgenommen und insgesamt zu 20 Jahren Haft verurteilt. Hunang Qi sitzt in China seit zwei Jahren hinter Gittern, nachdem er auf seiner Internetseite kritische Artikel zum 11. Jahrestag des Tiananmen-Massakers veröffentlichte . Wann er freigelassen wird ist unklar. Im Iran gehört Emadoldin Baghi zu den vielen Journalisten, die wegen einer modernen Inter-pretation des Islams ins Visier geraten und weggesperrt werden. Er verbüßt eine dreijährige Haftstrafe in Teheran.
Doch nicht nur diktatorische Regime missbrauchen Straftatbestände, wie Verleumdung, Beamten-beleidigung oder Gefährdung der öffentlichen Moral, um missliebige Journalisten zu kriminalisieren und Kritiker zum Schweigen zu bringen. Auch in der Türkei, in Tunesien und in Russland werden immer wieder Journalisten inhaftiert, wenn sie sich an staatlich verordnete Tabuthemen wagen und über Miss-stände und Menschenrechtsverletzungen berichten, erinnert die Menschenrechtsorganisation.
"Weltweit sitzen Journalisten hinter Gittern oder gehen das Risiko einer Inhaftierung ein, damit die Öffentlichkeit die Chance hat, überhaupt etwas aus diesen Ländern zu erfahren. Sie zahlen einen hohen Preis für das Recht auf Informationsfreiheit. Sie brauchen internationale Unterstützung", erklärt Elke Schäfter, Geschäftsführerin von Reporter ohne Grenzen, die Motivation für den Aktionstag.
Die Menschenrechtsorganisation ruft unter www.reporter-ohne-grenzen.de zur Unterzeichnung von Petitionen zugunsten einzelner Gefangener auf.
KURZPORTRAITS
Der Preis der Freiheit Am internationalen "Writers in Prison" Tag sitzen weltweit 110 Journalisten hinter Gittern. Drei von ihnen stellen wir vor:
Win Tin (Birma): Seit 13 Jahren in Haft
Win Tin ist Birmas bekanntester Journalist und war führendes Mitglied der Demokratiebewegung.
Der heute 72-Jährige wird am 4. Juli 1989 kurz nach den blutigen Militäreinsätzen gegen die Demokratiebewegung verhaftet und einige Monate später zu drei Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Kurz vor Ablauf der Strafe im Juni 1992 wird er erneut angeklagt und wegen "aufrührerischer Äußerungen und Schriften" zu 10 Jahren Gefängnis verurteilt. In einem weiteren nicht-öffentlichen Prozess im März 1996 wird er schließlich für schuldig befunden, Informationen zu veröffentlichen, die die "Sicherheit des Staates gefährden", und zu weiteren sieben Jahren Haft verurteilt.
Er hatte Informationen über die unmenschlichen Haftbedingungen und über Misshandlungen von Gefangenen an den UN-Beobachter in Birma weitergeleitet.
Huang Qi (China): Freilassungsdatum unbekannt
Am 3. Juni 2000 - am Vorabend des 11. Jahrestages des Tiananmen-Massakers - wird der Geschäftsmann und Gründer der Internetseite www.6-4tianwang.com Huang Qi zusammen mit seiner Frau in seinem Haus in Chengdu in der Provinz Sezuan verhaftet. Man beschuldigt ihn, die Regierung stürzen zu wollen. Tatsächlich hatte er auf seiner Internetseite kritische Artikel und Berichte zum Tiananmen-Massaker publiziert.
Im Februar und August 2001 finden zwei- bzw. dreistündige Verhandlungen gegen Huang Qi unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, an denen selbst seine Familie nicht teilnehmen darf; ein Urteil wird nicht verkündet. Auch der Anwalt darf seinen Mandanten nur ein Mal besuchen. Huang Qi's Frau berichtet, dass ihr Mann von den Wachen geschlagen wird. Ein westlicher Diplomat bestätigt die Misshandlungen durch die Polizei, um ein Geständnis zu erpressen.
Emadoldin Baghi (Iran): Fünfeinhalb Jahre Haft für eine moderne Sichtweise des Islam
Der iranische Journalist Emadoldin Baghi arbeitete für die Tageszeitungen Neshat (verboten im September 1999) und Fath (verboten im April 2000) sowie für weitere inzwischen verbotene Zeitungen. Im September 1999 befürwortet er in einem Editorial für Neshat eine moderne Sichtweise zur Bedeutung der Todesstrafe im Islam, was zum Verbot von Neshat führt.
Am 29. Mai 2000 wird er wegen seiner Veröffentlichungen verhaftet. Man wirft ihm "Gefährdung der nationalen Sicherheit" und die "Verbreitung falscher Informationen" vor und verurteilt ihn am 17. Juli zu fünfeinhalb Jahren Gefängnis.
Für weitere Informationen:
www.reporter-ohne-grenzen.de / www.rsf.org
Reporter ohne Grenzen Skalitzer Straße 101, 10997 Berlin Germany PM 12.11.2002
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