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ISSN 1610-0611
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www.kontakte-kontakty.de

Am 14.10.2003 erschien im ZDF-Magazin "Frontal21" die Reportage "Keine Kameraden" über ehemalige sowjetische Kriegsgefangene und unsere Solidaritätsaktion in Armenien. Diese alten Menschen, in ihrer Jugend der Vernichtung durch Zwangsarbeit entkommen, heute zumeist unter gesundheitlichen Folgeschäden leidend, sind zutiefst empört über den Beschluß der Bundesregierung, sie als NS-Opfer nicht anzuerkennen und ihnen im Gegensatz zu zivilen Zwangsarbeitern jegliche Zuwendung zu verweigern. Deshalb haben wir gestern einen Offenen Brief an Abgeordnete des Deutschen Bundestages geschickt, den zwei unserer Mitglieder verfasst haben, die als deutsche Kriegsgefangene in russischen Lagern waren.


Eberhard Radczuweit
www.kontakte-kontakty.de


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I C H   H E I ß E   G U R G E N   M A R K O S I A N 

Brief eines ehemaligen sowjetischen Kriegsgefangenen an die Abgeordneten des Bundestages der bisher unbeantwortet blieb. Uns erreichte die Nachricht, dass Herr Markosian soeben verstorben ist.

Wir konnten Herrn Markosian noch vor seinem Tode eine Spende von 270 Euro überbringen. In der Hoffnung, noch vielen seiner Leidensgefährten zum Lebensende eine "humanitäre Geste" zu übermitteln, gebe ich Ihnen hier unser Spendenkonto zur Kenntnis:

KONTAKTE-KOHTAKTbI e.V.
Berliner Volksbank, BLZ 100 900 00
Kto.-Nr.: 306 55 99 006
Kennwort: "Kriegsgefangene"

Mit freundlichen Grüßen
Eberhard Radczuweit
www.kontakte-kontakty.de
(Eingang dieser Meldung 15.10.2003 17 Uhr 11)

 


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Sehr geehrte Abgeordnete des Deutschen Bundestages!

Ich heiße Gurgen Markosian, bin 1924 in Armenien geboren. War 1941 zur Armee einberufen worden. Kam im November 1942 in die Kriegsgefangenschaft bei Tuapse. Unsere gesamte Division geriet in Gefangenschaft. Man brachte uns über das Schwarze Meer in die Stadt Neftegorsk, wo ein Kriegsgefangenenlager war. Dort blieben wir einen Monat lang. Es kamen Deutsche, suchten ca. 200 Mann von uns Gefangenen aus. Jene, welche noch am kräftigsten erschienen, darunter auch mich, brachte man in ein Arbeitsbataillon, wo wir Zwangsarbeit verrichten mussten. Es war eine entsetzlich schwere Arbeit, unzumutbar für abgemagerte und kranke Kriegsgefangene. Viele von uns hielten diese Schmerzen und das Leid nicht aus, täglich starben unsere Freunde. Unsere Arbeit war verschieden. Wir hoben Schützengräben aus, bauten Strassen und Brücken, fällten Bäume. Von dort aus brachte man uns in die Ukraine. Hier war die gleiche qualvolle Arbeit. Dann fuhren wir nach Bessarabien, Rumänien, Ungarn. Überall die gleiche tödlich schwere Arbeit. Wir lebten, als wären wir in einem grauenhaftem Traum, jederzeit warteten wir auf den Tod. Im Jahre 1944, als die Deutschen zurückwichen, brachte man uns in die Tschechoslowakei. Wir befanden uns 20 km von Deutschland entfernt, irgendwo in einem kleinen Dorf, wo uns dann im April die Rote Armee befreite. Nach Hause kehrte ich kraftlos und durchgequält zurück. Dort wartete meine Frau auf mich. Es kam unser einziges Töchterchen zur Welt. Und obwohl das Leben weiterging, trotz allem, die Gefangenschaft hinterließ auf meinem ganzen Leben einen bitteren Stempel. Heute bin ich 79 Jahre alt, lebe alleine. Habe darauf gehofft, wenigstens im Alter irgend eine Entschädigung von deutscher Seite her zu bekommen, für die in der Gefangenschaft verlorenen drei Jahre, gefüllt mit Leid. Aber es scheint, dass ich umsonst hoffe. Sehr geehrte Abgeordnete des Bundestages! Ich wende mich an Sie: ist es gerecht, dass man die Entschädigung nur den zivilen Zwangsarbeitern auszahlt und uns Kriegsgefangenen vergessen hat? Habe ich denn nicht meine besten Jahre dort in der Gefangenschaft verloren? Jetzt stehe ich kurz vor dem "Sonnenuntergang" (bin sehr alt), doch trotz allem hoffe ich noch, dass mit Ihrer Hilfe mein Glaube an die Menschen zurückkehrt und ich es noch erfahren werde, dass es auf der Welt nicht nur das Böse und die Ungerechtigkeit gibt, sondern dass da Menschen sind, welchen fremdes Schicksal nicht gleichgültig ist...
Ich hoffe auf Ihre Humanität und Wahrheit!

