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Ölpest vor der afrikanischen Küste
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Ölpest vor der afrikanischen Küste WWF fordert verstärkten Schutz ökologisch sensibler Meeresgebiete
Frankfurt a. M., Bremen, 19.09.2002 - Der italienische Frachter Jolly Rubino steht noch immer in Flammen. Am 11. September war das Schiff vor der südafrikanischen Westküste zwischen Klippen auf eine Sandbank aufgelaufen. Auslaufendes Öl und Giftfässer drohen den Uferbereich eines einzigartigen Welterbes der UNESCO zu verseuchen: das St. Lucia-Reservat. Das südafrikanische Schutzgebiet wurde 1999 zum Weltnaturerbe erklärt und beheimatet 486 Vogelarten wie Weißstörche, Bienenfresser und Fischadler. Außerdem leben hier Lederrückenschildkröten, rund 60.000 Flamingos, 1.000 Nilkrokodile und 800 Flusspferde. Um die Naturparadiese im südlichen Afrika künftig vor ähnlichen Katastrophen zu schützen, fordert der WWF, die Küsten von Mosambik über Südafrika und das Kap der guten Hoffnung hinaus bis nach Namibia als besonders schützenswertes Meeresgebiet (PSSA: Particulary Sensitive Sea Area) gemäß IMO (Internationale Schifffahrtsorganisation) auszuweisen. In solchen Meeresgebieten kön! nen den Schiffen bestimmte Fahrtrouten vorgeschrieben werden. Damit kann z.B. das Befahren ökologisch sensibler Gebiete durch Schiffe mit gefährlicher Ladung verboten werden.
„Dieser Unfall macht gesetzliche Regelungen für die Schifffahrt zwingend. Wir können es uns nicht mehr leisten, aus Fehlern zu lernen. Solche Fehler dürfen einfach nicht mehr passieren!“, fordert Tony Frost, Geschäftsführer vom WWF Südafrika. Die Ausweisung besonders schützenswerter Gebiete sei ein hilfreicher Ansatz. Weltweit wurden erst vier PSSA-Gewässer ausgezeichnet: Das australische Great Barrier Reef, das kubanische Sabana-Camarguey Archipelago, die Inselkette Florida Keys in den USA und die Isla Malpelo vor Kolumbien. Das Wattenmeer in der südlichen Nordsee ist zur Ernennung als PSSA-Gebiet angemeldet, hier steht die Anerkennung durch die IMO jedoch noch aus. „Die Auszeichnung als PSSA-Gewässer muss dem rechtsfreien Raum auf internationalen Gewässern ein Ende setzen. Dadurch könnten zum Beispiel in Küstennähe Lotsen eingesetzt werden, um die Unfallrate zu senken. Die Reedereien scheuen aber deren Bezahlung und laufen lieber ungeschützte Häfen an. Deshalb erschwert die wirtschaftliche Konkurrenz unter den Häfen immer noch die Auszeichnung von Schutzgebieten“, erklärt Holger Wesemüller, Leiter des Fachbereichs Meere und Küsten beim WWF Deutschland.
Bergungsmannschaften kämpfen jetzt vor dem St. Lucia-Reservat darum, das Schlimmste zu verhindern: Sie pumpen soviel Öl wie möglich aus den Tanks der Jolly Rubino auf ein zweites Schiff. Aus zwei Rissen im Rumpf läuft Öl ins Meer. Da die Gefahr besteht, dass das Schiff auseinander bricht, kann es nicht auf die offene See hinausgezogen werden, um die Küste von der Ölverschmutzung zu verschonen. Fest steht, dass sich an Bord Giftfässer mit Phenol befanden. Einige schwer beschädigte Container lagern noch an Deck. des brennenden Schiffes. 40-50 Giftfässer werden noch vermisst.
Holger Wesemüller, WWF-Fachbereich Meere & Küsten Gita Schwanitz, Pressestelle WWF Deutschland
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