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ISSN 1610-0611
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Albtraum in Öl vor der iberischen Halbinsel

Albtraum in Öl vor der iberischen Halbinsel
WWF: Tankerunfall wird zum Massensterben unter den Vögeln führen

Frankfurt a. M./Madrid,- Der havarierte Tanker „Prestige“ ist heute Morgen rund 150 Kilometer westlich der iberischen Halbinsel auseinandergebrochen. Inzwischen ist der Ölteppich, den der Riss in dem leck geschlagenen Tanker verursacht, auf eine Fläche von 1.200 Quadratkilometer angewachsen. Die Chancen, das Öl noch aus dem Tanker abpumpen zu können, sinken gegen Null. Der WWF befürchtet, dass nun ein Massensterben unter den Vögeln der Region ausbrechen wird. Zu den Opfern werden Trauerenten, Papageitaucher und Krähenscharben gehören, deren Gefieder bei Kontakt mit dem Öl verklebt, sodass die Vögel erfrieren oder an der Vergiftung durch das Schweröl sterben. Bereits jetzt wurden mehrere Hundert tote Vögel aus dem Öl verschmierten Wasser geborgen nach Meinung der Umweltschützer jedoch nur ein bitterer Vorgeschmack: Die Prestige hatte fast doppelt so viel Öl geladen wie die 1989 vor Alaska gesunkene Exxon Valdez. Damals fielen mehr als 250.000 Seevögel dem giftig!
en Schlamm zum Opfer. „Die Prestige wird sicher für zehntausende Vögel das Todesurteil bedeuten - und das, obwohl der Tanker noch einen Großteil des Öls an Bord hat. Sollte dieses Öl auch noch auslaufen, wird ein Albtraum Wirklichkeit“, so Hans-Ulrich Rösner, Meeresexperte beim WWF Deutschland. Der WWF macht darauf aufmerksam, dass die Gefahr beim Absinken des Tankers keinesfalls gebannt ist, sondern dass je nach Zusammensetzung des Öls - viele Tonnen Öl noch später, vielleicht noch nach Jahren, austreten können und die Gewässer vor der iberischen Halbinsel vergiften werden. „Wir rechnen mit gravierenden Langzeitfolgen für die Region!“, so Rösner weiter.

Der Kampf gegen eine Ölpest ist nach Meinung des WWF-Experten wahrscheinlich nicht mehr zu gewinnen. „Wer solche Katastrophen verhindern will, muss das
Übel an der Wurzel packen und die Anarchie auf hoher See beenden!“, fordert Hans-Ulrich Rösner. „Jetzt können alle nichts weiter tun, als zu retten, was noch zu retten ist.“ Das Tankerunglück sei eine Katastrophe für die Fischer in dieser Region, die hier Seehechte, Tintenfische und andere Meeresfrüchte wie Venus- und Kammuscheln fangen.

Der WWF fordert strenge international gültige Sicherheitsstandards: Man könne nicht bis 2015 warten, bis eine doppelte Außenwand für alle Tanker endlich
vorgeschrieben ist. Zusätzlich müsse eine gesamteuropäische Küstenwache her, die umgehend grenzüberschreitend koordinierte Hilfsmaßnahmen einleiten könne. „Wir brauchen leistungsfähige Bergungsschlepper in allen Regionen, die von solchen Katastrophen bedroht sind. Diese Einheiten müssen sofort einsatzbereit sein“, so Rösner. Die Art, wie sich die zuständigen Behörden derzeit gegenseitig den Schwarzen Peter zuschieben, zeige deutlich, wie wertvolle Zeit auf Kosten der Natur vergeudet werde.


WWF Deutschland
Rebstöcker Straße 55
60326 Frankfurt
19.11.2002


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