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Unterwasserberge: Unbekannt und schon bedroht
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Unterwasserberge: Unbekannt und schon bedroht
Einen besseren Schutz für die empfindlichen Unterwasserberge forderte der WWF heute in Hamburg zu Beginn eines neuen Projektes zur Erforschung dieser wertvollen Lebensräume im Nordost-Atlantik. Am Beispiel von zwei Unterwasserbergen wird der WWF zusammen mit mehreren Universitäten aus Deutschland und anderen europäischen Ländern drei Jahre lang die Auswirkungen von Fischereiaktivitäten auf diese Lebensräume und ihre Bedeutung für die Meeresumwelt untersuchen, um sie langfristig zu schützen.
„Unterwasserberge sind besonders sensible und artenreiche Lebensräume. Wir können es uns nicht leisten, sie erst dann zu schützen, wenn weitere wissenschaftliche Daten über sie vorliegen. Viele Unterwasserberge könnten dann bereits den destruktiven Fischereimethoden zum Opfer gefallen sein“, warnte Stephan Lutter vom WWF.
Unterwasserberge sind mindestens 1000 Meter hohe Berge am Meeresgrund, deren Spitzen nicht an die Wasseroberfläche reichen. Es sind wichtige Lebensräume für eine Vielzahl von wirbellosen Tieren und Tiefseefischen wie der empfindliche Atlantische Sägebauch. Unterwasserberge werden von vielen Fischen als Laich- und Nahrungsgebiet genutzt und sind deshalb immer stärker im Visier der Fischerei, die in die Tiefsee ausweicht, da die Küstengewässer leer gefischt sind. Dadurch werden viele Fischarten weggefangen, die nur langsam wachsen und spät geschlechtsreif werden wie der Atlantische Sägebauch oder der Grenadierfisch, und auch die Unterwasserberge werden häufig von Grundschleppnetzen stark geschädigt.
Bislang werden Tiefseefischbestände ohne Rücksicht ausgebeutet und auch die Tiefseefischerei unterliegt keiner Kontrolle. Deshalb hat der Internationale Rat zur Erforschung der Meere (ICES, International Council for the Exploration of the Sea) eine Fangbeschränkung für Tiefseebestände und zeitlich befristete Fangverbote für die Grundschleppnetzfischerei in besonders empfindlichen Tiefseegebieten von der EU gefordert. OSPAR (Konvention zum Schutz der Meeresumwelt im Nordost-Atlantik) hat im vergangenen Jahr die sensiblen Seeberge auf die Prioritätenliste für bedrohte Arten und Lebensräume gesetzt, um Maßnahmen für ihren Schutz zu entwickeln. Doch jetzt hat ICES der OSPAR-Kommission geraten, die Unterwasserberge wieder von der Liste zu nehmen, bis neue Erkenntnisse über ihre akute Bedrohung vorliegen. Der WWF fordert OSPAR auf, Unterwasserberge ebenso wie Kaltwasserkorallen bereits jetzt vorsorglich unter Schutz zu stellen. Darüber hinaus muss die Europäische Union die Tiefsee! fischerei in der Nähe der Unterwasserberge so lange einschränken, bis neue wissenschaftliche Daten über den Ausmaß der Zerstörung durch Grundschleppnetze und andere Fischereimethoden bekannt sind. Nach Ansicht des WWF sollten die EU und OSPAR dem Beispiel von Australien, Neuseeland und Kanada folgen, die die Bedeutung der Unterwasserberge erkannt haben und Maßnahmen zum Schutz der Seeberge beschlossen haben.
WWF Deutschland Rebstöcker Straße 55 60326 Frankfurt 12.11.2002
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