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ISSN 1610-0611
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Nuklearanlage Tuwaitha

Nach Greenpeace Aktion bei Bagdad: Strahlenexperte der US-Armee
unterstuetzt Forderung nach internationaler Untersuchung der verstrahlten
Region

- Die gestrige Greenpeace-Aktion bei der
irakischen Nuklearanlage Tuwaitha zeigt erste Wirkung: Ein Gesundheits- und
Strahlenexperte des US-Militaers unterstuetzt die Forderung von Greenpeace,
den UN-Experten der Internationalen Atomenergiebehoerde (IAEO)
uneingeschraenkten Zugang zu gewaehren. Sie sollen das Ausmass der
radioaktiven Verseuchung der umliegenden Doerfer bewerten, die durch
Pluenderung der Atomanlage entstanden ist, und die Region dekontaminieren
koennen. Bislang liessen die Besatzungsmaechte den Einsatz der
UN-Organisation nur fuer begrenzte Aufgaben innerhalb der Anlage zu und
verweigern ihr umfassende Untersuchungen der Region und ihrer Menschen.

Leutnant Colonel Mark Melanson, der das "US Army Center for Health
Promotion and Preventative Medicine" leitet, sagte gegenueber Greenpeace
woertlich: "Ich empfehle der IAEA und der WHO, sich einzumischen und eine
Beurteilung der Lage abzugeben. Beide Institutionen waren bereits in
aehnlichen Faellen eingebunden. (...) Je schneller dies passiert, desto
besser." Melanson erklaerte dies gestern am Rande der Greenpeace-Aktion in
Tuwaitha. Aktivisten hatten einen auf oeffentlichen Boden
zurueckgelassenen, grossen Behaelter fuer radioaktives Urangemisch zur
Nuklearanlage zurueckgebracht und ein Transparent entfaltet mit der
Aufschrift: "Nukleares Desaster in Al Tuwaitha - Handelt jetzt" ("Nuclear
disaster in Al Tuwaitha - Act now").

"Wir begruessen die Stellungnahme des US-Militaers vor Ort. Nun muessen
schnell Taten folgen", fordert Stefan Schurig, Leiter des
Greenpeace-Energiebereichs in Deutschland. "Unser Team findet taeglich
weitere Orte, wo die Strahlenbelastung tausendfach hoeher liegt als der
Normalwert. Ein nukleares Desaster kann nur verhindert werden, wenn das
Gebiet sofort unter die Kontrolle der Atomenergiebehoerde gestellt wird."

Die US-amerikanischen und englischen Truppen haben nach dem Einmarsch im
Fruehjahr diesen Jahres in den Irak versaeumt, die Nuklearanlage vor
Pluenderungen zu schuetzen. Hochradioaktives Material und Faesser mit
Urangemischen sind in den Doerfern als Baumaterial und Trinkwasserbehaelter
genutzt worden. Die Aerzte der Region Tuwaitha sind beunruhigt, weil die
Menschen Symptome von Strahlenkrankheit zeigen wie Blutungen und Erbrechen.
Sie gehen davon aus, dass es in den naechsten Monaten zu Krebserkrankungen
kommen wird.

Die IAEO hatte noch im April von den Besatzungsmaechten verlangt, die
Kontrolle der Anlage so schnell wie moeglich zu uebernehmen, und vor der
Gefahr von Pluenderungen gewarnt. In Tuwaitha lagerten bis zum Sturz von
Saddam Hussein im April 2003 Uran und andere nukleare Stoffe, die seit dem
Golfkrieg 1991 unter der Kontrolle der Vereinten Nationen waren.




Internet: www.greenpeace.de
Hamburg/Bagdad, 25. 6. 2003


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