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ISSN 1610-0611
Newsletter


IMI-List 177

IMI-Standpunkt 2003/106a

Tagungsbericht IMI-Kongress "Globalisierung und Krieg"

"Globalisierung und Krieg" lautete das Oberthema des 6. Kongresses der
Informationsstelle Militarisierung (IMI), der am Wochenende des 22./23.
November stattfand. Mit bis zu 120 BesucherInnen erfreute sich der von
der Rosa-Luxemburg-Stiftung geförderte Kongress eines regen Zuspruches.

Die verschiedenen ReferentInnen näherten sich dem Thema aus
unterschiedlichen Perspektiven. Den Anfang machte Dr. Ulrich Brand, der
in Grundstrukturen und Probleme der (neoliberalen) Globalisierung
einführte. Brand bezeichnete die neoliberale Globalisierung als
Strategie und Struktur. Ideen der neoliberalen Globalisierung seien
schon in den 1950er Jahre formuliert worden, wirksam wurden diese
allerdings erst in den 1970er Jahren, indem die damaligen
wirtschaftlichen Krisen für die Einführungen instrumentalisiert wurden.
Neoliberale Globalisierung sei zugleich eine Struktur, und zwar nicht
nur im wirtschaftlichen Bereich, sondern z.B. auch im kulturellen und
militärischen Bereich. Die westlichen Staaten weiten das neoliberale
Wirtschaftsmodell aus, das zur Verarmung weiter Teile der
Weltbevölkerung führt(e) und in westlichen Staaten aber auch
insbesondere in der sog. "Dritten Welt" auf zunehmenden Widerstand
stößt. Diesen Protest ernst zu nehmen und zu unterstützen sei eine
Hauptaufgaben der globalisierungskritischen Bewegung und der Linken.
Widerstand müsse deshalb an den Strukturen ansetzen.

Anschließend beschäftigte sich Dr. Winfried Wolf mit dem Zusammenhang
zwischen Militarisierung und Globalisierung. Entgegen vielfältiger
Annahmen, so Wolf, seien die 200 weltweit größten Konzerne weiterhin
eindeutig einer nationalstaatlichen Basis zuzuordnen, die sowohl
unterstützend den Kampf um Absatzmärkte mit Konkurrenzunternehmen zur
Aufgabe habe, aber auch die militärische Absicherung von Investitionen
im Ausland. In diesem Kontext komme insbesondere zwei Phänomenen
besondere Bedeutung zu: Einmal Konzentrationsprozessen in der
EU-Rüstungsindustrie als direkte Konkurrenz für den
amerikanisch-(britischen) militärisch-industriellen Komplex und in
diesem Zusammenhang das amerikanisch-britische Bestreben, ölreiche
Regionen unter direkte Kontrolle zu bringen. Diese Prozesse seien primär
unter dem Gesichtspunkt einer nationalstaatlichen Unterstützung
verschiedener Konzerninteressen zu interpretieren. Transnationale
Konzerne hätten fast immer einen "nationalen" Standort und würden
entsprechend agieren.

Tobias Pflüger widmete sich dem Thema "Ein Platz an der Sonne - deutsche
und EU-Interessen". Zu Beginn schilderte er eine Reihe von Gesetzen, die
die rot-grünen Bundesregierung im Militärbereich derzeit auf den Weg
bringen, allerdings zuvor schon anwenden: Beispielsweise das
"Parlamentsbeteiligungsgesetz", dieses habe im Kern das Ziel, dass nur
noch reine Kampfeinsätze beim ersten Mal im Bundestag abgestimmt werden
müssen, alle anderen und die Verlängerungen würden der parlamentarischen
und damit vor allem öffentlichen Kontrolle entzogen. Zentral seien die
neuen "Verteidigungspolitischen Richtlinien", in denen für die
Bundeswehr u.a. geregelt wird, dass die Bundeswehr "im Innern" und
"weltweit" eingesetzt werden kann. Deutschland wird dort als
Schlüsselstaat in der NATO und bei der Herausbildung der Militärmacht EU
bezeichnet. Die neue EU-Verfassung sei im wesentlichen eine
Militärverfassung. So gibt es in der - auch in Zukunft für Deutschland
verbindlichen - Verfassung ("EU-Recht bricht deutsches Recht") eine
Aufrüstungsverpflichtung und die Festschreibung von weltweiten
Kampfeinsätzen auch auf exterritorialen Gebiet.

