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ISSN 1610-0611
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Bildungsstandards: Wundermittel oder Teufelszeug?

„In zehn Jahren hat jeder Schulabgänger einen Abschluss, jeder spielt ein Musikinstrument„

GEW-Konferenz „Bildungsstandards: Wundermittel oder Teufelszeug?„

Berlin – „In zehn Jahren hat jeder Schulabgänger einen Abschluss, jeder spielt ein Musikinstrument. Die jetzt diskutierten nationalen Bildungsstandards müssen sich daran messen lassen, ob sie helfen, die Hauptprobleme des deutschen Bildungssystems zu lösen: soziale Ungerechtigkeit und mangelhafte Leistungsfähigkeit„, sagte Eva-Maria Stange, Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), während der Pressekonferenz zu der Tagung „Bildungsstandards: Wundermittel oder Teufelszeug?„.

„Für Wettbewerb und politische Gefechte zwischen den Bundesländern ist das Thema Bildungsstandards völlig ungeeignet. Schlechte Standards helfen den Schülern nicht. Sie können viel kaputt machen„, sagte Stange. Sie forderte die Kultusministerkonferenz (KMK) auf, die Standards mit wissenschaftlicher Unterstützung einer nationalen Bildungsagentur zu entwickeln. Hierfür sagte sie die Unterstützung der GEW zu. Die Gewerkschafterin warnte davor, Standards jetzt im „Schweinsgalopp durchzupeitschen, nur um in der Öffentlichkeit Aktivitäten und Handlungsentschlossenheit vorweisen zu können„.

Bildungsstandards seien ein Werkzeug, kein Selbstzweck, betonte Stange. Nationale Standards setzten eine bundesweite Verständigung über grundlegende Ziele voraus. „Standards brauchen einen nationalen Bildungskonsens„, sagte die GEW-Vorsitzende. Dafür müsse sich die Politik parteiübergreifend auf langfristige Ziele und gemeinsame Grundsätze einigen. Konkret: Bis zum Jahr 2013 sollten genau so viele Kinder aus Zuwanderer- und sozial schwächeren Familien studieren wie aus Akademikerhaushalten. Die Zahl junger Menschen mit Studienberechtigung müsse um 50 Prozent erhöht, die Akademikerquote verdoppelt werden. Sitzenbleiber und Schulabbrecher dürfe es nicht mehr geben. „Dafür muss das System der frühen Auslese der Kinder durch den Grundsatz individueller Förderung ersetzt werden. Das Schulsystem darf nicht mehr so viele Verlierer produzieren. Bildungsstandards müssen den Mindestanspruch junger Menschen auf Bildung begründen„, unterstrich Stange.

„Bildungsstandards sollen möglichst konkret beschreiben, was junge Menschen während ihres Lernprozesses lernen sollen. Die Standards decken nicht alles ab, was Schüler können sollen. Aber sie bilden ein solides Fundament, auf das ein Lernhaus gebaut werden kann„, erläuterte Stange.

„Die Standards sollen für alle Schulen gelten. Sie müssen fest mit den Begriffen Förderung und Orientierung verknüpft sein„, sagte die GEW-Vorsitzende. Schwächen von Schülern, aber auch Schulen müssten rechtzeitig erkannt werden und automatisch Unterstützung auslösen. „Es geht nicht darum, die Schulen mit Tests und Rankings zu überziehen, sondern ein Bewertungssystem zu entwickeln, das der Orientierung über den Leistungsstand der Schulen und der Schüler dient„, sagte Stange. „Bildungsstandards sollen Schulen nicht fesseln, sondern ihnen die lange Leine für Eigenverantwortung lassen.„ Dieses positive Verständnis der Standards sichere die Akzeptanz bei Lehrern, Schülern und Eltern.


31. Oktober 2003
Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft
Hauptvorstand
http://www.gew.de


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