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ISSN 1610-0611
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Zuzahlungen im Gesundheitswesen

Zuzahlungen belasten vor allem Rentner, Geringverdiener und Frauen

Die neuen Zuzahlungen im Gesundheitswesen, die ab 1. Januar 2004 in Kraft treten, werden vor allem Rentner, Geringverdiener und Frauen belasten. Dies ist ein Ergebnis einer Studie, die das Internationale Institut für Empirische Sozialökonomie (INIFES) in Kooperation mit der Universität Augsburg unter Leitung von Prof. Dr. Anita Pfaff und Prof. Dr. Martin Pfaff im Auftrag der Hans-Böckler-Stiftung erstellt hat. Das Wissenschaftsteam untersuchte die finanziellen Auswirkungen der neu geregelten Selbstbeteiligungen in der ambulanten Versorgung (Praxisgebühr), im Krankenhaus und bei Arzneimitteln auf der Basis von Modellrechnungen. Speziell wurde unter Berücksichtigung der künftig eingeschränkten Härtefallregelungen ein Vergleich mit den bisher geltenden Regelungen getroffen. Die ermittelten Schätzungen der Gesamteffekte und der Verteilungsmuster basieren weitgehend auf Einzeldatenschätzungen und sind somit wesentlich genauer als die bisher kursierende Werte.


Folgende wichtige Ergebnisse liegen vor:

1. Die Neuregelungen des GKV-Modernisierungsgesetzes (GMG) führen zu einer erheblichen finanziellen Mehrbelastung für Versicherte. Die Schätzungen (für das Jahr 2001 als Rechnungsbasis) – ohne Berücksichtigung der einkommensbezogenen Begrenzung der Selbstbeteiligung (neue Härtefallregelung nach § 62 SGB V) – ergeben, dass

● die neu eingeführte Selbstbeteiligung in der ambulanten Behandlung je nach Annahme zwischen € 3,2 und 3,9 Mrd. ausmachen wird,

● die Krankenhausselbstbeteiligungen die Versicherten mit € 0,9 Mrd. und

● die Arzneimittelselbstbehalte mit € 3,7 Mrd. belasten werden.

Diese drei Bereiche umfassen etwa drei Viertel der insgesamt zu erwartenden Selbstbehalte.


2. Berücksichtigt man die einkommensbezogene Höchstbegrenzung der Zuzahlungen auf 2 % des Einkommens bzw. 1 % des Einkommens für chronisch Kranke, so würden für die drei untersuchten Bereiche ambulante Behandlung, Krankenhaus und Arzneien die tatsächlichen Selbstbeteiligungen von ursprünglich € 2,4 Mrd. auf insgesamt € 5,4 Mrd. ansteigen. Die Zuzahlungsbegrenzung bewirkt somit eine Absenkung der sonst fälligen Selbstbeteiligungen von insgesamt € 8, 2 Mrd. um gut ein Drittel.

3. Von der einkommensabhängigen Begrenzung der Gesamtbelastung durch Selbstbeteiligungen profitieren insbesondere ältere Versicherte, d.h. Rentnerinnen und Rentner sowie generell Bezieher geringer Einkommen und Frauen. Aber gerade für diese Gruppen führen die Neuregelungen dennoch zu einer deutlich höheren Belastung als bisher. (Vgl. Abbildungen 1-3)

4. Die gestiegenen Selbstbeteiligungen führen dazu, dass künftig mehr als ein Sechstel der Versicherten, die bislang nicht zu den Härtefällen (d.h. Überforderten) gezählt haben, eine Begrenzung ihrer Selbstbeteiligung auf 2% ihres Einkommens beantragen können und müssen. (Vgl. Tabelle 1)

5. Etwa zwei Drittel der bisher wegen niedrigen Einkommens von Selbstbeteiligungen weitestgehend befreiten Versicherten müssen künftig bis zu zwei Prozent ihres Einkommens beisteuern. Das restliche Drittel dieser Gruppe wird die gesamten anfallenden Selbstbeteiligungen voll tragen müssen. (Vgl. Tabelle 1)


Allgemein ist bezüglich der neuen Selbstbeteiligungsregelungen zu bemerken:

6. Selbstbeteiligungen sind hinsichtlich ihrer Finanzierungswirkung weder eine Alternative zur Bürgerversicherung noch zur Kopfpauschale. Sie können vielmehr auch zu einem einheitlichen Leistungspaket zusammengefügt werden.

7. Die neue gestaltete Selbstbeteiligung scheint zwar Ansätze zu enthalten, eine Steuerung der Nachfrage mit der Entlastung der Versicherten und der Krankenkassen zu verbinden. Die Praktikabilität ist jedoch fraglich, da der Verwaltungsaufwand deutlich steigen wird, um die eventuell vorliegende Überforderung zu überprüfen.

8. Die Sonderbehandlung der chronisch Kranken durch verminderte Selbstbehalte ist vor allem dann sinnvoll, wenn sie flankierend auch genutzt wird, um die Qualität der Gesundheitsversorgung zu verbessern – etwa im Rahmen von Disease Management Programmen –.

9. Die erhöhten Zuzahlungen für Arzneimittel haben – wenn überhaupt – nur in einem kleinen Preissegment Steuerungswirkung in Richtung preisgünstigerer Verschreibungen.

10. Im Leistungsbereich Krankenhaus haben die Neuregelungen des GMG reine Finanzierungsfunktion, keinerlei Steuerungswirkung.

11. Die in der ambulanten Behandlung neu eingeführte Zuzahlung hat erhebliche Finanzierungswirkung. Ob allerdings die beabsichtigte Steuerungswirkung zur besseren Abstimmung der Behandlung und zur Vermeidung des „Ärzte-Hopping“ tatsächlich erreicht wird, bleibt abzuwarten.


PM47_Tabellen_und_Abbildungen.pdf [40 KB]


Internationales Institut für Empirische Sozialökonomie (INIFES), Haldenweg 23, 86391 Stadtbergen;

Institut für Volkswirtschaftslehre, Universität Augsburg, 86135 Augsburg;

13.11.2003
Margitta Reicharz
Hans-Böckler-Stiftung
Abt. Öffentlichkeitsarbeit
Hans-Böckler-Straße 39
40476 Düsseldorf
www.boeckler.de


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