Der erste Kongresstag wurde mit einem Vortrag von Prof. Dr. Werner Ruf
abgerundet. Er widmete sich der Frage, inwieweit der sogenannte "Kampf
gegen den Terror" lediglich als Deckmantel für einen "neuen
Kolonialismus" fungiere. Aufgrund offensichtlicher Unterschiede müsse
man von einem "Kolonialismus neuen Typs" sprechen, der nicht mehr primär
auf eine direkte Kontrolle möglichst großer Landstriche abziele, sondern
vielmehr auf eine gezielte Ausbeutung einiger weniger ökonomisch
wichtiger Regionen - im Zeitalter der Globalisierung auch zunehmend
unter Rückgriff auf private militärische Sicherheitsfirmen.
Festzustellen sei aber, dass der Ausbeutungscharakter derselbe geblieben
sei und der "Kampf gegen den Terror" hierfür eine Legitimation liefere.
Die Essenz dieses Prozesses bestehe in der endgültigen Aushebelung des
Völkerrechts die darauf hinauslaufe, dass westliche Interessen in immer
stärkerem Maße militärisch durchgesetzt würden, was letztlich auf eine
Rückkehr zum Faustrecht hinauslaufe.

Den Morgen des zweiten Tages eröffnete Claudia Haydt, indem sie -
ähnlich wie in dem jüngst vorgelegten Buch: "Globalisierung und Krieg" -
den Zusammenhang zwischen Globalisierung, Armut und Krieg aufzeigte.
Erhellend für diesen - vielfach geleugneten -Zusammenhang sei eine neue
Studie der Weltbank. Sie komme einmal zu dem Ergebnis, dass Armut der
bestimmende Faktor für das Ausbrechen und eskalieren von Konflikten zu
betrachten sei. Weiterhin kam die Weltbankstudie zu dem Schluss, dass
nach Ausbruch eines Konfliktes Interventionen von ausländischen Staaten
wenig zur Beilegung dieser Konflikte hätten beitragen können: "Die
Ergebnisse waren enttäuschend." Im Gegenteil, nach militärischen
Interventionen habe sich die Situation sehr häufig verschlechtert. Wenn
also neoliberale Globalisierung zu einer massiven Verarmung weiter Teile
der Weltbevölkerung führt und diese das Kriegsrisiko dramatisch erhöht,
Interventionen westlicher Staaten zur Beilegung nichts beitragen können
sondern verschärfend wirken, aber dennoch durchgeführt werden, falls
diese armutsbedingten Konflikte eigene Interessen gefährden, kann
tatsächlich festgehalten werden: "Der Imperativ neoliberaler
Globalisierung heißt Krieg" oder die automatische Kehrseite neoliberaler
Politik ist (Bereitschaft zu) Kriegsführung westlicher Staaten gegen
Menschen im Süden.

Über den Kongo als Prototyp eines Globalisierungskonfliktes referierte
Christoph Marischka. "Der Kongo-Konflikt ist in erster Linie das
Ergebnis kapitalistischer Globalisierung", so lautete das vernichtende
Resümee des Referenten. Zu einem ähnlichen Ergebnis sei auch ein UN
Bericht über den Zusammenhang westlicher Konzerninteressen an der
Ausbeutung kongolesischer Rohstoffe (Coltan u.a.) mit dem Bürgerkrieg im
Kongo gekommen. Der Mechanismus, massiv Waffen in den Kongo zu liefern
und im Gegenzug die Rohstoffe des Landes zu exportieren, trage
maßgeblich zur Verlängerung des Bürgerkrieges bei, so der UN-Bericht.
Offensichtlich werde dabei auch der Zusammenhang zwischen ökonomischen
Interessen und militärischen Einsätzen. Die an dem EU-Einsatz (Artemis)
beteiligten Länder seien auch diejenigen, deren Konzerne die größten
Profite aus dem Rohstoffhandel zögen.Dabei ginge es zudem noch darum,
dass der Konflikt im Kongo der EU als Sprungbrett künftiger
internationaler Einsätze dienen sollte.

Das abschließende Podium mit Claudia Haydt, Tobias Pflüger und Johannes
Lauterbach hatte zum Ziel, den Schritt von den Vorträgen des Kongresses
mit ihren verschiedenen Kritiken an neoliberaler und neoimperialer
Globalisierung und ihren Auswirkungen hin zu konkreten
Handlungsperspektiven zu vollziehen. Lauterbach stellte den bisherigen
Weg der globalisierungskritischen Bewegung dar.

