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Volle Haftpflicht für Öltanker in Europa
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Volle Haftpflicht für Öltanker in Europa WWF fordert rigorose Anwendung des Verursacherprinzips
Frankfurt a. M./Madrid, 21.11.2002 - Der Tanker „Prestige“ liegt seit zwei Tagen mit fast 70.000 Tonnen Schweröl an Bord auf dem Meeresgrund, und die Suche nach den Verantwortlichen für eine der größten Umwelttragödien der letzten Jahrzehnte beginnt. Der WWF reiht sich in die Liste der Suchenden ein: Die Umweltschützer fordern ein europäisches Gesetz, das den Schadensersatz bei Schiffsunglücken einheitlich regelt. Damit sollen sämtliche Umweltschäden von den Verursachern selbst, also von den Ölgesellschaften und ihren Versicherern, beglichen werden. Bislang zahlen die Versicherungen der Schiffe in der Regel nur einen Bruchteil der anfallenden Kosten. Nach Meinung des WWF wird erst durch den Zwang zu vollem Schadensersatz das Risiko einer Umweltkatastrophe für die verantwortlichen Firmen so groß, dass sie selbst alle Anstrengungen unternehmen werden, um solche Ereignisse zu vermeiden.
„Wir fordern eine komplette Haftpflichtversicherung für Öltanker!“, so WWF-Meeresexperte Hans-Ulrich Rösner. „Es kann nicht sein, dass sich Reeder und Ölgesellschaften eine goldene Nase verdienen und die Allgemeinheit immer wieder den größten Teil der Kosten für die Beseitigung der Umweltschäden tragen muss.“ Nach Tankerunfällen entstehen erhebliche Kosten: Das Öl muss auch in unzugänglichen Bereichen eingesammelt und fachgerecht entsorgt werden, die Natur und Schutzgebiete müssen wieder hergestellt werden. Der WWF fordert, dass künftig sogar der Einsatz der vielen Helfer in die Schadensbilanz aufgenommen und entlohnt wird. Ebenso sollen sämtliche Ausfälle für die Fischerei und für den Tourismus, inklusive aller nach gelagerten Bereiche wie zum Beispiel Fischverarbeitung und Gastronomie, ausgeglichen werden. Während die spanische Regierung nach dem Untergang der „Prestige“ mit Folgekosten in Höhe von 42 Millionen Euro rechnet, geht der WWF bei einer Vollkostenrechnung von ei! ner vielfachen Summe aus. Die bisher üblichen und auch im Fall „Prestige“ zu erwartenden Versicherungssummen decken diese Kosten bei weitem nicht ab. Der WWF rät, sich den Fall der 1989 vor Alaska havarierten „Exxon Valdez“ zum Vorbild zu nehmen: Der verursachende Ölkonzern musste damals durch mehrere Milliarden Dollar den durch 40.000 Tonnen Rohöl entstandenen Schaden ausgleichen. Der Präzedenzfall hat Wirkung gezeigt: In den USA sind die von den Ölgesellschaften erwarteten Sicherheitsstandards sehr viel höher. In besonders empfindlichen Gebieten müssen Tanker beispielsweise stets von Schleppern begleitet werden. Für Hans-Ulrich Rösner steht fest: „Erst wenn die Ölgesellschaften und Versicherungen die Gefahr im Nacken spüren, dass sie bei einem Unfall die tatsächlichen Kosten zahlen müssen, werden sie einen Anreiz haben, in die Sicherheit ihrer Tanker zu investieren.“ Nur ein umfassender und an der Qualität der versicherten Unternehmen ausgerichteter Versicherungsschutz fü! hre dazu, dass keine veralteten Schiffe, Einhüllentanker, schlecht aus gebildeten und unterbezahlten Mannschaften mehr auf den Weg und zu dicht an gefährliche Küsten geschickt werden. Auch wenn man zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht genau weiß, was mit der restlichen Fracht der gesunkenen „Prestige“ geschehen wird, sind die Folgen für die Umwelt bereits absehbar: Zehntausende tote Vögel, schwer geschädigte Fisch- und Muschelbestände und die Beseitigung des Schweröls an den Stränden und Felsen der Küste werden die Helfer vor Ort noch lange in Anspruch nehmen und sehr hohe Kosten verursachen.
