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ISSN 1610-0611
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Giftalarm in den Hochalpen

Giftalarm in den Hochalpen

Neue Greenpeace Studie zeigt:

Dauergifte erreichen sogar entlegene Regionen

Giftige und schwer abbaubare
Chemikalien gelangen bis in die Hochalpen und belasten
selbst Fische in abgelegenen Hochgebirgsseen. Dies
belegt eine neue Greenpeace-Studie, fuer die weltweit
erstmals Hochgebirgs-Tiere auf neue Dauergifte,
sogenannte POPs (persistent organic pollutants),
untersucht wurden.

Greenpeace fand die Dauergifte in Fischen
(Bergsaiblingen) aus dem 2800 Meter hoch gelegenen
Schwarzsee ob Soelden in den oesterreichischen
Oetztaler Alpen, dem hoechsten europaeischen See, in
dem noch Fische leben. Das Wasser im See stammt
ausschliesslich von den benachbarten Berggipfeln.
Schadstoffe gelangen voellig oder ueberwiegend ueber
die Atmosphaere in das Gewaesser. Die in den Fischen
gemessenen Giftkonzentrationen betrugen bei einzelnen
POPs bis zu 911 Mikrogramm pro Kilogramm Fettgewebe.
Die neuen Dauergifte, wie bromierte Flammschutzmittel,
Phthalat-Weichmacher und Chlorparaffine gefaehrden
zusammen mit schon verbotenen Dauergiften wie DDT,
Toxaphen und PCBs die Tiere in den Hochgebirgen sowie
wichtige Quellgebiete fuer die Trinkwasserversorgung.

"Gerade bei Hochgebirgen, die fernab von Staedten und
Chemieanlagen liegen, erwarten wir reine und
unberuehrte Natur", sagt Manfred Krautter, Chemie-
Experte von Greenpeace. "Doch besonders diese Regionen
werden stark mit Dauergiften belastet. Die Chemie ist
ausser Kontrolle, sie verseucht den ganzen Kontinent
bis zu den hoechsten Berggipfeln. Im internationalen
Jahr der Berge muss man fuer die Alpen Giftalarm
geben." Greenpeace fordert ein internationales Verbot
fuer neue Dauergifte. Zudem muss die EU im Rahmen des
neuen Chemikalienrechts eine Zulassungspflicht fuer
gefaehrliche Stoffe einfuehren. Zur Zeit muss ein neuer
Stoff lediglich angemeldet werden.

Europaeische Chemieunternehmen wie BASF, ICI, BP und
Atofina stellen die neuen Dauergifte her. Nachdem im
letzten Jahr zwoelf alte Dauergifte weltweit verboten
wurden, produziert die Chemiebranche inzwischen neue
Stoffe, die ebenso gefaehrlich sind. Sie werden ueber
den Effekt der "Globalen Destillation" in die kalten
Regionen der Erde transportiert: Die Giftstoffe
verdunsten in waermeren Regionen, wandern in der
Atmosphaere und frieren ueber kalten Gebieten aus, wo
sie mit Schnee niedergehen. In den Hochgebirgen steigt
dabei die Belastung von Schnee, Gebirgsseen, Pflanzen
und Tieren mit der Hoehe und sinkender Temperatur. Die
Dauergifte bauen sich in der Kaelte besonders langsam
ab und reichern sich stark in der Nahrungskette an. In
der Arktis wurden bereits hohe Giftkonzentrationen in
Robben, Walen, Eisbaeren und den dort heimischen Inuit
festgestellt.

Bromierte Flammschutzmittel werden in Elektrogeraeten
und Bauprodukten eingesetzt, Phthalate sind Weichmacher
in PVC-Produkten. Chlorparaffine in Dichtungsmassen und
Kabelummantelungen ersetzen die verbotenen PCBs. Diese
Chemikalien gelten als Krebs erregend, hormonell
wirksam und schaedlich fuer die Fortpflanzung.

Internet: www.greenpeace.de
Hamburg, 9. 10. 2002 -


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