Als nächsten Termin, der für die Bewegungen in Deutschland von zentraler
Bedeutung ist, wurden die Aktivitäten gegen die "Sicherheitskonferenz"
in München vor allem am 07./08. Februar in München genannt. Pflüger wies
hin auf den Aufruf des 2. Europäischen Sozialforums von Paris zu einem
Aktionstag am 20.03.2003 gegen die Besatzung des Irak, zu einem
Aktionstag gegen die EU-Verfassung am 09.05.2003 und einem noch nicht
terminierten Aktionstag gegen Sozialabbau. Die von der
Informationsstelle Militarisierung propagierte Idee einer Kampagne gegen
diese EU-Verfassung stieß auf sehr positive Resonanz. Die auch im
Internet (www.imi-online.de ) verfügbaren Materialien zur EU-Verfassung
und einer möglichen Kampagne dagegen wurden vielfach nachgefragt.


IMI / Jürgen Wagner


Datum: 23.11.2003


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Pressebericht / IMI-Standpunkt 2003/107 - in: Neues Deutschland, 24.11.03

Kampf um »Platz an der Sonne«?

ND-Gespräch mit Tobias Pflüger zum Kongress »Globalisierung und Krieg«

»Globalisierung und Krieg« war das Thema eines Kongresses am Wochenende
in Tübingen, zu dem die Informationsstelle Militarisierung eingeladen
hatte. Mit deren Sprecher, dem 38-jährigen Politikwissenschaftler Tobias
Pflüger, sprach Claus Dümde über den Zweck der Tagung, dabei vertretene
Positionen und Schlussfolgerungen der Friedensbewegung.

ND: Was war das Hauptmotiv der Tagung?

Pflüger: Es ist ganz wichtig, mal den Zusammenhang zwischen
Globalisierung und Krieg herauszuarbeiten, weil im Moment ja sehr viel
von Globalisierung die Rede ist, von zwei Seiten aus: Einerseits
begründen die Regierenden, auch in Berlin, mit der Globalisierung ihre
neoliberale und neoimperiale Politik. Andererseits ist der Begriff der
Globalisierung ja vor allem gerade im Bereich der Kritik und der
Bewegungen weiter in der Debatte. Die globalisierungskritischen Gruppen
sind beteiligt bei den verschiedenen Oppositionsaktionen, wie jetzt
gegen Sozialabbau.

Kriege gibt es seit Menschengedenken. Erleben wir heute eine neue Art
Krieg, die direkt mit der Globalisierung verbunden ist oder sich sogar
aus ihr erklären lässt?

Neu ist die Gesamtkonstellation, das heißt, dass praktisch von
westlichen Staaten mit bestimmten Motiven Kriege gegen Menschen im Süden
geführt werden. Das haben wir bei dem Kongress ganz gut durchdekliniert.
Im Vortrag von Ulrich Brand wurde herausgearbeitet, was eigentlich
Globalisierung ist und wie sich das Phänomen genau erklären lässt: Die
Strukturen sind andere als früher, weil sich die westlichen Staaten im
Kern einig sind, dass sie quasi Interventionen führen wollen und im
Moment intensiv dabei sind, die Interventionsstrukturen aufzubauen, so
vor allem auch in der Europäischen Union.

Ein Beitrag, gehalten von Winfried Wolf, hieß »Westliche ökonomische
Interessen und Krieg«. Sind denn Szenarien bekannt, wie solche
Interessen notfalls auch mit Krieg durchgesetzt werden sollen ? Ist Irak
ein Beispiel dafür?

Ja, Wolf hat genau das herausgearbeitet und gesagt, dass Kriege in
erster Linie, im Wesentlichen auch Kriege um Rohstoffe sind und er hat
dafür Irak als zentrales Beispiel benannt. Und er hat weiter
herausgearbeitet, dass transnationale Konzerne, die ja häufig so als
global agierend bezeichnet werden, ohne dass sie noch Bezüge zu Staaten
haben, meistens von einem bestimmten Standort aus agieren. Vor allem war
sein Thema auch der Konzentrationsprozesse im Bereich der
Rüstungsindustrie. Er zeigte, dass eine der wesentlichen Entwicklungen
sowohl in den USA als auch in der Europäischen Union ist, dass jeweils
einige wenige Unternehmen die Aufträge bekommen und von diesen Kriegen
auch ganz konkret profitieren. Im Fall des Irak-Kriegs kann man das ja
sogar namentlich mit den verschiedenen Firmen nachweisen.

