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ISSN 1610-0611
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Europäische Kommission fördert DIZ-Projekt

Das Generalsekretariat der Europäischen Kommission in Brüssel hat dem Dokumentations- und Informationszentrum (DIZ) Emslandlager in Papenburg Mitte Juni die finanzielle Förderung eines Projekts „Täterbiographien: die Lagerkommandanten der emsländischen KZ Börgermoor, Neusustrum und Esterwegen„ bewilligt. Im Rahmen dieser am 1. Juli 2003 beginnenden und auf sechs Monate befristeten Maßnahme ist u.a. die Herausgabe einer fachwissenschaftlichen Publikation vorgesehen.

In den bislang vorliegenden Publikationen sind die Biographien der Lagerkommandanten der emsländischen Konzentrationslager nicht oder nur unzureichend behandelt. Dies ist nicht nur für die Erforschung der Frühgeschichte der Konzentrationslager, sondern auch für die historisch-politische Bildungsarbeit von Bedeutung. Gerade durch die Auseinandersetzung mit dem familiären, schulischen, beruflichen, sozialen und politischen Umfeld, in dem die späteren Täter aufwuchsen und lebten, lassen sich wichtige Rückschlüsse darüber gewinnen, unter welchen Bedingungen und Umständen Menschen die Bereitschaft entwickeln können, einem verbrecherischen Regime gerade auch dort zu dienen, wo Terror und Mord ihre schlimmsten Folgen zeigten.
Das skizzierte Forschungsdesiderat hat seine Ursache wesentlich darin, dass bislang kaum geeignetes Quellenmaterial zur Verfügung stand oder aber nur sehr schwer zugänglich war. Auf diesem Gebiet hat sich in den letzten Jahren eine einschneidende Veränderung vollzogen, die es erlaubt, diese Lücke endlich zu schließen: Im Dezember 2002 beauftragte das DIZ den Historiker Dr. Hans-Peter Klausch mit ersten Recherchen in den Beständen des ehemals US-amerikanisch verwalteten Berlin Document Centers, die inzwischen in den Besitz des Bundesarchivs übergegangen sind. Dadurch gelangten zu Jahresbeginn annähernd 1.000 Aktenkopien in den Besitz des DIZ, die sich auf die im Emsland tätigen Lagerkommandanten und andere SS-Wachmänner beziehen.
Hinzu kommt, dass in den letzten Jahren die archivische Erschließung der Justizakten der „Emslandlagerprozesse„ der Nachkriegszeit weit vorangeschritten ist. In den niedersächsischen Staatsarchiven Aurich, Oldenburg und Osnabrück stehen inzwischen umfangreiche Aktenüberlieferungen der ermittelnden Staatsanwaltschaften und der mit Strafprozessen betrauten Gerichte zur Verfügung. Einige Verfahren richten sich unmittelbar gegen KZ-Kommandanten und -Wachmannschaften. Doch auch in den Verfahren gegen Angehörige des Wachpersonals der späteren Strafgefangenenlagern finden sich immer wieder Häftlingsberichte, die auf das Geschehen in den vormaligen Konzentrationslagern Bezug nehmen.
Für die Erarbeitung einer fachwissenschaftlichen Publikation zu den Biographien entsteht ein besonderer Reiz dadurch, dass sich unter den emsländischen KZ-Kommandanten sowohl solche befanden, die später „Karriere„ in anderen großen KZ machten, als auch solche, die innerhalb der NSDAP und SS in Ungnade fielen. Die Diskussion der Frage, inwieweit die Moorlager als „Schule„ des SS-Wachpersonals der späteren Konzentrationslager dienten, dürfte hierdurch neue Impulse erfahren. Ebenso ist die Thematik des Führungspersonals geeignet, noch vergleichsweise im Dunklen liegende Aspekte der Emslandlager zu erhellen, etwa die bis an den Rand von bewaffneten Konflikten gehenden Auseinandersetzungen um die Ablösung der SS-Wachmannschaften durch Polizei und SA gegen Ende des Jahres 1933 und die Wiedereinsetzung der SS in die Verwaltung des KZ Esterwegen im Jahre 1934.
Auf der Grundlage der angestrebten Publikation sollen die Ergebnisse in die ständige Ausstellung eingehen, in dem in einem neuen Lesepult die NS-Karrieren und Nachkriegsschicksale ausgewählter Lagerkommandanten dokumentiert und an einem anderen Leseort weitere Biographien vorgestellt werden sollen. Geeignete Dokumente sollen ferner didaktisch-methodisch aufbereitet werden, damit sie für die schulische und außerschulische Bildungsarbeit genutzt werden können.
Für die Durchführung des Projekts konnte der Oldenburger Historiker Dr. Hans Peter Klausch gewonnen werden, der im vergangenen Jahr eine Biographie über den jüdischen Börgermoor-Häftling Jakob de Jonge aus Weener veröffentlicht hatte.





27.06.03


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