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ISSN 1610-0611
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Drohendes Comeback der Atomkraft

Weltweit 42 AKWs in Bau und 142 weitere geplant


Fuer Deutschland zeichnet sich statt Ausstieg ein Ausflaggen der Atomkraft in Staaten mit niedrigem Sicherheitsstandard ab

HAMBURG, 30.8.2002 - Die Atomenergie steht womoeglich vor einem weltweiten Comeback.
Wie das Greenpeace Magazin fuer seine neueste Ausgabe ermittelte, sind insgesamt 42
Atomkraftwerke im Bau und weitere 142 in verschiedenen Stufen der Planung. Etliche der
438 AKWs, die derzeit auf dem ganzen Globus in Betrieb sind, blieben zudem laenger am
Netz als urspruenglich vorgesehen. Dadurch wachse die Gefahr einer nuklearen Katastrophe.
Beispielsweise wuerde sich nach Angaben des Greenpeace Magazins die Menge
hochradioaktiven Atommuells bis 2020 auf 500.000 Tonnen verdoppeln. Aus diesen
Abfaellen, deren Strahlung ueber Hundertausende von Jahren fuer Menschen toedlich ist,
liesse sich genug Plutonium fuer 500.000 Atombomben gewinnen.

Als Motive fuer eine moegliche nukleare Renaissance nennt das Greenpeace Magazin
nationales Prestige, das vor allem in Asien eine Rolle spiele, wo derzeit die meisten AKWs
entstuenden, sowie strategische Erwaegungen. Die so genannte friedliche Nutzung der
Atomenergie erleichtere ambitionierten Staaten den Aufstieg zur militaerischen Nuklearmacht.
Die USA wiederum setzten auf den Ausbau der Atomkraft, um die Abhaengigkeit vom Oel aus
den Krisenregionen des Nahen Ostens zu verringern. Rein wirtschaftlich rechneten sich neue
AKWs dagegen nicht, sagte der britische Experte Antony Frogatt dem Greenpeace Magazin.
Moderne Gaskraftwerke gleicher Leistung liessen sich in einem Drittel der Zeit und zu einem
Viertel der Kosten bauen. Ueber die gesamte Laufzeit betrachtet, sei Gas um zwoelf, Kohle
mmer noch um sechs Prozent billiger als Atom. Um staatliche Subventionen fuer neue AKWs
zu rechtfertigen, schiebe die Atom-Lobby das Argument Klimaschutz in den Vordergrund,
obwohl es oekonomisch wie oekologisch klueger sei, die erneuerbaren Energien zu foerdern.

Der Greenpeace-Energieexperte Roland Hipp haelt es fuer moeglich, dass in Deutschland
der Atomstrom-Anteil steigt, selbst wenn hier gar keine neuen AKWs entstuenden. Die Strategie
der Energiekonzerne ziele laengerfristig darauf ab, AKWs in Osteuropa zu nutzen, wo Sicherheitskontrollen
laxer, der Widerstand in der Bevoelkerung geringer und die Lohnkosten niedriger seien. Von dort werde
der Atomstrom dann in die westlichen Verbraucherlaender exportiert. "Statt Ausstieg droht uns also ein
Ausflaggen der Atomkraft in Staaten mit niedrigerem Sicherheitsstandard", sagte Hipp dem
Greenpeace Magazin.

Angesichts der drohenden nuklearen Renaissance hat das Greenpeace Magazin den
70er-Jahre-Aufkleber "Atomkraft? Nein danke!" vom Hamburger Design-Buero Mutabor neu
gestalten lassen. Der runderneuerte Klassiker der Anti-AKW-Bewegung kann unter 040/30618-213
oder www.greenpeace-magazin.de bestellt werden.




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