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Trotz Schutzabkommen Kahlschlag in Kanada
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Trotz Schutzabkommen Kahlschlag in Kanada Verband deutscher Zeitschriftenverleger ( VDZ ) soll sich für den Schutz des "Great Bear Rainforest" einsetzen
Die Urwälder an Kanadas Pazifikküste werden noch immer durch Großkahlschläge zerstört. Das Holz dieser Wälder landet auch im deutschen Papier. Trotz des im April 2001 geschlossenen Abkommens zum Schutz des Great Bear Rainforest an Kanadas Westküste zwischen der Provinzregierung von British Columbia, internationalen Holzkonzernen, vier Umweltorganisationen und einigen First Nations hat sich an der Situation nichts geändert.
Nach eineinhalb Jahren ist die Bilanz des Abkommens verheerend: Rund 85 Prozent des Great Bear Rainforest sind noch immer ungeschützt und durch Einschlag bedroht. Ein langfristiger Schutz wird nicht garantiert. Bisher ist lediglich ein bis Juli 2003 befristetes Einschlagsverbot in Kraft. Entgegen den Beteuerungen der Forstindustrie hat sich auch an den katastrophalen Forstmethoden nichts geändert. Der Kahlschlag bleibt gängige Praxis im Great Bear Rainforest. Die Einschlagflächen reichen bis an die Ufer der Lachsströme. Damit wird die Existenzgrundlage der First Nations, wie auch der Tiere, die sich vom Lachs ernähren, zerstört.
Auch der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) hatte sich vor zwei Jahren für den Schutz dieses einmaligen Temperaten Regenwaldes eingesetzt. In einem Schreiben fordern die Umweltorganisationen urgewald und ROBIN WOOD den Verband jetzt dazu auf, zu seinen Worten zu stehen und den tatsächlichen Schutz des Great Bear Rainforest von Holzkonzernen und Provinzregierung einzufordern. Darüber hinaus wird an den Verband appelliert, kein Papier mehr einzusetzen, dessen Rohstoff aus Urwäldern, illegalen Quellen oder Gebieten ungeklärter Landrechte stammt (Brief an VDZ s.u.).
Wenn Sie Interesse an weiteren Hintergrundinformationen haben, wenden Sie sich bitte an: Lydia Bartz, urgewald, Tel.: 02583 1031, Fax: 02583 4220, E-Mail: lydia@urgewald.de Rudolf Fenner, Waldreferat ROBIN WOOD, Tel.: 040 38089211, Fax: 040 38089214 , E-Mail: wald@robinwood.de
****** BRIEF VON URGEWALD UND ROBIN WOOD
An den Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) Herrn Wolfgang Fürstner Haus der Presse Markgrafenstrasse 15 10969 Berlin
Sassenberg, den 11. Dezember 2002
Kahlschlag in Kanada trotz Abkommen weiter auf Vormarsch!
Sehr geehrter Herr Fürstner,
wir möchten den in der neuesten Ausgabe der "Paper News" erschienenen Artikel über das "Great Bear Rainforest Abkommen" im kanadischen Regenwald zum Anlass nehmen, um Sie korrekt und vollständig über die aktuelle Situation in den dortigen Urwäldern zu informieren. Leider entsprechen zentrale der in dem Artikel von Christian Schütze genannten Fakten nicht der Realität - es fehlt weiterhin an wirksamen Mechanismen und Vereinbarungen zum Schutz des Temperaten Regenwaldes.
I. Die Sägen kreischen Noch immer werden die Urwälder an Kanadas Pazifikküste durch konventionellen Kahlschlag gerodet (1, 2, 3, 4, 5, 6, 9). Vom Schweigen der Sägen an der kanadischen Pazifikküste kann entgegen den Ausführungen in dem "Paper News "-Artikel vom Oktober 2002 nicht die Rede sein. Allein im letzten Jahr wurden im Küstenregenwald von British Columbia rund 21,6 Millionen m3 Holz "geerntet"(7). Selbst im Lebensraum des seltenen und weltweit einmaligen Kermodebären, einer weißen Unterart des Schwarzbären, wird weiterhin eingeschlagen (2, 9), obwohl der Schutz dieses "Spirit Bear" im Abkommen ein zentrales Anliegen der beteiligten NGOs ist.