Sie selbst haben zum Thema deutsche und europäische Interessen im
Kontext der Globalisierung gesprochen und das unter dem doch etwas
provozierenden Slogan »Ein Platz an der Sonne«. Zugleich haben Sie im
Novemberheft des »Friedensjournals« einen Artikel mit dem Titel »Auf in
den nächsten Krieg! Nach innen und außen...«. publiziert. Ist es
wirklich so, dass sich die Bundesrepublik jetzt aktiv darauf
vorbereitet, vielleicht auch mit den Plänen für einen neuen Generalstab,
aktiv in diese Kriege um die Neuverteilung von Rohstoffen und anderen
Ressourcen einzugreifen?

Ja, im Grunde genommen lässt sich das sehr deutlich vor allem an drei
Strategiepapieren herausarbeiten. Das sind zum einen die
Verteidigungspolitischen Richtlinien, die ja das verbindliche
Strategiepapier für die Bundeswehr sind. Darin wird die Bundeswehr als
weltweiter Akteur bezeichnet. Und es heißt dort sehr deutlich, dass
Streitkräfte aufgestellt werden, um deutsche Interessen durchzusetzen.
Insofern lautet meine Analyse: In der Bundesrepublik wird die Bundeswehr
quasi kriegsführungsfähig gemacht und mit diesen Strukturen ist es dann
möglich, in zukünftigen Kriegen mit an vorderster Front zu agieren. Und
insofern geht es praktisch um einen Platz an der Sonne - auf zu den
nächsten Kriegen. Ich vertrete auch die These, dass es eine Kontinuität
gibt zwischen der Teilnahme am Jugoslawien-Krieg, der Teilnahme am
Afghanistan-Krieg und der wesentlichen Unterstützung des Irak-Krieges
bei gleichzeitiger verbaler Kriegsgegnerschaft. Das ist praktisch ein
kontinuierlicher Prozess.

Welche Schlussfolgerungen ergeben sich daraus Ihrer Meinung nach für die
Friedensbewegung?

In meinem Beitrag habe ich, aufbauend auf den Debatten und Bezug nehmend
auf das, was wir jetzt beim Europäischen Sozialforum in Paris diskutiert
haben, den Focus vor allem auf die EU-Verfassung als ein wesentliches
Thema gelegt, weil in dieser Verfassung ja z. B. eine
Aufrüstungsverpflichtung enthalten ist, die verbindlich für alle
zukünftigen EU-Staaten sein wird. Verankert ist darin auch, dass nur
noch der EU-Ministerrat über die EU-Militäreinsätze entscheiden darf.
Deshalb habe ich vorgeschlagen, dass man sich, wie das beim Europäischen
Sozialforum geschah, mit dieser EU-Verfassung auseinander setzt. Deshalb
haben wir als Informationsstelle Militarisierung auch vorgeschlagen,
eine Kampagne gegen diese EU-Verfassung zu führen. Das ist auf sehr sehr
positive Resonanz gestoßen.

Wir werden ferner einen Aktionstag am 20. März gegen die Besatzung in
Irak unterstützen sowie Aktionen des Widerstands gegen Sozialabbau. Und
wir unterstützen schließlich einen Aufruf zu den Gegenaktivitäten gegen
die so genannte Sicherheitskonferenz am 7. und 8. Februar kommenden
Jahres in München.



Datum: 3.12.2003


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Pressebericht - in: Schwäbisches Tagblatt, 25.11.2003

Kritik an EU-Verfassung

Kongress über Globalisierung und Krieg

TÜBINGEN (dir). Welcher Zusammenhang besteht zwischen Globalisierung und
Krieg? Diese Frage wurde am Wochenende beim sechsten Kongress der
Informationsstelle Militarisierung (IMI) in der Begegnungsstätte Hirsch
von über hundert Teilnehmern erörtert und diskutiert.

