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ISSN 1610-0611
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Bundesregierung muss Tuerkei stoppen

Aufforderung zum Tourismusboykott

Zur Androhung der Türkei in den Nordirak
einzumarschieren erklärt der Generalsekretär der
Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV), Tilman
Zülch:

Bundesregierung muss Türkei stoppen
Aufforderung zum Tourismusboykott

Nachdem kurdische und amerikanische Truppen in
Kirkuk einmarschiert sind, droht die Türkei mit
„notwendigen Schritten“. Sie will das
demokratische Experiment Irakisch-Kurdistan
zerschlagen und mit bereits bereitgestellten
Truppen in den Nordirak einmarschieren. Ein
Einmarsch im Nordirak hätte fatale Folgen für
die Gesamtregion. Die Menschen in Irakisch-
Kurdistan fürchten die Türkei mehr als Saddam
Hussein, den sie nun zum zweiten Mal besiegt
haben

Die GfbV ruft die deutsche Bevölkerung zum
Tourismusboykott gegen die Türkei auf. Wir
mahnen die Türkei: Hände weg von Irakisch-
Kurdistan! Der Tourismus ist in der Türkei einer
der wichtigsten Wirtschaftszweige geworden.
Allein 3 Millionen Menschen sind dort
tourismusabhängig beschäftigt. Mit 26 Prozent
stellt Deutschland die meisten Türkeiurlauber.
Ein Tourismusboykott wird die türkischen
Machthaber empfindlich treffen.

Die deutsche Bundesregierung muss mit allem
Nachdruck die Türkei von ihrem Vorhaben
abbringen. Dazu gehört die Androhung von
Sanktionen bis hin zur Aberkennung der EU-
Anwärterschaft. Wenn Kanzler Schröder seine
Friedenspolitik ernst meint, dann muss er jetzt
auch gegenüber der Türkei konsequent sein. In
Deutschland leben etwa 700.000 Kurden deutscher
und anderer Staatsbürgerschaft. Damit kommt der
deutschen Bundesregierung eine besondere
Verantwortung zu. Sie darf nicht zulassen, dass
dieses geschundene Volk neuerlich zum Opfer von
Verfolgung und Unterdrückung wird. Herr Schröder
sollte nicht vergessen: Es waren über 80
deutsche Unternehmen, die durch
Giftgaslieferungen an Saddam deutsche Mitschuld
am Tod von zigtausend kurdischen Zivilisten
verursacht haben. Bundeskanzler und
Außenminister müssen jetzt handeln.

Die Türkei hat in den letzten 15 Jahren 3.428
kurdische Dörfer im eigenen Land zerstört. Über
2 Millionen Männer, Frauen und Kinder wurden
vertrieben und nur 30.000 durften bisher in ihre
Heimatorte zurück. Noch heute sitzen über 6.500
Kurden als politische Gefangene in türkischen
Gefängnissen. Allein in den letzten zwölf
Monaten wurden 632 Menschen in türkischen
Gefängnissen gefoltert. Die meisten von ihnen
Kurden. Im gleichen Zeitraum wurden 36 Menschen
in der Türkei strafrechtlich verfolgt, weil sie
ihren Kindern kurdische Namen geben wollten.
Gegen 448 Menschen hat die türkische
Staatsanwaltschaft Haftstrafen von mindestens 3
Jahren beantragt, weil sie sich für das Recht
der Kurdischen Sprache im Schulunterricht
eingesetzt haben. 980 Studenten wurden aus
gleichem Grund von der Universität
ausgeschlossen.

Diese Zahlen beweisen, dass die Türkei
fortwährend das kurdische Volk unterdrückt und
verfolgt.


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Gesellschaft fuer bedrohte Voelker e.V. (GfbV)
Inse Geismar, Pressereferentin
Postfach 2024, D-37010 Goettingen
Göttingen, 10. April 2003
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