II. Kein langfristiger Schutz Des Weiteren ist es wichtig darauf hinzuweisen, dass es sich bei dem Abkommen bisher lediglich um ein temporäres Einschlagsverbot handelt, nicht jedoch um eine langfristige Schutzvereinbarung9. Das Abkommen stellt auch nicht die gesamte kanadische Pazifikküste unter befristeten Schutz, sondern nur einen kleinen Prozentsatz (rund 7 Prozent) des ca. 7 Mio. ha um-fassenden, größten noch unzerschnittenen Urwaldgebietes des Temperaten Küstenregenwaldes, genannt "Great Bear Rainforest". Im Juli 2003 läuft das Moratorium bzw. der Schutzstatus der "protected areas" aus, und es ist unklar, was danach mit den Wäldern passiert. In einigen Moratoriums-Gebieten bereiten sich die Holzkonzerne inzwischen schon auf die Neuaufnahme des Holzeinschlages vor, indem sie die geplanten Kahlschläge im Gelände markieren, um nach Ablauf des Moratoriums ihre Arbeit unverzüglich wieder aufnehmen zu können (2). De facto sind noch immer rund 85 Prozent des Great Bear Rainforest ungeschützt und durch Einschlag bedroht.
III. Kahlschlag bleibt gängige Praxis Trotz Beteuerungen seitens der Regierung und der Holzkonzerne, die Einschlagspraxis grundlegend zu ändern, hat sich an den Methoden seit Unterzeichnung des Abkommens wenig geändert. Die Studie der Forschungsorganisation "David Suzuki Foundation" (3) belegt, dass die im Great Bear Rainforest einschlagenden Holzkonzerne in drei Viertel aller Fälle weiterhin auf Kahlschlag als Erntemethode setzen.
IV. Grundsätzliche Mängel des Abkommens Neben den beschriebenen Mängeln gibt es weiterhin folgende grundsätzliche Kritiken am Abkommen: - die Souveränität der First Nations wird nicht voll anerkannt (8), - eine Umstrukturierung des Forstsektors hin zu mehr kooperativen Kontrollen über die Wälder und eine Reform des Lizenzsystems werden nicht angestrebt, - industrieller Einschlag wird nicht durch nachhaltige Forstwirtschaft mit einer Zertifizierung nach FSC oder vergleichbaren Kriterien ersetzt, - andere Gefährdungen für das ökologische Gleichgewicht im Great Bear Rainforest, wie z.B. durch Bergbau, werden nicht berücksichtigt.
Angesichts dieser ernüchternden Zahlen und Entwicklungen verwundert es nicht, dass die Kritik an dem Abkommen kontinuierlich wächst. Selbst die an den Verhandlungen um das Abkommen beteiligten Umweltorganisationen Greenpeace, Forest Ethics und Rainforest Action Network ziehen eine eindeutig negative Bilanz und prangern die unzureichende Umsetzung des Abkommens an: "Standard industrial logging still ongoing in the Great Bear Rainforest" (4, 5, 6).
Nach Aussagen von Herrn Geiger, VDP, bezieht die deutsche Papierindustrie nach wie vor Zellstoff und Papier von kanadischen Holzkonzernen, die auch im Great Bear Rainforest einschlagen. Da der VDZ wie auch der VDP als Kunden der an den Verhandlungen über das Abkommen beteiligten Holzkonzerne eine Verantwortung für dessen glaubwürdige Umsetzung und den Schutz des global signifikanten Temperaten Regenwaldes haben, fordern wir Sie und die Mitglieder Ihres Verbandes dazu auf,
1. darauf zu drängen, dass - der Schutz der im Abkommen als "protected areas" definierten Gebiete langfristig garantiert und gesetzlich verankert wird, - der Einschlag im Lebensraum des Kermodebären unverzüglich eingestellt wird und - die Kahlschlagspraxis durch nachhaltige Forstwirtschaft mit einer Zertifizierung nach FSC oder vergleichbaren Kriterien ersetzt wird,
2. in Zukunft kein Papier mehr einzusetzen, dessen Rohstoff aus Urwäldern, illegalen Quellen oder Gebieten mit ungeklärten Landrechten stammt,
3. den Anteil an Altpapier in den eingesetzten Papierprodukten deutlich zu erhöhen.
Auch bitten wir Sie, darauf zu drängen, dass in der nächsten Ausgabe der "Paper News" einer kritischen Darstellung der Situation im Great Bear Rainforest Raum gegeben wird.
Die beigefügten "Updates" (9) von der kanadischen Umweltorganisation Forest Action Network dokumentieren die Verstöße gegen das Abkommen und den fortschreitenden Kahlschlag im Great Bear Rainforest.
ROBIN WOOD v. 11.12.02
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