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1,8 Millio. Dosen Impfstoff in Basra eingetroffen

Irak

UNICEF: Kinder müssen im Mittelpunkt des Wiederaufbaus stehen

1,8 Millionen Dosen Impfstoff in Basra eingetroffen

UNICEF ruft dazu auf, die Hilfe für Kinder in den Mittelpunkt des Wiederaufbaus im Irak zu stellen. UNICEF schätzt, dass im Irak allein seit Kriegsbeginn Mitte März rund 120.000 Kinder geboren wurden, von denen keines gegen die gefährlichsten Kinderkrankheiten wie Diphtherie, Tuberkulose, Tetanus, Hepatitis und Polio geimpft wurde. Durch Stromausfall während des Krieges und den Ausfall der Kühlaggregate ist in den vergangenen Monaten ein Großteil der lebenswichtigen Impfstoffe für Kinder unbrauchbar geworden. Am Dienstag brachte UNICEF deshalb von Kuwait aus 1,8 Millionen Dosen Impfstoff nach Basra. Weitere Lieferungen sind nach Bagdad unterwegs. Bereits Mitte Juni sollen in allen Landesteilen Kinder wieder routinemäßig geimpft werden. Mit einer gezielten Kampagne sollen die Kleinkinder erreicht werden, die in den vergangenen Monaten nicht geimpft werden konnten. Auch knapp zwei Monate nach dem Ende der Kämpfe sind hunderttausende irakische Kinder durch verseuchtes Wasser, Nahrungsmangel und zahllose Landminen und Blindgänger bedroht. Krankenhäusern fehlt es weiter an Medikamenten und technischem Gerät.

UNICEF hilft den Kindern im Irak mit einem großen Not- und Wiederaufbauprogramm in allen Landesteilen. Schwerpunkte sind u.a. die Versorgung der Bevölkerung mit sauberem Wasser, die Unterstützung von Gesundheitsstationen und Krankenhäusern mit Medikamenten, Impfstoffen und Zusatznahrung. UNICEF unterstützt auch die Wiedereröffnung und Reparatur der Schulen und stellt Lern- und Arbeitsmaterialien zur Verfügung. Mit Plakaten und Faltblättern warnt UNICEF Kinder und Jugendliche vor den Gefahren durch Minen und Blindgänger. Kinderheime erhalten Nahrungsmittel, Seife, Spielzeug und Treibstoff für Stromgeneratoren.

Wasser: Verseuchtes Wasser ist zurzeit die größte Gefahr für die Kinder im Irak. Insbesondere im Süden des Landes, aber auch im Großraum Bagdad, arbeiten bis heute die Wasser- und Klärwerke nur zu 40 bis 50 Prozent ihrer normalen Kapazität. Viele wurden auch in den vergangenen Wochen geplündert. Es fehlt an Chemikalien zur Wasseraufbereitung. Abwässer werden ungeklärt in die Flüsse geleitet. Schon vor dem Krieg war Durchfall die Todesursache Nr. 1 bei Kindern. Jetzt kommt die Gefahr durch Cholera hinzu. Allein in Basra wurden bis Ende Mai 52 Choleraerkrankungen bestätigt, die meisten davon bei Kindern. Bei weiter steigenden Temperaturen droht eine Ausweitung der Epidemie.

· UNICEF bringt jeden Tag mit Tanklastzügen zwei Millionen Liter Trinkwasser aus Kuwait in den Südirak. Auch im Großraum Bagdad versorgt UNICEF mit Tanklastern die Stadtteile, in denen es keine Wasserversorgung gibt. Ingenieurteams helfen bei der Reparatur von Pumpen und Leitungen. UNICEF liefert große Mengen Chlorgas zur Wasseraufbereitung in die zentralen und südlichen Landesteile. Über 600 Tonnen Chlorgas werden zurzeit in den Südirak gebracht.