Die westlichen Staaten weiten das neoliberale Wirtschaftsmodell aus. Das
tun sie ungeachtet der Tatsache, dass dadurch jenseits der
Wohlstandsinseln - Europa sei eine solche - weite Teile der
Weltbevölkerung verarmen, sagte Ulrich Brand bei seiner Eröffnungsrede
zum Kongress "Globalisierung und Krieg". Transnationale Konzerne
siedelten nur noch ihre zentralen innerhalb der Wohlstandsinseln an. Die
Auslagerung der Produktionsstätten in andere Länder bringe der dortigen
Bevölkerung allerdings keinen Wohlstand, sondern verschlechtere ganz im
Gegenteil deren Situation.

Claudia Haydt von der Tübinger Informationsstelle stellte eine von der
Weltbank in Auftrag gegebene Studie vor. Diese komme zu dem Ergebnis,
dass Armut ganz wesentlich dazu beitrage, dass Konflikte ausbrechen und
eskalieren. Das sah sie als Beleg für den Zusammenhang von
Globalisierung und Krieg. Eine Intervention westlicher Staaten könne
nicht die Beilegung eines Konfliktes fördern, sondern wirke oftmals nur
verschärfend. Zudem habe man herausgefunden, dass die Wahrscheinlichkeit
für einen Bürgerkrieg mit dem Anteil der Militärhaushalte am
Bruttoinlandsprodukt steige. Werde in Infrastruktur statt in Militär
investiert, verringere das die Gefahr eines Konfliktes.

Am Beispiel der Demokratischen Republik Kongo beschrieb Christoph
Marischka, wie ein Land seiner Ansicht nach durch Globalisierung in
Konflikte getrieben werde. Seine These untermauerte er mit einem
UN-Bericht über westliche Konzern-Interessen an der Ausbeutung
kongolesischer Rohstoffe. Als Gegenwert für den begehrten Rohstoff
Coltan, aus dem das in jedem Handy und Notebook verwendete Metall Tantal
gewonnen wird, würden laut UN-Bericht Waffen nach Kongo geliefert. Diese
Waffen würden maßgeblich zur Verlängerung des Bürgerkrieges beitragen.
Gleichzeitig seien die Länder, die am EU-Einsatz in Kongo beteiligt
sind, auch diejenigen, die den größten Profit aus dem Rohstoffhandel zögen.

Tobias Pflüger, IMI-Vorstand und Politologe, referierte über die
künftige europäische - und damit auch für Deutschland geltende -
Verfassung, die er als "Militärverfassung" bezeichnete. Sie enthalte
eine Aufrüstungsverpflichtung und die Festschreibung von weltweiten
Kampfeinsätzen. Hinter diesen Paragraphen sieht und kritisiert er das
Ziel der EU, sich zur zweiten Weltmacht entwickeln zu wollen und damit
die unipolare Weltordnung hin zu einer dipolaren zu verschieben. Er rief
in seiner Rede zum Widerstand gegen diesen Teil der Verfassung auf.

Die abschließende Podiumsdiskussion wurde von Claudia Haydt moderiert
und hatte das Ziel, konkrete Handlungsperspektiven zu entwickeln.
Diskussionsteilnehmer war neben Tobias Pflüger Johannes Lauterbach von
Attac Stuttgart, der für den eigentlich vorgesehenen Martin Zeis
eingesprungen war. Die zuvor schon von Tobias Pflüger vorgeschlagene
Idee, in Zusammenarbeit mit anderen Organisationen eine Kampagne gegen
die EU-Verfassung zu starten, stieß auf breite Resonanz.

Die Informationsstelle Militarisierung veranstaltet Kongresse, trägt
Informationen über Aufrüstung und Militarisierung zusammen und
veröffentlicht diese als Mitherausgeber in der "Zeitung gegen den Krieg"
sowie im Internet: http://www.imi-online.de


Datum: 2.12.2003


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Dank Andreas Linder vom Radio Wüste Welle, Tübingen liegen vom
IMI-Kongress einige Mitschnitte einiger Vorträge vor, weitere werden
folgen. Ebenso gibt es ein Interview zum IMI-Kongress:


Wüste Welle
MITSCHNITT: Krieg und Globalisierung 1: Globalisierung als Struktur und
System. Vortrag von Ulrich Brand (BUKO, Uni Kassel) beim Kongress "Krieg
und Globalisierung" der Informationsstelle Militarisierung Tübingen
(22./23.11.03 in Tübingen)
oder http://freieradios.net Nummer 5555


Wüste Welle
MITSCHNITT: Krieg und Globalisierung 2: Ein Platz an der Sonne -
Deutsche und europäische Interessen im Kontext der Globalisierung.
Vortrag von Tobias Pflüger beim Kongress der Informationsstelle
Militarisierung Tübingen am 22.11.03


Wüste Welle
Krieg und Globalisierung 3: Interview mit Tobias Pflüger
(Informationsstelle Militarisierung Tübingen) über den Kongress "Krieg
und Globalisierung, dabei vor allem über die zukünftige Verfassung der
EU, in der die Aufrüstung zum Verfassungsgrundsatz erhoben werden soll.


