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ISSN 1610-0611
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25 Jahre Schulsozialarbeit

Ganztagsschulen erfordern enge Zusammenarbeit zwischen
Schulsozialarbeitern und Lehrern auf gleicher Augenhöhe

25 Jahre Schulsozialarbeit:
GEW-Bundesfachtagung am 10./11. Juli an der FH München

München - "Nur wenn Schulsozialarbeiter und Lehrkräfte eng zusammenarbeiten, wird das 'Projekt Ganztagsschule' gelingen. Beide Pädagogengruppen müssen ihre Kompetenzen gleichberechtigt einbringen. Denn Ganztagsschulen sollen Orte gemeinsamen Lebens und Lernens für alle Schüler werden. Das setzt ein Gesamtkonzept voraus, in dem Lern- und Erholungsphasen, Unterstützungs- und Betreuungsangebote, Projekt- und AG-Arbeit aufeinander abgestimmt sind", erklärte Eva-Maria Stange, Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), am Donnerstag in München während der Bundesfachtagung "Schulsozialarbeit" ihrer Organisation. Ziel sei, an den Schulen eine "neue Lehr- und Lernkultur zu entwickeln". Dies bedeute nicht nur eine "Optimierung des Schulbetriebes", sondern eine "neue Qualität ganzheitlicher und lebensweltorientierter Pädagogik".

"Nach 25 Jahren Schulsozialarbeit gehört das Bild von der 'Feuerwehr', die soziale und pädagogische Brände an der Schule löscht, oder des 'Pausenclowns an der Tischtennisplatte' endgültig in die Mottenkiste der Geschichte. Wir brauchen für die Ganztagsschulen zusätzliche pädagogische Angebote und Kompetenzen, die es in den meisten Schulen (noch) nicht gibt", betonte Stange. Schulen beträten hier größtenteils Neuland. Dies böte Lehrkräften und Schulsozialarbeitern die Chance, gemeinsam neue Konzepte im Interesse einer optimalen Entwicklung von Kindern und Jugendlichen zu erarbeiten und auszugestalten. Dies setze ein gegenseitiges Anerkennen der professionellen Kompetenz auf gleicher Augenhöhe, aber auch vergleichbare Arbeitsbedingungen voraus.

Für die Steuerung und Planung von Ganztagsangeboten forderte die GEW-Chefin, "Kooperationsstellen Schule - Jugendhilfe" einzurichten. Diese sollten auf Kreis- und Gemeindeebene die Zusammenarbeit von Schulen, Schulverwaltung und Jugendhilfe organisieren. "Damit Doppelarbeit vermieden, ein breites Angebot langfristig gesichert wird und der Verwaltungsaufwand nicht ausufert, brauchen wir eine institutionalisierte Entwicklungsplanung", sagte Stange. Um die Qualität der Angebote an den Schulen zu sichern, verlangte sie, landesweite Rahmenvereinbarungen zur Sicherung von Mindeststandards mit den Trägern von Jugendhilfe und anderen Partnern abzuschließen.

"Ganztagsschulen sind ein Beitrag für mehr Chancengleichheit ", betonte die GEW-Sprecherin. Das schlechte Abschneiden bei der Schulleistungsstudie PISA habe gelehrt, dass Deutschland nur beim Aussortieren der Schüler und der Vererbung von Bildungschancen international Spitze ist. "Jetzt müssen wir lernen, individualisierte Lehr- und Lernformen zu finden, die besonders schwächere Schüler und Kinder aus Migrantenfamilien unterstützen. Die Institutionen müssen sich den Bedürfnissen der Kinder anpassen und nicht umgekehrt."

In diesem Zusammenhang forderte die GEW-Vorsitzende, auf Bundes- und Landesebene Ministerien für Erziehung und Bildung zu schaffen. Diese sollten die Ressorts Schule, Familie, Jugend und Soziales gemeinsam vertreten. "Um die öffentliche Verantwortung für das Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen zu bündeln, muss die politische Verantwortung für Bildung und Erziehung mit gemeinsamen Strukturen auf allen Ebenen unter einen Hut", sagte Stange.



Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft
Hauptvorstand
10. Juli 2003
ur/pp


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