GEW fordert einheitliche Bildungsstandards für alle Schulen
Frankfurt am Main - "Den jetzt von der Kultusministerkonferenz (KMK) vorgelegten Bildungsstandards sieht man deutlich an, dass sie mit heißer Nadel gestrickt worden sind. Die KMK sieht sich offenbar unter starkem öffentlichen Druck, nach den Ergebnissen der Schulleistungsstudien PISA und IGLU endlich Aktivitäten vorzuweisen", sagte Marianne Demmer, im Vorstand der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) für Schulpolitik verantwortlich, am Donnerstag in Frankfurt am Main. Der jetzt begonnene Diskussionsprozess sei dringend notwendig, die Zeitvorgabe jedoch zu kurz bemessen.
Demmer forderte erneut schulartübergreifende Bildungsstandards. In diesem Zusammenhang kritisierte sie die nebulösen Äußerungen von KMK-Präsidentin Karin Wolff (CDU) zu dieser Frage. "Die Erfahrungen aus allen PISA-Spitzen-Ländern zeigen, dass einheitliche Bildungsstandards notwendig sind", hob die GEW-Sprecherin hervor.
Sie formulierte Kriterien, an denen sich Bildungsstandards messen lassen müssen. "Wir brauchen bundesweite Bildungsstandards, die für alle Schulen als Mindestanforderungen gelten. Jeder Ausbildungsbetrieb, jede Hochschule muss sicher sein, dass Schulabgänger über bestimmte, allgemein bekannte Mindestqualifikationen verfügen", betonte Demmer. Außerdem dürften Bildungsstandards keinesfalls zur Selektion der Schüler missbraucht werden. "Sie müssen Orientierungs- und Diagnosefunktion haben: Wenn absehbar ist, dass Schüler, aber auch Schulen die Messlatte nicht erreichen, müssen sofort Förder- und Unterstützungsmaßnahmen ergriffen werden", sagte die GEW-Sprecherin. "Wenn Testeritis und Schulranking zu Ziel und Ergebnis von Bildungsstandards werden, sind Sinn und Zweck der Übung verfehlt." Die Standards seien nur dann sinnvoll, wenn sie in ein Qualitäts- und Schulentwicklungskonzept eingepasst sind, dessen Leitgedanke Integration und Förderung ist. Davon sei in den jetzt vorgelegten Bildungsstandards aber noch nichts gesagt. Die KMK beschränke sich auf Qualitätssicherung, habe aber bisher nicht definiert, welche Qualität sie damit eigentlich meine.
Die KMK drücke sich erneut vor wichtigen Entscheidungen. Sie überlasse es den Bundesländern, was diese mit den Bildungsstandards machen. "Es scheint die KMK nicht zu stören, dass neben den nationalen mittlerweile mehrere Bundesländer, Baden-Württemberg allen voran, eigene Standards erarbeiten", kritisierte Demmer. "Auch ein schlüssiges Konzept, wie die Standards bundesweit überprüft werden sollen und ob sie überhaupt prüfen, was sie vorgeben zu prüfen, fehlt", sagte sie.
"Nur wenn es in der Republik eine Verständigung darüber gibt, dass Bildungsstandards der Orientierung und Entwicklung, nicht der Kontrolle und Selektion dienen, machen sie Sinn. Dann sind sie weder Wundermittel noch Teufelszeug, sondern können einen Beitrag zum notwendigen, grundlegenden Kurswechsel im deutschen Bildungswesen leisten", unterstrich die GEW-Sprecherin.
Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Hauptvorstand 10. Juli 2003 ur/pp
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