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ISSN 1610-0611
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Trotz Schutzabkommen Kahlschlag in Kanada

Trotz Schutzabkommen Kahlschlag in Kanada
Verband deutscher Zeitschriftenverleger ( VDZ ) soll sich für den Schutz des
"Great Bear Rainforest" einsetzen



Die Urwälder an Kanadas Pazifikküste werden noch immer durch Großkahlschläge
zerstört. Das Holz dieser Wälder landet auch im deutschen Papier. Trotz des
im April 2001 geschlossenen Abkommens zum Schutz des Great Bear Rainforest
an Kanadas Westküste zwischen der Provinzregierung von British Columbia,
internationalen Holzkonzernen, vier Umweltorganisationen und einigen First
Nations hat sich an der Situation nichts geändert.

Nach eineinhalb Jahren ist die Bilanz des Abkommens verheerend: Rund 85
Prozent des Great Bear Rainforest sind noch immer ungeschützt und durch
Einschlag bedroht. Ein langfristiger Schutz wird nicht garantiert. Bisher
ist lediglich ein bis Juli 2003 befristetes Einschlagsverbot in Kraft.
Entgegen den Beteuerungen der Forstindustrie hat sich auch an den
katastrophalen Forstmethoden nichts geändert. Der Kahlschlag bleibt gängige
Praxis im Great Bear Rainforest. Die Einschlagflächen reichen bis an die
Ufer der Lachsströme. Damit wird die Existenzgrundlage der First Nations,
wie auch der Tiere, die sich vom Lachs ernähren, zerstört.

Auch der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) hatte sich vor zwei
Jahren für den Schutz dieses einmaligen Temperaten Regenwaldes eingesetzt.
In einem Schreiben fordern die Umweltorganisationen urgewald und ROBIN WOOD
den Verband jetzt dazu auf, zu seinen Worten zu stehen und den tatsächlichen
Schutz des Great Bear Rainforest von Holzkonzernen und Provinzregierung
einzufordern. Darüber hinaus wird an den Verband appelliert, kein Papier
mehr einzusetzen, dessen Rohstoff aus Urwäldern, illegalen Quellen oder
Gebieten ungeklärter Landrechte stammt (Brief an VDZ s.u.).

Wenn Sie Interesse an weiteren Hintergrundinformationen haben, wenden Sie
sich bitte an:
Lydia Bartz, urgewald, Tel.: 02583 1031, Fax: 02583 4220, E-Mail:
lydia@urgewald.de
Rudolf Fenner, Waldreferat ROBIN WOOD, Tel.: 040 38089211, Fax: 040 38089214
, E-Mail: wald@robinwood.de

******
BRIEF VON URGEWALD UND ROBIN WOOD



An den
Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ)
Herrn Wolfgang Fürstner
Haus der Presse
Markgrafenstrasse 15
10969 Berlin



Sassenberg, den 11. Dezember 2002



Kahlschlag in Kanada trotz Abkommen weiter auf Vormarsch!



Sehr geehrter Herr Fürstner,

wir möchten den in der neuesten Ausgabe der "Paper News" erschienenen
Artikel über das "Great Bear Rainforest Abkommen" im kanadischen Regenwald
zum Anlass nehmen, um Sie korrekt und vollständig über die aktuelle
Situation in den dortigen Urwäldern zu informieren. Leider entsprechen
zentrale der in dem Artikel von Christian Schütze genannten Fakten nicht der
Realität - es fehlt weiterhin an wirksamen Mechanismen und Vereinbarungen
zum Schutz des Temperaten Regenwaldes.

I. Die Sägen kreischen
Noch immer werden die Urwälder an Kanadas Pazifikküste durch konventionellen
Kahlschlag gerodet (1, 2, 3, 4, 5, 6, 9). Vom Schweigen der Sägen an der
kanadischen Pazifikküste kann entgegen den Ausführungen in dem "Paper News
"-Artikel vom Oktober 2002 nicht die Rede sein. Allein im letzten Jahr
wurden im Küstenregenwald von British Columbia rund 21,6 Millionen m3 Holz
"geerntet"(7). Selbst im Lebensraum des seltenen und weltweit einmaligen
Kermodebären, einer weißen Unterart des Schwarzbären, wird weiterhin
eingeschlagen (2, 9), obwohl der Schutz dieses "Spirit Bear" im Abkommen ein
zentrales Anliegen der beteiligten NGOs ist.

