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Humanitäre Hilfe für Nordirak sichern
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Zur Regierungserklärung von Bundeskanzler Gerhard Schröder über humanitäre Hilfe der Bundesregierung im Irak erklärt der Generalsekretär der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV), Tilman Zülch:
Bundesregierung auf humanitäre Situation zu spät reagiert / Schutz der irakischen Bevölkerung vor Giftgas außer Acht gelassen.
Der Bundeskanzler ist in seiner heutigen Regierungserklärung über weite Strecken auf die humanitäre Not und reale Bedrohung der irakischen Zivilbevölkerung nicht einmal eingegangen. Wenn er aber argumentiert, dass Schutz und Hilfe der Zivilbevölkerung im Irak im Mittelpunkt seiner Politik stehen, dann muss er auch aufzeigen, wie er aus Worten Taten macht.
1. Humanitäre Hilfe:
Viel zu spät und zu zaghaft hat die deutsche Bundesregierung damit begonnen, humanitäre Hilfsmaßnahmen im Falle eines Irak-Krieges anzudenken. Es war richtig, alles für den Frieden zu tun. Für die irakische Zivilbevölkerung allerdings rächt sich, dass sich die Bundesregierung nicht früher humanitär auf die Gefahr des heraufziehenden Krieges vorbereitet hat.
Wenn 30 Prozent der irakischen Kinder an Unterernährung leiden, dann ist nicht darstellbar, dass die Nahrungsmittelversorgung im Irak momentan kein Problem sei. Das aber entspricht den Aussagen ranghoher Außenpolitiker der Regierungskoalition (z.B. Gernot Erler). Hunger und Elend werden in Kriegszeiten immer auch als Propagandamittel der Kriegsparteien missbraucht. Deshalb ist es alles andere als ein beruhigendes Zeichen, wenn die staatlich- irakischen Nahrungsmittelvorräte momentan ausreichend scheinen. Ob sie jemals die bedürftige Bevölkerung erreichen muss bezweifelt werden.
Schon heute reichen Schätzungen von Binnenflüchtlingen allein im Nordirak von 200.000 bis 600.000. Zwar haben viele von ihnen bei Verwandten und Freunden Unterschlupf gefunden. Aber wenn eine mehrköpfige Familie, die gerade einmal zum Sterben zu viel hat, jetzt zusätzliche Personen versorgen muss, dann ist eine humanitäre Katastrophe vorprogrammiert.
Die Gesellschaft für bedrohte Völker fordert die Bundesregierung auf, schnellstmöglich eine Luftbrücke in die Südosttürkei zu initiieren, die die humanitäre und medizinische Versorgung der kurdischen, assyro-chaldäischen, turkmenischen und anderen Flüchtlingsgruppen gewährleistet.
2. Schutz der Zivilbevölkerung:
Erwiesener Maßen ist Saddam Hussein ein Tyrann, der sich nicht scheut Krieg gegen die eigene Bevölkerung zu führen. Allein bei der von Giftgasangriffen begleiteten Anfal-Offensive 1986 bis 1988 wurden etwa 182.000 Kurden ermordet.
Weder die internationale Staatengemeinschaft, noch die deutsche Bundesregierung haben Maßnahmen ergriffen zum Schutz der Zivilbevölkerung vor möglichen Giftgasangriffen Saddams. Vor allem die Menschen in den schiitischen Gebieten und in den kurdischen Gebieten im Nordirak sind in höchstem Maß gefährdet. Ebenso befinden sich die kurdischen Gebiete in der Türkei und Syrien unmittelbar in der Reichweite von Saddams Giftgasraketen.
Deutschland steht in der moralischen Verpflichtung, jetzt endlich alle Maßnahmen zum Schutz der Zivilbevölkerung zu ergreifen. Deutsche Firmen waren an der giftgastechnischen Aufrüstung des Iraks maßgeblich beteiligt.
Die Kurdische Regionalregierung im Nordirak ist dabei, Auffanglager für Fl üchtlinge aus dem gesamten Gebiet des Iraks vorzubereiten. Zum Schutz dieser Menschen fehlt es an überlebensnotwendiger Grundausstattung. Es besteht bedarf an über 200.000 Zelten, ebenso vielen Gasmasken, Schutzanzügen und Handschuhen. Auch Alarmsirenen, Wassertanks, Spezialzelte zum Schutz der Kinder vor Giftgas, Lazarettzelte und vieles mehr stehen auf der Bedarfsliste. Material, dass l ängst vor dem Krieg hätte in die Region transportiert werden können.
Die Bundesregierung hat ihre Friedenspolitik zum Schutz der Zivilbevölkerung betrieben. Um glaubwürdig zu bleiben muss Sie jetzt alles tun, um einen weiteren Völkermord an Kurden und Schiiten zu verhindern. Aus diesem Grunde fordern wir Bundeskanzler Schröder und Außenminister Fischer auf über eine Luftbrücke in die Südosttürkei die Versorgung und den Schutz der Flüchtlinge im Nordirak sicher zu stellen.
Wer jetzt nicht handelt macht sich mitschuldig am Leid vieler unschuldiger Menschen. Was als ernstzunehmende Friedenspolitik begann darf nicht allein in Friedensrhetorik enden.
========================================================= Gesellschaft fuer bedrohte Voelker e.V. (GfbV) Inse Geismar, Pressereferentin Postfach 2024, D-37010 Goettingen Göttingen, 3. April 2003 Hompage: http://www.gfbv.de ==========================================================
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Lage im Irak weiter schwer für Zivilbevölkerung | Diakonie u. Caritas verstärken ihre Hilfen im Irak
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