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ISSN 1610-0611
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Doerfer bei Bagdad sind radioaktiv verseucht

Greenpeace-Messungen im Irak: Doerfer bei Bagdad sind radioaktiv verseucht

- Erstmals haben Greenpeace-Aktivisten heute
morgen die Besatzungstruppen im Irak mit der radioaktiven Verseuchung um
die Nuklearanlage Tuwaitha bei Bagdad konfrontiert. Ein Fahrzeug-Konvoi mit
weisser Flagge und Greenpeace-Bannern brachte einen Container fuer
radioaktives Urangemisch, der nach Pluenderungen auf oeffentlichem Boden
hinterlassen worden war, an seinen Ursprungsort zurueck: zu dem groessten
Atomkomplex im Irak, den inzwischen die US-Armee bewacht. Greenpeace
fordert, zum Schutz der Menschen die radioaktive Verseuchung der Doerfer um
die Atomanlage zu beseitigen. Daher muss die US-Armee ihre Blockade der
Internationalen Atomenergiebehoerde (IAEO) aufgeben und ihr wieder
uneingeschraenkten Zugang ermoeglichen.

Ein sechskoepfiges internationales Greenpeace-Team aus Deutschland, den
Niederlanden, Grossbritannien und Oesterreich untersuchte mit
Geigerzaehlern und anderen Geraeten in den letzten acht Tagen das Umfeld
von Tuwaitha 18 km suedoestlich von Bagdad. Der Komplex war nach dem Sturz
des Regimes gepluendert worden. Doch die Menschen wussten nicht, dass das
Material hoechst gefaehrlich ist und nutzten Faesser zur Aufbewahrung von
Lebensmitteln. Die Strahlung gefaehrdet nun immer noch Zehntausende
Menschen in der Region, obwohl die Katastrophe schon einige Wochen bekannt
ist.

"Nichtsahnend entwendeten die Menschen radioaktives Pulver aus der
Nuklearanlage, im Glauben, es sei Seife, oder sie nutzten strahlende
Faesser als Trinkwasserbehaelter", beschreibt Greenpeace-Sprecher Wolfgang
Sadik seine Beobachtungen vor Ort. "Wuerde so ein nukleares Desaster in
einem westlichen Land passieren, waeren hier schon Schwaerme von Experten
und Entsorgungsteams am Werk und die Menschen erhielten medizinische
Hilfe."

Die von Greenpeace gemessenen Werte liegen zum Teil um das 1000-fache ueber
dem Normalwert. In einem bewohnten Haus nahe der Anlage sind sie sogar 10
000 Mal groesser. Auf dem Gelaende einer Grundschule fuer 900 Kinder
betraegt der Wert das 3000-fache. Die Experten fanden in den Doerfern und
Feldern zahlreiche Teile mit dem "radioaktiv"-Zeichen.

Vor einem solchen Szenario hatte die IAEO noch im April gewarnt und von den
Besatzungsmaechten verlangt, die Kontrolle der Anlage so schnell wie
moeglich zu uebernehmen. Erst am 21. Mai 2003, sechs Wochen nach
Kriegsende, haben die USA der IAEO erlaubt, in den Irak zurueckzukehren und
zu pruefen, was in einem Teil der Anlage gestohlen worden war. Der Zugang
zu den Bewohnern der Region und zu anderen Atomanlagen wird der IAEO jedoch
nach wie vor verweigert. Mit dieser Weigerung widerspricht die US-Armee der
UN-Resolution 1441, die fuer die IAEO uneingeschraenkten Zugang zu allen
Anlagen fordert.

In Tuwaitha lagerten bis zum Sturz von Saddam Hussein im April 2003 Uran
und andere nukleare Stoffe, die seit dem Golfkrieg 1991 unter der Kontrolle
der Vereinten Nationen waren.



Hamburg/Bagdad, 24. 6. 2003
Internet: www.greenpeace.de




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Keine Abschiebung von Flüchtlingen in den Irak | "IMI-List" Nummer 0171