WEITERE INFORMATIONEN: http://www.wwf.de/presse/pressearchiv/artikel/00712/index.html
KONTAKT: Hans-Ulrich Rösner, WWF-Fachbereich Meere und Küsten, mobil: 0171/7010383 Jörn Ehlers, Pressestelle WWF Deutschland, Tel.: 0 69/7 91 44-145, mobil: 0171/5440144
Verlustgeschäft Fischerei Millionengrab für Steuergelder WWF-Studie zeigt Kosten der Überfischung in Nord- und Ostsee
Berlin, 21.11.2002 - Die Ausbeutung der Fischbestände ist nicht nur ökologisch sondern auch ökonomisch ein Desaster: Allein die Überfischung von Kabeljau in
der Nordsee und von Dorsch in der Ostsee hatte im vergangenen Jahr einen Einkommensverlust von über 415 Millionen Euro zur Folge. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie, die der WWF heute vorgestellt hat. Die Studie zeigt modellhaft, welche Erträge die Fischer heute hätten und künftig haben könnten, wenn sie in den vergangenen Jahrzehnten nachhaltig gefischt hätten.
„Jahrelang wurden die Fischbestände ohne Rücksicht ausgebeutet. Jetzt ist der Kabeljaubestand in der Nordsee zusammengebrochen und weitere Bestände stehen kurz davor. Anstatt Erholungspläne für die Bestände umzusetzen, wird dieses Verlustgeschäft jährlich mit Millionen Euro Steuergeldern subventioniert!“ kritisierte Heike Vesper vom WWF. Der WWF fordert Fischereiministerin Renate Künast auf, sich persönlich auf der EU-Fischereiratssitzung nächste Woche für konkrete Maßnahmen einzusetzen, damit nicht weitere Bestände zusammenbrechen und Fischer in den Ruin getrieben werden.
Durchschnittlich wurden im Zeitraum 1977-1997 in der Nordsee 203.000 Tonnen Kabeljau gefangen. Bei einer Sicherheitsmarge von 30% zur Berücksichtigung der theoretisch nachhaltigen Fangmenge resultiert daraus eine langfristig mögliche Fangmenge von ca. 140.000 Tonnen pro Jahr. 2001 betrug die Gesamtfangmenge des Kabeljau nur ungefähr 50.000 Tonnen. Die Differenz zwischen nachhaltiger Fangmenge und realen Fängen in 2001 ergeben einen finanziellen Verlust von rund 243 Millionen Euro für die Kabeljaufischerei der Nordsee. Die Situation in diesem und im nächsten Jahr ist noch viel schlimmer, da nach dem Zusammenbruch des Kabeljaubestandes der ICES (Wissenschaftlicher Rat zur Erforschung der Meere) empfohlen hat, die Kabeljaufischerei auf unbestimmte Zeit zu schließen.
Die gleiche Kalkulation für den Dorsch in der Ostsee zeigt ein ähnliches Ergebnis: Durchschnittlich wurden in der Ostsee 1977-1997 jährlich 235.000 Tonnen Dorsch gefangen, wobei eine langfristige nachhaltige Fangmenge 165.000 Tonnen pro Jahr gewesen wäre. Die Fangmenge für 2001 betrug jedoch nur 70.000 Tonnen, da der Bestand stark überfischt ist. Die WWF Studie zeigt, dass die Fischer 2001 etwa 175 Millionen Euro Verluste hatten, für 2002 werden die Verluste bei etwa 160 Millionen Euro liegen.
Die WWF-Studie zeigt, dass es für diese beiden Bestände einen enormen Ertragsverlust gegeben hat. Der Verlust bei allen 14 Fischbeständen in EU-Gewässern, für die dringend Erholungspläne nötig wären, ist viel höher. Insgesamt sind 62 % der kommerziellen Fischbestände im Nordost-Atlantik, 75 % in der Ostsee und 65 % im Mittelmeer außerhalb der sicheren biologischen Grenzen. WWF fordert Frau Künast auf, im Rahmen der EU-Fischereireform sicherzustellen, dass keine Fischereisubventionen für den Ausbau der Fischereiflotten gezahlt, dass Erholungspläne für die Bestände eingeführt und die jährlichen Fangquoten durch eine langfristige Planung ersetzt werden, die eine rasche Erholung der Bestände ermöglicht.
WWF Deutschland Rebstöcker Straße 55 60326 Frankfurt
21.11.2002
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Konferenz zur Konvention über Feuchtgebiete | Greenpeace-Aktion gegen uralten Oeltanker
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