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ISSN 1610-0611
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Erster Bürgermeister fliegt in die Türkei

Abgeordnete des türkischen Parlaments besuchen den DGB Hamburg

DGB und türkische Delegation sind sich einig:
Für bessere Integration der Menschen mit türkischer Herkunft

Drei türkische Delegationen sind in EU-Länder ausgereist, um über Probleme
und Möglichkeiten der im Ausland lebenden Türken zu berichten und zu
diskutieren. Eine Gesandtschaft, der u.a. die Abgeordneten Avni Dogan und
Muharrem Candan sowie der stellvertretende Generalkonsul des
Generalkonsulats der Republik Türkei, Erdogan Odabas angehören, trafen sich
mit Erhard Pumm, Vorsitzender des DGB Hamburg sowie Hüseyin Yilmaz, Berater
der DGB-Abteilung Arbeitsmarktpolitische Integration junger Migrantinnen und
Migranten.
Beide Seiten waren sich in der Einschätzung einig, dass in dieser Stadt mehr
für die Integration Menschen türkischer Herkunft getan werden muss. So sei
es für den Spracherwerb und die kulturelle Begegnung wichtig, dass Kinder
türkischer Herkunft ab dem 3. Lebensjahr einen KITA-Platz erhalten. "Denn
nur wer die deutsche Sprache richtig beherrscht, dem gelingt ein
reibungsloser Einstieg in die Schulausbildung, die wiederum Grundlage ist
für das spätere Berufsleben", sagt Erhard Pumm, Vorsitzender des DGB
Hamburg, "gerade vor dem Hintergrund, dass bis zu 20 Prozent der
Migrantenkinder die Schule ohne Abschluss verlassen, ist der Senat in der
Pflicht, bessere Grundlagen zu schaffen und mehr in die Bildung zu
investieren."
Der DGB stelle seit Jahren fest, dass zwar die Integration der Menschen mit
Migrationshintergrund innerhalb der Arbeitswelt gelungen sei - so werden
etwa auch türkische Kollegen häufig als Betriebsräte oder
Betriebsratvorsitzende gewählt - in anderen Bereichen der Gesellschaft
hapere es jedoch an der gegenseitigen Akzeptanz. So wird es Ausländern immer
noch schwer gemacht, überhaupt eine Ausbildungsstelle oder eine Arbeit zu
finden - mit einer Arbeitslosenquote von 20,6 Prozent in Hamburg (Stand
September 03) ist dieser Personenkreis deutlich stärker von Erwerbslosigkeit
betroffen als Deutsche. "Besonders schlimm ist die Jugendarbeitslosigkeit
unter Migranten mit ebenfalls rund 20 Prozent", sagt Hüseyin Yilmaz, der
Betriebs- und Personalräte in den Unternehmen in Fragen der Ausbildung
jugendlicher Migrant/innen berät und bei Konfliktsituationen während der
Ausbildung vermittelt.

Die türkischen Abgeordneten wiesen auch darauf hin, dass die Zahl der
Deutschen, die in der Türkei leben, mittlerweile rasant zunehme. Allein in
Alanya bei Antalya seien es mittlerweile 10 000 deutsche Staatsbürger, die
überwiegend vom Im- und Export lebten. "Auch hier gab es zunächst
Integrationsprobleme", so Avni Dogan, "doch wir haben schnell gegen
gesteuert und sind erfolgreich gewesen, was bei der vergleichsweise geringen
Zahl sicher auch einfacher ist als in Deutschland."



Für eine gelungene Eingliederung der Türken in Deutschland, auch darüber
waren sich der DGB Hamburg und die türkische Delegation einig, sei das Ziel
der doppelten Staatsbürgerschaft. "Türken, die in diesem Land leben und
arbeiten, müssen richtig deutsch sprechen können," sagte Erhard Pumm,
"aber ebenso wichtig ist es, dass sie auch weiterhin die türkische Sprache
beherrschen und ihre Kultur pflegen können, damit sie sich hier wie dort zu
Hause fühlen." Damit verbesserten sich zudem ihre Chancen auf dem
Arbeitsmarkt.

Ein offener Punkt sei auch das kommunale Wahlrecht, das Nicht-EU-Bürgern
nach wie vor verwehrt wird und dringend eingeführt werden müsse. Schließlich
leben in Hamburg neben 24 000 Menschen türkischer Herkunft mit deutschem
Pass auch 64 000 Bürger mit türkischem Pass.

Als Ziel oberster Priorität nannte die türkische Delegation die
Verhandlungen für einen möglichen EU-Beitritt der Türkei - sie müssten nun
zügig in 2004 beginnen. Schließlich sei die Türkei das einzig demokratisch
islamische Land der Welt und ein großer Teil der türkischen Bevölkerung
orientiere sich mit großen Hoffnungen Richtung Westen. Diese Hoffnungen
dürften nicht enttäuscht werden.

Erhard Pumm: "Der DGB Hamburg erwartet von dem Hamburger Ersten
Bürgermeister Ole von Beust, dass er bei seiner Türkei-Reise nicht nur den
Ansatz verfolgt, wirtschaftliche Beziehungen auszubauen, sondern dass er
sich auch stärker für die Integration türkischer Bürger in der Hansestadt
einsetzt."




03. November 03
Claudia Falk
Öffentlichkeitsarbeit DGB Hamburg
Besenbinderhof 60
20097 Hamburg
www.dgb-hamburg.de


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