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Sozialmarketing oder Marketing
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Diskussion: M. Niederastroth zu Sozialmarketing oder Marketing
Sozialmarketing oder Marketing - die Schere schließt sich
Bereits bei der Frage, was Sozialmarketing sei, scheiden sich die Geister. Ähnlich wie beim klassischen Marketing existieren hier sehr viele Definitionen nebeneinander. Die Bundesarbeitsgemeinschaft Sozialmarketing definiert "Sozialmarketing als die Planung, Organisation, Durchführung und Kontrolle von Marketingstrategien und -aktivitäten nichtkommerzieller Organisationen, die direkt oder indirekt auf die Lösung sozialer Aufgaben gerichtet sind."
Wenn es an dem ist, dann ist der große Unterschied zum klassischen Marketing also der, dass Sozialmarketing sich auf nichtkommerziellen Organisationen beschränkt und auf die Lösung sozialer Aufgaben gerichtet ist. Schließlich wird Marketing auch in kommerziellen Unternehmen geplant, organisiert, durchgeführt und kontrolliert.
Fraglich ist, ob Marketing zur Lösung sozialer Aufgaben eine eigene Ausrichtung, nämlich Sozialmarketing, benötigt. Wird im Sozialmarketing wirklich so anders agiert, dass diese Sonderbezeichnung gerechtfertigt ist?
Früher handelte es sich beim Sozialmarketing primär um Öffentlichkeitsarbeit und somit um ein kleines Teilgebiet des Marketing. Heute benötigen Nonprofit-Organisationen wesentlich mehr als PR zur Lösung ihrer Probleme. Deshalb kann Marketing nicht nur aus einer Marketing-Light-Version bestehen.
Der Nonprofit-Bereich ist ähnlich verschiedenartig, wie der Profitbereich. Auf ganz unterschiedlichen Feldern engagieren sich Menschen auf ganz unterschiedliche Art und Weise.
Eines dieser Felder ist der Arbeitsmarkt. Hier kämpfen unzählige Vereine um einen Etat von über 20 Milliarden Euro, der von der BfA für eine aktive Arbeitsmarktpolitik bereitgestellt wird. Wenn Marketing hier zur Lösung sozialer Aufgaben beitragen möchte, dann kann es sich nicht auf PR konzentrieren. Diese Mittel werden durch Produkt- und Preispolitik akquiriert.
PR und andere kommunikationspolitischen Instrumente kommen hingegen beim Akquirieren von Spenden zum Einsatz. Allerdings schätzt man das Volumen dieses Marktes auf "nur" drei Milliarden Euro pro Jahr.
Ähnlich dem Profit-Bereich gibt es also auch für den Nonprofit-Bereich verschiedene Märkte auf denen unterschiedlich agiert wird. Alle vier Politikbereiche, in die sich das klassische Marketing gliedert, können hier relevant sein. Welches Gewicht dem einzelnen Politikbereich bei der jeweiligen Organisation zukommt, hängt von deren sozialen Aufgabe ab. Anders als im Profitbereich, wo ein harmonisches Ineinandergreifen von Preis-, Vertriebs-, Produkt- und Kommunikationspolitik unumgehbar ist, kann ein Nonprofit-Unternehmen je nach sozialer Aufgabe manchmal auf den einen oder anderen Politikbereich verzichten. Dies ist aber nicht die Norm sondern die Ausnahme.
Auch die besonderen Inhalte, um die sich das Marketing im sozialen Bereich kümmert, sind kein ausreichender Grund für diese Sonderbezeichnung. Auch in Profit-Unternehmen arbeitet man nur in seinem Markt. Ob B2B, B2C, B2E, ob Marketing im Bereich Bau, Chemie oder auch Spielwaren - Marketing ist immer kunden- und branchenspezifisch. Einen Grund ausschließlich Sozialmarketing als besondere Form des Marketing herauszustellen, ist nicht erkennbar.
Auch hinsichtlich des Anspruchs an Professionalität darf man beim Sozialmarketing keine Abstriche machen. In Zeiten der Überfrachtung mit Informationen und Werbung kommen nur die besten bis zum Adressaten durch. Deshalb holen sich Nonprofit-Unternehmen für das Sozialmarketing auch immer häufiger Hilfe aus dem professionellen Bereich. Besonders CRM und Direktmarketing spielen hier eine immer größere Rolle.
Mittlerweile sind bei manchen Kampagnen überhaupt keine Grenzen mehr zwischen Marketing und sozialem Auftrag auszumachen. Z. B. bei Produkten von Transfair, dem WWF, Krombachers Regenwald-Projekt und der Kampagne von KELLOGG'S scheint die Grenzziehung schwierig.
Bei dieser Einbindung von sozialen Anliegen in das Marketing handelt es sich nicht um Sponsoring. Es handelt sich um Marketing, dass neben dem eigentlichen Produkt die Lösung einer sozialen Aufgaben bewirbt.
Es hat den Anschein, als ob dieser Trend in Zukunft weiter ausgebaut wird. So stellte das Institut für Markt-Umwelt-Gesellschaft an der Universität Hannover fest, dass ein Drittel der Konsumenten Produkte von Unternehmen bevorzugen, die sich nachweislich gesellschaftlich verantwortlich verhalten. Der Verzicht auf Kinderarbeit, die Schaffung von Arbeitsplätzen und Leistungen im Umweltschutz sind die Themen, die die Konsumenten besonders berühren.
Kunden wollen ein ernsthaftes soziales Engagement der Profit-Unternehmen. Marketing will Kundenwünsche erfüllen. Also engagiert es sich.
Vor diesem Hintergrund stellt sich erneut die Frage, welche Existenzberechtigung der Begriff Sozialmarketing hat. Meines Erachtens gibt es keine Gründe dafür. Das bedeutet konsequenterweise, dass Marketing im sozialen Bereich sich noch stärker wandeln und professionalisieren muss. Zur Lösung sozialer Aufgaben braucht es Profis- auch für das Marketing.
Markus Niederastroth, Dipl.-Kaufmann
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<Anm. d. Red. : Markus Niederastroth reagiert auf die Debatte, die H-Dritter Sektor im April angestossen hatte mit einer Problemskizze von Andreas Knoth zum Thema Selbstfinanzierung im Dritten Sektor, nachzulesen unter
http://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=h-dritter-sektor&month=0304&week=d&msg=m5Wn9ayerKPDX2ebnG%2bJLw&user=&pw= oder auch in der neuen Maecenata Actuell August 2003 www.maecenata.de > ----------------------
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Editor dieser Nachricht: Dr. Rudi Piwko
Tuesday, August 19, 2003 12:05 PM ________________________________________________ Copyright (c) 2002 by H-Dritter-Sektor (H-Net), all rights reserved. This work may be copied for non-profit educational use if proper credit is given to the author and the list. For other permission, please contact the editor.
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