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Berichte und Presseübersicht zum IMI-Kongress:


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Die Links auf neue Texte von IMI:


IMI-Standpunkt 2003/108
Grußrede von IMI-Beirat Daniel Weitbrecht auf der BDV von Solidarität
International (SI)
1.12.2003, Daniel Weitbrecht


IMI-Standpunkt 2003/107
Kampf um »Platz an der Sonne«?
ND-Gespräch mit Tobias Pflüger zum Kongress »Globalisierung und Krieg«
in: Neues Deutschland, 24.11.03
1.12.2003, Claus Dümpe / Tobias Pflüger / Interview


IMI-Standpunkt 2003/106b
Rückkehr zum Faustrecht
IMI-Kongreß »Globalisierung und Krieg« in Tübingen konstatiert
Kolonialismus neuen Typs
in: junge Welt vom 25.11.2003
1.12.2003, Jürgen Wagner


IMI-Standpunkt 2003/106a
Tagungsbericht IMI-Kongress "Globalisierung und Krieg"
"Globalisierung und Krieg" lautete das Oberthema des 6. Kongresses der
Informationsstelle Militarisierung (IMI), der am Wochenende des 22/23
November stattfand. Mit bis zu 120 BesucherInnen erfreute sich der von
der Rosa-Luxemburg-Stiftung geförderte Kongress eines regen Zuspruches.
23.11.2003, Jürgen Wagner


IMI-Standpunkt 2003/105
Zum Stand des Vorschlags der Initiierung einer Kampagne gegen diese
EU-Verfassung
- Auch 2. Europäischen Sozialforums in Paris unterstützt Kritik an
dieser EU-Verfassung
in: IMI-List 176, 18.11.2003
1.12.2003, Tobias Pflüger


IMI-Standpunkt 2003/104
Deutschland und die EU-Militärmacht
Auf dem Sprung in den nächsten Krieg
in: Resista: M - Eine Stadt sucht die Mörder
1.12.2003, Tobias Pflüger


IMI-Standpunkt 2003/103
Gegen diese EU-Verfassung - Vorschlag für die Initiierung einer Kampagne /
in: IMI-List 175, 11.11.2003
1.12.2003, Tobias Pflüger


IMI-point of view 102
A military constitution for the European Union?
Or: The EU too is geared towards war
in: Peace News, December 2003
27.11.2003, Tobias Pflüger and Andreas Speck


IMI-Standpunkt 2003/101
Der Fall Hohmann-Günzel und die Bundeswehr
Traditionen
in: junge Welt, 06.11.2003
15.11.2003, Ulrich Sander


IMI-Standpunkt 2003/100
Afghanistan: "Es geht um deutsche Weltmachtansprüche"
Interview mit Tobias Pflüger: Am 24. Oktober wurde die Ausweitung des
Bundeswehrmandats in Afghanistan beschlossen. Mit Tobias Pflüger von der
Informationsstelle Militarisierung sprach Monika Krala über die
Hintergründe des Afghanistaneinsatzes.
in: Linksruck Nr. 165, 12. November 2003
15.11.2003, Monika Krala / Tobias Pflüger


IMI-Analyse 2003/037
"Wir wollen Eure Eier nicht !"
Oder bis Ostern soll das so genannte Parlamentsbeteiligungsgesetz für
Bundeswehr-Auslandseinsätze beschlossen sein.
1.12.2003, Michael Haid


IMI-Analyse 2003/036fi
Aseistakieltäytyjäliitto / Artikkelit / Sotilaallinen perustuslaki
Euroopan Unionille?
Sotilaallinen perustuslaki Euroopan Unionille? tai: myös Euroopan Unioni
matkalla kohti sotaa
1.12.2003, Tobias Pflüger / Kaj Raninen


IMI-Analyse 2003/036nl
Een militaire grondwet voor de Europese Unie?
1.12.2003, Tobias Pflueger. vertaling/bewerking: David, Dusnieuws.


