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Vom kreativen Chaos zum professionellen Management
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Martina Hörmann: Vom kreativen Chaos zum professionellen Management, Organisationsentwicklung in Frauenprojekten, Siegener Studien zur Frauenforschung, Band 9, Opladen (Leske und Budrich) 2002, 270 Seiten, ISBN 3-8100-3131-3, 24,90 Euro
Martina Hörmann beschreibt in ihrer Arbeit die Bedeutung und den Wandel von Organisationsformen in Frauenprojekten. Dieser Wandel unterscheidet sich aufgrund der selbstformulierten feministischen Ansprüche gegenüber traditionellen Organisationsstrukturen. Perspektivisch sieht sie zwei wesentliche, naheliegende Entwicklungsrichtungen: werden diese Projekte „Innovative Vorreiterinnen oder bedrohte Nischenunternehmen“ (S. 23) sein ?
Frauenprojekte sind aufgrund ihres emanzipatorischen Ansatzes Orte für selbstverwaltete Arbeitsstrukturen und somit über die spezifischen Zielgruppen hinaus Entwicklungsräume für zeitgemäße und zukunftsfähige Organisationsformen. Die Inhalte prägen die Ausformung dieser Organisationsstrukturen. Sie unterscheiden sich von anderen Non- Profit-Organisationen wie z.B. den großen Wohlfahrtsverbänden, in denen die Weiterentwicklung der Organisation sich primär auf die Verflachung der Hierarchien, die Verlagerung der Entscheidungsmacht „nach unten“ sowie die Entbürokratisierung im Allgemeinen beziehen.
Ausgehend von den vier zentralen Begrifflichkeiten Differenzierung, Professionalisierung, Individualisierung und Entpolitisierung und Integration alternativer Angebotsformen und Projekte erläutert die Autorin bisherige Entwicklungen und Veränderungsprozesse basisdemokratischer Strukturen um gemäß ihrer aufgestellten These zu schlussfolgern, dass „innovative feministische Organisationen aufgrund ihres größeren Flexibilitätspotenzials und ihres hohen Innovationsgrades als ein Modell für eine zukunftsfähige Organisation angesehen werden können“(S. 256) wenn sie sich dieser Entwicklung öffnen.
Ein weiteres Ergebnis dieses Wandels könnte sein, dass Organisationsformen der basisdemokratischen und der „klassischen“ sozialen Einrichtung sich aufeinander zu bewegen und dadurch gemeinsame und sich ergänzende Aufgaben und Lernpotenziale schaffen.
Die Publikation ist im Rahmen einer wissenschaftlichen Reihe für Frauenforschung veröffentlicht, und eingebettet in eine Forschungsreihe im Bereich der Sozial- und Erziehungswissenschaften. Die umfassende Forschungsarbeit wird durch die vielseitige praxisbezogene und interdisziplinäre Erfahrung der Autorin erweitert und damit ebenfalls zu solidem Grundlagenwissen für Praktikerinnen und Praktiker über den Rahmen basisorientierter Frauenprojekte hinaus.
Die Analyse dreier unterschiedlicher Frauenprojekte vermittelt einerseits wissenswerte Details, andererseits Überblick über die komplexen Wandlungsprozesse, welche erfolgreiche Organisationen - in diesem Falle solche mit sehr kooperativen Strukturen - im Laufe ihres Wachstums zu bewältigen haben. Das Buch stellt zum Einstieg die Beziehung basisdemokratischer Projekte zum Arbeitsbegriff und deren Kritik daran dar (Kapitel 1). Im Kapitel 2 werden die im Buch genutzten zentralen Begrifflichkeiten der Organisationsentwicklung erläutert. Kapitel 3 beschreibt gesellschaftliche Lage und Umbruchsituation von NonProfit-Organisationen heute und definiert die Notwendigkeit der Veränderung in Bezug auf Modernisierungsdruck und Professionalisierungsanforderungen. Das Kapitel 4 geht auf die Entstehungsgeschichte und den Wandel von, sowie die Anforderungen an Frauenprojekte ein. Die Autorin betrachtet sowohl theoretische als auch praktische Aspekte der Gegebenheiten sowie die notwendigen Erneuerungsprozesse. Anschließend an die Darlegung der Bedarfe werden die von der Autorin gewählte Herangehensweise, die verwendeten Forschungsmethoden sowie die beispielhaft befragten Organisationen vorgestellt (Kapitel 5). Die letzten beiden Kapitel befassen sich mit der Auswertung (Kapitel 6) der Forschungen und der Interpretation (Kapitel 7) dieser Ergebnisse mittels des „Versuchs einer Typologisierung“ (S. 242) feministischer Organisationen.
Die Autorin entwickelt schlüssig ihre Argumentationslinien und leistet mit ihrer Arbeit einen umfassenden Beitrag zur - bisher wenig erforschten - feministischen Organisationstheorie. Dieser Beitrag verknüpft anzustrebende, zukunftsfähige Perspektiven in Theorie und Praxis und notwendige Auseinandersetzungen mit der Realität. Er ermöglicht Leserinnen und Lesern, sich in die Welt der Projekte zu versetzen und liefert parallel dazu genügend Information und Übersicht, um die beschriebenen Prozesse anhand von eigenem Wissen, Erfahrungen und Prioritäten zu evaluieren. So ist die Leserschaft in der Lage, mit den beschriebenen Vorgängen in Interaktion zu treten, ohne dabei mit den organisationsinternen emotionalen Entwicklungen überfrachtet zu werden. Die inhaltlich komplexe Dichte wird anschaulich vermittelt wodurch diese sehr gut zu lesende wissenschaftliche Arbeit auch in der alltäglichen Praxis für sich wandelnde Organisationen zu Rate gezogen werden kann.
Frauke Hehl workstation Ideenwerkstatt Berlin e.V. c/o RAW Tempel e.V. Revaler Straße 99, 10245 Berlin http://www.workstation-berlin.org --------------------------------------------- HUMANITIES - DRITTER SEKTOR http://www.dritter-sektor.de mailto:H-DRITTER-SEKTOR@H-NET.MSU.EDU
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