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ISSN 1610-0611
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Ungleiche Einkommensverteilung

WSI: Ungleiche Einkommensverteilung schwächt Konjunktur und Wachstum

Die ungleiche Einkommensverteilung in Deutschland wird zunehmend auch zu einer Hypothek für Konjunktur und Wachstum. Die noch immer verbreitete politische Hoffnung, insbesondere den Arbeitsmarkt durch Entlastungen der Wirtschaft zu stärken - über Niedriglohnsektor, Lohnzurückhaltung, Nebenkostensenkung und Steuerentlastung – verkehre sich zunehmend ins Gegenteil. Dies ist der Tenor eines jüngst vorgelegten Berichts des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) in der Hans-Böckler-Stiftung zur Einkommenssituation.

Aktuell sind es laut Dr. Claus Schäfer vom WSI zwei Entwicklungen, die die illusionäre Wachstumswirkung einer Umverteilung von unten nach oben beleuchten: Die erste gehe von den Brutto-Einkommen aus: Lange Zeit war die gesamtwirtschaftliche Lohn- und Gehaltsumme im zweiten Halbjahr wegen der anfallenden Jahressonderzahlungen deutlich größer als im ersten, vor allem wegen des Weihnachtsgeldes. 2002 betrug die Differenz immerhin gut 50 Milliarden Euro oder sechs Prozent des Jahresvolumens aller Arbeitseinkommen. Inzwischen lasse die zunehmende Praxis von Öffentlichem Dienst und Privatwirtschaft, die Sonderzahlungen zu kürzen oder gar zu streichen, diese Differenz massiv schmelzen. Für 2004 bestehe sogar die Gefahr, dass allein dadurch der zu erwartende tarifliche Einkommenszuwachs kompensiert werde. Dieser reale Effekt werde auf jeden Fall die Kaufzurückhaltung verstärken, die sich bei Konsumenten schon heute als Verunsicherung aufgrund der Reformvorhaben der Bundesregierung zeigte.

Eine zweite für Wachstum und Arbeitsmarkt schädliche Entwicklung betreffe die Netto-Einkommensebene wegen der Rot-Grünen Einkommensteuerreform. Die anstehende - evtl. vorgezogene - dritte Reformstufe und insbesondere darin die vorgesehene Senkung des Spitzensteuersatzes tragen noch mehr als die bisherigen Stufen zur überwiegenden Entlastung hoher Einkommen bei. Alle drei Reformstufen zusammen sorgen laut einer Vergleichsrechnung aus der Universität Osnabrück dafür, (siehe die anhängende Tabelle) dass ein Durchschnittsverdiener mit 30.000 € zu versteuerndem Jahreseinkommen um 1.340 € entlastet werde, ein Einkommensmillionär dagegen um 106.000 € - und das nach Abschluss der dritten Stufe jährlich. Doch unabhängig von Gerechtigkeitsaspekten hätten schon die steuerlichen Entlastungen hoher Einkommen in der Regierungszeit Kohl gezeigt, dass der davon erhoffte Wachstumseffekt ausbleibe. Bezieher hoher Einkommen würden trotzdem kaum zusätzlich konsumieren und erst recht nicht mehr investieren. Letzteres vor allem setze ein Anspringen der Gesamtnachfrage voraus, die mit solch einseitigen Steuermaßnahmen nicht zu bewerkstelligen sei. Die ohnehin bescheidene Steuerentlastung der unteren Einkommen werde zumal durch schon eingetretene oder kommende Belastungen an anderer Stelle – höhere Sozialabgaben und niedrigere „Subventionen“ sowie Selbstbehalte und Leistungskürzungen in der sozialen Sicherung - tendenziell aufgehoben.

TABELLE [39 KB] (PDF-Dokument)

Zusätzlich „entreichere“ die steuerliche Begünstigung hoher Privateinkommen die öffentlichen Kassen und erzeuge eine zurückhaltende Staatsnachfrage. Auch die Verminderung des Weihnachtsgeldes schade den öffentlichen Kassen, denen dadurch Sozialversicherungsbeiträge und Steuern in erheblichem Ausmaß entgehen. Insofern sei die Finanzmisere der öffentlichen Haushalte zum großen Teil nicht nur selbst verschuldet. Die davon ausgehende direkte und indirekte Beeinträchtigung der Gesamtnachfrage verschärfe auch die Wachstumskrise statt sie zu lösen.

Der ausführliche WSI-Verteilungsbericht wurde in den WSI-Mitteilungen, Heft 11/2003 veröffentlicht („Mit einer ungleicheren Verteilung in eine schlechtere Zukunft“) und ist < hier [147 KB] > (PDF-Dokument) herunterladbar.


Dr. Claus Schäfer


05.12.2003
Margitta Reicharz
Hans-Böckler-Stiftung
Abt. Öffentlichkeitsarbeit
Hans-Böckler-Straße 39
40476 Düsseldorf
www.boeckler.de


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