II. Kein langfristiger Schutz
Des Weiteren ist es wichtig darauf hinzuweisen, dass es sich bei dem
Abkommen bisher lediglich um ein temporäres Einschlagsverbot handelt, nicht
jedoch um eine langfristige Schutzvereinbarung9. Das Abkommen stellt auch
nicht die gesamte kanadische Pazifikküste unter befristeten Schutz, sondern
nur einen kleinen Prozentsatz (rund 7 Prozent) des ca. 7 Mio. ha
um-fassenden, größten noch unzerschnittenen Urwaldgebietes des Temperaten
Küstenregenwaldes, genannt "Great Bear Rainforest". Im Juli 2003 läuft das
Moratorium bzw. der Schutzstatus der "protected areas" aus, und es ist
unklar, was danach mit den Wäldern passiert. In einigen Moratoriums-Gebieten
bereiten sich die Holzkonzerne inzwischen schon auf die Neuaufnahme des
Holzeinschlages vor, indem sie die geplanten Kahlschläge im Gelände
markieren, um nach Ablauf des Moratoriums ihre Arbeit unverzüglich wieder
aufnehmen zu können (2).
De facto sind noch immer rund 85 Prozent des Great Bear Rainforest
ungeschützt und durch Einschlag bedroht.

III. Kahlschlag bleibt gängige Praxis
Trotz Beteuerungen seitens der Regierung und der Holzkonzerne, die
Einschlagspraxis grundlegend zu ändern, hat sich an den Methoden seit
Unterzeichnung des Abkommens wenig geändert. Die Studie der
Forschungsorganisation "David Suzuki Foundation" (3) belegt, dass die im
Great Bear Rainforest einschlagenden Holzkonzerne in drei Viertel aller
Fälle weiterhin auf Kahlschlag als Erntemethode setzen.

IV. Grundsätzliche Mängel des Abkommens
Neben den beschriebenen Mängeln gibt es weiterhin folgende grundsätzliche
Kritiken am Abkommen:
- die Souveränität der First Nations wird nicht voll anerkannt (8),
- eine Umstrukturierung des Forstsektors hin zu mehr kooperativen Kontrollen
über die Wälder und eine Reform des Lizenzsystems werden nicht angestrebt,
- industrieller Einschlag wird nicht durch nachhaltige Forstwirtschaft mit
einer Zertifizierung nach FSC oder vergleichbaren Kriterien ersetzt,
- andere Gefährdungen für das ökologische Gleichgewicht im Great Bear
Rainforest, wie z.B. durch Bergbau, werden nicht berücksichtigt.



Angesichts dieser ernüchternden Zahlen und Entwicklungen verwundert es
nicht, dass die Kritik an dem Abkommen kontinuierlich wächst. Selbst die an
den Verhandlungen um das Abkommen beteiligten Umweltorganisationen
Greenpeace, Forest Ethics und Rainforest Action Network ziehen eine
eindeutig negative Bilanz und prangern die unzureichende Umsetzung des
Abkommens an: "Standard industrial logging still ongoing in the Great Bear
Rainforest" (4, 5, 6).

Nach Aussagen von Herrn Geiger, VDP, bezieht die deutsche Papierindustrie
nach wie vor Zellstoff und Papier von kanadischen Holzkonzernen, die auch im
Great Bear Rainforest einschlagen. Da der VDZ wie auch der VDP als Kunden
der an den Verhandlungen über das Abkommen beteiligten Holzkonzerne eine
Verantwortung für dessen glaubwürdige Umsetzung und den Schutz des global
signifikanten Temperaten Regenwaldes haben, fordern wir Sie und die
Mitglieder Ihres Verbandes dazu auf,



1. darauf zu drängen, dass
- der Schutz der im Abkommen als "protected areas" definierten Gebiete
langfristig garantiert und gesetzlich verankert wird,
- der Einschlag im Lebensraum des Kermodebären unverzüglich eingestellt wird
und
- die Kahlschlagspraxis durch nachhaltige Forstwirtschaft mit einer
Zertifizierung nach FSC oder vergleichbaren Kriterien ersetzt wird,



2. in Zukunft kein Papier mehr einzusetzen, dessen Rohstoff aus Urwäldern,
illegalen Quellen oder Gebieten mit ungeklärten Landrechten stammt,

3. den Anteil an Altpapier in den eingesetzten Papierprodukten deutlich zu
erhöhen.

Auch bitten wir Sie, darauf zu drängen, dass in der nächsten Ausgabe der
"Paper News" einer kritischen Darstellung der Situation im Great Bear
Rainforest Raum gegeben wird.

Die beigefügten "Updates" (9) von der kanadischen Umweltorganisation Forest
Action Network dokumentieren die Verstöße gegen das Abkommen und den
fortschreitenden Kahlschlag im Great Bear Rainforest.

ROBIN WOOD v. 11.12.02


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