IMI-Analyse 2003/036gr
A military constitution for the European Union? (Original in Greek)
Or: The EU too is geared towards war (Original in Greek)
in: WRI, 25.11.2003
1.12.2003, Tobias Pflueger / Translation: WRI


IMI-Analyse 2003/036it
Una costituzione militare per l'Unione Europea?
O: anche l'Unione Europea è sulla strada verso la guerra
in: WRI, 11.11.2003
13.11.2003, Tobias Pflueger / Translation: WRI


IMI-Analysis 2003/036en + WRI-Info -
A military constitution for the European Union?
Or: The European Union too is on a course towards war
in: War Resisters International (WRI), www.wri-irg.org, 11.11.2003
11.11.2003, Tobias Pflueger / Andreas Speck / IMI / WRI


Pressebericht
Kritik an EU-Verfassung
Kongress über Globalisierung und Krieg
in: Schwäbisches Tagblatt, 25.11.2003
3.12.2003, dir / Schwäbisches Tagblatt / Pressebericht / Dokumentation


Pressebericht
Kongress zu Krieg und Globalisierung
(uha). Die Tübinger Informationsstelle Militarisierung (IMI)
veranstaltet am kommenden Wochenende, 22. und 23. November, einen
Kongress. In der Tübinger Begegnungsstätte Hirsch, Hirschgasse 9, geht
es am Samstag und Sonntag um "Globalisierung und Krieg".
in: Schwäbisches Tagblatt, 20.11.2003
20.11.2003, Schwäbisches Tagblatt / Uschi Hahn / Pressebericht /
Dokumentation


Wüste Welle
MITSCHNITT: Krieg und Globalisierung 1: Globalisierung als Struktur und
System. Vortrag von Ulrich Brand (BUKO, Uni Kassel) beim Kongress "Krieg
und Globalisierung" der Informationsstelle Militarisierung Tübingen
(22./23.11.03 in Tübingen)
oder http://freieradios.net Nummer 5555


Wüste Welle
MITSCHNITT: Krieg und Globalisierung 2: Ein Platz an der Sonne -
Deutsche und europäische Interessen im Kontext der Globalisierung.
Vortrag von Tobias Pflüger beim Kongress der Informationsstelle
Militarisierung Tübingen am 22.11.03


Wüste Welle
Krieg und Globalisierung 3: Interview mit Tobias Pflüger
(Informationsstelle Militarisierung Tübingen) über den Kongress "Krieg
und Globalisierung, dabei vor allem über die zukünftige Verfassung der
EU, in der die Aufrüstung zum Verfassungsgrundsatz erhoben werden soll.


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Informationsstelle Militarisierung (IMI) e.V.
Hechingerstraße 203
72072 Tübingen
Tel: 07071/49154
Fax: 07071/49159
Email: imi@imi-online.de


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Liebe/r Leser/in!


Heute finden sich anbei drei Berichte vom IMI-Kongress am vorletzten
Wochenende 22./23.11. Wir als Organisator/inn/en empfanden den
IMI-Kongress als sehr erfolgreich. Es gab (sehr) gute Referate und
Diskussionen. Wir hoffen für die vielen Teilnehmer/innen (zeitgleich bis
zu 120, zusammen ca. 200 Teilnehmer/innen) war das genauso. An einer
Reihe von Punkten haben die Referate und Diskussionen weitergeführt, so
z.B. zur von IMI vorgeschlagenen Kampagne gegen diese
EU-(Militär-)Verfassung, der Vorschlag stieß auf sehr positive Resonanz.
Anregend war auch die offene Schlussdebatte mit breiter Beteiligung über
Möglichkeiten und Perspektiven der verschiedenen emanzipatorischen,
linken Bewegungen.

Wie der IMI-Kongress dokumentiert wird, steht noch nicht genau fest. Wir
werden die Leser/innen der IMI-List rechtzeitig darüber informieren.

Die IMI-Analyse "Eine Militärverfassung für die Europäische Union - Oder
auch die EU ist auf Kriegskurs"
weiteren Sprachen vor: Neben deutsch und englisch, nun auch in
italienisch, griechisch, niederländisch und finnisch (alle auf
www.imi-online.de ). Weitere (EU)-Sprachen - so z.B. französisch oder
spanisch - fehlen leider noch.

Am Ende der heutigen IMI-List 177 finden sich wieder
zahlreiche Links auf neue Texte auf der IMI-Homepage, ein Besuch von



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