Hochachtungsvoll

Gurgen Markosian


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A P P E L L 

APPELL EHEMALIGER DEUTSCHER SOLDATEN,
DIE SICH IN SOWJETISCHER KRIEGSGEFANGENSCHAFT BEFANDEN


Als Kriegsgefangene in der Sowjetunion haben wir Hunger, harte Arbeit und winterliche Kälte überlebt. Wir blicken nicht im Zorn zurück, denn jenseits des Stacheldrahts lebten die Menschen kaum besser als wir. Einige haben uns mit Gesten des Mitleids und der Versöhnung beschenkt, und sei es ein Stück Brot, von Mensch zu Mensch über den Zaun gereicht.
Vom ersten Tag des Überfalls auf die Sowjetunion bis zur Kapitulation und dem Weg in die Kriegsgefangenschaft hörten wir vom sowjetischen "Untermenschen", der keine Schonung verdiene. Heute wissen wir, wie es den sowjetischen Soldaten in deutscher Gefangenschaft erging. In den Kesselschlachten des deutschen "Blitzkrieges" gerieten Hunderttausende in Gefangenschaft. Es gab für sie keinen Ernährungsplan, keine Baracken im Winter. Sie starben hinter Stacheldraht auf kahlem Feld in selbst gegrabenen Erdhöhlen, in offenen Waggons bei der Deportation nach Deutschland, sie starben als Zwangsarbeiter im Steinbruch, im Bergbau, beim Minenräumen. Das Ergebnis war Vernichtung durch Arbeit, über drei Millionen Ermordete, Verhungerte, Erfrorene. Die noch Überlebenden haben bis heute traumatische Erinnerungen. Viele von ihnen sind verarmt. Die Nachricht aus Deutschland, man würde den Zwangsarbeitern und anderen NS-Opfern eine materielle Geste der Anerkennung des Unrechts gewähren, weckte Hoffnung. Aber am Ende ihres Lebens wird den ehemaligen sowjetischen Kriegsgefangenen noch einmal die Anerkennung als NS-Opfer versagt: Der Bundestag hatte per Gesetz beschlossen: „Kriegsgefangenschaft begründet keinen Leistungsanspruch". Wir appellieren an den Deutschen Bundestag, das Gesetz zu ändern. Als Soforthilfe unterstützen wir den Spendenaufruf des Vereins KONTAKTE-KOHTAKTbl e.V. für die letzten Überlebenden, die als sowjetische Kriegsgefangene zur Zwangsarbeit nach Deutschland verschleppt worden waren.


Prof. Dr. Klaus Meyer Prof. *******Wolfgang Ludwig
(ehemaliges Lager 137/2) *******(ehemaliges Waldlager nahe Moskau)

KONTAKTE-KOHTAKTbl e.V.
Berliner Volksbank, BLZ 100 900 00
Kto.Nr. 306 55 99 006
Kennwort „Kriegsgefangene“

Spenden werden ohne Abzüge schnellstmöglich an besonders bedürftige ehemalige Kriegsgefangene weitergeleitet, die in Deutschland Zwangsarbeit leisteten. Über Beträge ab 50,- EUR werden steuerbegünstigte Spendenquittungen ausgestellt.
www.kontakte-kontakty.de


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"Imagine Germany" zieht Bilanz | Agro-Gentechnik keine Lösung