Irak / Flüchtlinge
ai: Keine Abschiebung von Flüchtlingen in den Irak aus der EU!
amnesty international fordert Deutschland, Frankreich und Großbritannien auf, entsprechende Pläne aufzugeben / Lage im Irak ist auf unabsehbare Zeit unsicher und instabil / Menschenrechte sind nicht gewährleistet
Die Staaten der EU dürfen abgelehnte Asylbewerber aus dem Irak nicht zwangsweise in den Irak zurückschicken. Mit dieser Forderung reagiert amnesty international auf das Treffen des UN-Flüchtlingskommissars Ruud Lubbers mit den Innenministern Deutschlands, Frankreichs und Großbritanniens am 30. Mai in Genf. Die Politikerrunde hatte angekündigt, sich über Möglichkeiten der Abschiebung Tausender irakischer Flüchtlinge und Asylbewerber noch in diesem Jahr zu verständigen. Der UN-Flüchtlingskommissar wird innerhalb von 3 bis 4 Wochen eine Einschätzung über die Rückkehrmöglichkeiten irakischer Flüchtlinge vorlegen. Für Ende Juni ist ein Folgetreffen geplant.
"Die derzeitige Lage im Irak ist zu unsicher und instabil, als dass Flüchtlinge sicher zurückgeführt und die Verantwortlichen für ihre Menschenrechte garantieren könnten", sagte die Irak-Expertin von amnesty international, Ruth Jüttner. "Es kann noch Monate oder gar Jahre dauern, bis dies möglich wird. Die Besatzung durch die Truppen der USA und Großbritanniens allein garantiert noch keine Sicherheit, wie die derzeitige Situation zeigt", sagte Ruth Jüttner.
In Afghanistan hat 18 Monate nach Kriegsende das UN-Flüchtlingskommissariat Flüchtlinge noch nicht einmal zur freiwilligen Rückkehr aufgerufen. Im Kosovo können bestimmte Minderheiten auch vier Jahre nach der NATO-Intervention noch nicht in ihre Heimatgebiete zurückkehren. Die Zahl der Iraker im Exil wird auf zwei Millionen Menschen geschätzt. Dazu kommt eine weitere Million intern Vertriebener im Irak.
Die Resolution 1483 des UN-Sicherheitsrates vom 22. Mai 2003 sieht eine sichere, geordnete und freiwillige Rückkehr von Irakern vor. Der UN-Menschenrechtskommissar und Sonderbeauftragte der UN für den Irak, Sérgio Vieira de Mello, betonte unlängst, dass die Lage im Irak sich erst stabilisieren müsse. Er forderte die Länder, in denen irakische Flüchtlinge und Asylbewerber leben, auf, Geduld zu haben.
"Deutschland, Frankreich und Großbritannien stehen in der Verantwortung, zu Stabilität und Sicherheit im Irak beizutragen, statt jetzt vorschnell Menschen dorthin zurückzuschicken", sagte die ai-Irak-Expertin.
Berlin, 6. Juni 2003 Nina Tesenfitz Pressesprecherin amnesty international Sektion der Bundesrepublik Deutschland e.V. visit:http://www.amnesty.de
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