Ernährung: Schon vor dem Krieg waren rund eine Million irakische Kinder chronisch mangelernährt. Eine Untersuchung von UNICEF im Großraum Bagdad Anfang Mai ergab, dass sich im Frühjahr der Anteil der akut mangelernährten Kinder von 4,4 auf 7,7 Prozent nahezu verdoppelt hatte. Akut mangelernährte Kinder werden immer schwächer und können schließlich keine Nahrung mehr annehmen. Sie sind besonders von Infektionen bedroht.

· UNICEF hat in den vergangenen Wochen 112 Tonnen hochproteinhaltiger Kekse an Kinderkrankenhäuser verteilt. Weiter wurden zwei Tonnen therapeutischer Spezialmilch für besonders schwer mangelernährte Kinder ausgeliefert. UNICEF unterstützt auch die Wiedereröffnung von 3.000 Zentren für Kinder, in denen regelmäßig der Gesundheitszustand insbesondere der kleinen Kinder kontrolliert wird. Eltern erhalten dort Informationen, wie sie ihren Kindern helfen können sowie Zusatznahrung für ihre mangelernährten Kinder. Im Großraum Bagdad haben mit Unterstützung von UNICEF bisher 63 von 300 dieser Einrichtungen ihre Arbeit wieder aufgenommen. Außerdem erhalten Waisenhäuser und Heime für behinderte Kinder Nahrungsmittel.

Gesundheit: Die Krankenhäuser und Gesundheitsstationen sind nach wie vor überlastet. Es fehlt an Medikamenten und technischem Gerät. Viele Einrichtungen wurden nach Kriegsende zum Ziel von Plünderern. Die Ärzte und das Pflegepersonal haben wochenlang keine Gehälter bekommen. Nur stundenweise steht Strom zur Verfügung.

· UNICEF-Teams überprüfen zurzeit die Gesundheitsstationen um den Notbetrieb sicher zu stellen und den Wiederaufbau voranzutreiben. UNICEF stellt Basismedikamente sowie Zucker-Salz-Lösungen gegen Durchfall zur Verfügung. Um die hygienischen Verhältnisse zu verbessern, organisiert UNICEF die Abfallentsorgung in zahlreichen Krankenhäusern und Stadtteilen von Bagdad und Basra.

Schulen: Die meisten Schulen im Irak haben zwar geöffnet. Aber viele Eltern schicken wegen der allgemeinen Unsicherheit ihre Kinder weiter nicht zum Unterricht. Sie sind tagsüber sich selbst überlassen, sie betteln oder versuchen durch Hilfsarbeiten etwas Geld zu verdienen. Aufgrund des allgemeinen Verfalls des Schulsystems ging schon vor dem Krieg jedes vierte Kind im Grundschulalter nicht zur Schule. UNICEF schätzt, dass die meisten der rund 8.500 Schulen im Irak dringend reparaturbedürftig sind.

· UNICEF ruft mit Radio- und TV-Spots die Familien auf, ihre Kinder wieder in die Schulen zu schicken, damit sie die Abschlussprüfungen zum Ende des Schuljahres machen können. UNICEF stellt hierfür auch Hefte und Stifte zur Verfügung und hilft bei der Organisation. In den kommenden Wochen werden insgesamt 50.000 „Schulen in der Kiste“ im ganzen Land verteilt. Jeder dieser Schulkoffer enthält Lern- und Arbeitsmaterial für 80 Kinder. UNICEF unterstützt auch den Druck von 15 Millionen Schulbüchern. In den Schulen werden die Kinder mit Plakaten und Flugblättern aufgeklärt, wie sie sich vor Minen und Blindgängern schützen können.

UNICEF bittet weiter dringend um Spenden für die Kinder im Irak

Spendenkonto 300.000 bei der Sozialbank Köln (BLZ 370 205 00)

Stichwort: Irak oder Spendentelefon 0137/300.000 sowie im Internet: www.unicef.de

UNICEF-Mitarbeiterin Anna Stechert hält sich in dieser Woche im Südirak auf. Sie steht ab Dienstag gern für Interviews zur Verfügung. Kontakt: 0221/93650-315

Weitere Informationen im Internet unter www.unicef.de





Angelika Söhne
Köln, den 6.6.2002
UNICEF Deutschland
Höninger Weg 104
50969 Köln
web: www.unicef.de


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