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ISSN 1610-0611
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Nukleares Desaster im Irak:

Greenpeace liefert Atommuell an US-Zivilverwalter Paul Bremer in Bagdad

Krisengebiet Tuwaitha braucht dringend Hilfe der Internationalen Atomenergiebehoerde

- Einen Sicherheitsbehaelter mit Atommuell haben
Greenpeace-Aktivisten heute morgen in Bagdad vor dem Hauptquartier des
US-Zivilverwalters fuer den Irak, Paul Bremer, abgeladen. Das radioaktive
Uran, "yellowcake" genannt, fand Greenpeace in einem Dorf nahe der
Atomanlage Tuwaitha, 18 Kilometer suedoestlich von Bagdad. Seit dem Sturz
Saddam Husseins haben Einwohner der Region die Anlage gepluendert - nichts
ahnend von der strahlenden Gefahr. Greenpeace fordert Bremer auf, der
Internationalen Atomenergiebehoerde (IAEO) sofort Zutritt zu dem Gebiet zu
gewaehren, damit diese die radioaktive Verseuchung erfassen und beseitigen
kann.

"Dieser Atommuell ist nur ein Bruchteil dessen, womit die Bevoelkerung in
Tuwaitha monatelang leben musste", sagt Wolfgang Sadik, Greenpeace-Sprecher
vor Ort. "Bremer ist verantwortlich fuer die Gesundheitsversorgung im Irak.
Er muss sofort den Weg frei machen und die Internationale
Atomenergiebehoerde ihre Arbeit machen lassen." Das US-Militaer haelt an
seiner Darstellung fest, dass in der Region keine Gefahr fuer die
Gesundheit der Bevoelkerung besteht - trotz der Beweise fuer eine
weitraeumige radioaktive Verseuchung.

Das internationale Team von Greenpeace hat in den vergangenen drei Wochen
in der Region Tuwaitha mehrfach offen herumliegenden Atommuell gefunden und
stark ueberhoehte Strahlung gemessen. In einer Grundschule lag der Wert
3000-fach hoeher als normal, in einem Wohnhaus in der Naehe der Atomanlage
sogar 10.000-fach hoeher. Dorfbewohner nutzten verstrahlte Faesser zur
Lagerung von Trinkwasser und Lebensmitteln.

Seit Kriegsende verweigern die Besatzungmaechte der IAEO den Zugang zum
Irak. Damit verstossen sie gegen die UN-Resolution 1441, die den
"uneingeschraenkten Zugang" der IAEO zu allen Gebaeuden im Irak verlangt.
Lediglich fuer zwei Wochen gestatteten die Besatzungsmaechte im Juni den
Inspektoren den Zutritt zur Atomanlage Tuwaitha. Die IAEO durfte jedoch nur
das Uran innerhalb der Anlage erfassen, nicht in den umliegenden Doerfern.

"Die Region Tuwaitha steht vor einem nuklearen Desaster. Nirgendwo sonst
auf der Welt wuerde das toleriert werden", sagt Wolfgang Sadik. "Das
radioaktive Material, das wir Paul Bremer heute gebracht haben, ist sicher
in einem Container verschlossen - aber wer weiss, wie viel Atommuell noch
offen und ungesichert in den Doerfern herumliegt."





Bagdad/Hamburg, 4. 7. 2003
www.greenpeace.org


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