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ISSN 1610-0611
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Friedensbewegung: Trauer und Wut

- "Trauer und Wut"
- Protestaktionen heute, weitere Demonstrationen am Samstag
- Aufforderung an Bundesregierung: Kriegsbeteiligung stoppen

Mit "Trauer und Wut", so ein Sprecher des Bundesausschusses
Friedensratschlags, reagiert die Friedensbewegung auf den Krieg, den die
USA heute morgen mit Luftangriffen auf Bagdad begonnen haben.
Trauer um die Menschen im Irak, die diesem Krieg zum Opfer fallen
werden,
Trauer um die Menschen in der Region, die mit neuen Flüchtlingswellen
aus dem Irak, möglicherweise sogar mit Vertreibungen aus den
Palästinensergebieten zu rechnen haben,
Trauer um den Zustand der internationalen Organisationen und der
Weltpolitik, die nicht die Mittel und die Macht haben, einen solchen
Angriffskrieg zu verhindern.
Wut über die Arroganz der einzigen Supermacht USA und deren Regierung,
die sich über die öffentliche Meinung und die Mahnungen der Regierungen
dieser Welt hinwegsetzt,
Wut auch über die politischen Kräfte hier zu Lande, die den USA in
blinder Gefolgschaft jeden Völkerrechtsbruch und - so ist zu erwarten -
jedes Kriegsverbrechen durchgehen lassen.

Trauer darf nicht zur Resignation, Wut nicht zur Verzweiflung führen.
Daher wird die Friedensbewegung die seit Wochen laufenden
Friedensaktionen gezielt und dosiert fortsetzen.

Die Empörung über den Angriffskrieg gegen Irak führt am ersten Kriegstag
bereits Hunderttausende Menschen in unzähligen Städten Deutschlands zu
spontanen Protestveranstaltungen zusammen. Bereits vor Schulbeginn
wurden an zahlreichen Schulen Flugblätter verteilt und erste
Demonstrationen gestartet. Im Laufe des Vormittags kommt es im ganzen
Land zu Schülerstreiks mit anschließenden Demonstrationen.
Zwischen 17 und 19 Uhr finden überall an zentralen Plätzen
Protestkundgebungen, Mahnwachen und/oder Demonstrationen statt. Nach
vorläufigen Übersichten sind mehr als 300 Orte beteiligt. Vielerorts
werden Kirchenglocken geläutet und die Menschen zu Friedensgebeten in
die Kirchen eingeladen. Der Bundesausschuss Friedensratschlag rechnet
damit, dass mehrere hunderttausend Menschen sich an diesen Protesten und
Gebeten betiligen werden.

Der Bundesausschuss Friedenratschlag, der die Haltung der
Bundesregierung gegen den Irakkrieg immer begrüßt, immer aber als nicht
ausreichend bezeichnet hat, fordert von Berlin nun klare Taten gegen den
Krieg. Der Krieg ist ein völkerrechtswideriger Angriffskrieg und auch
nach Art. 26 des Grundgesetzes verboten. Dies erfordert von der
deutschen Regierung,
- den USA die Überflugrechte zu entziehen,
- ihnen die Nutzung der US-Stützpunkte auf deutschem Boden nicht mehr zu
gewähren,
- die deutsche Soldaten aus den AWACS-Besatzungen zurückzuziehen,
- die deutschen Spürpanzer aus Kuwait zurückzurufen.
Das Nein zum Krieg muss eindeutig sein und darf keine Hintertüren offen
lassen. Deutschland darf nicht zur faktischen Kriegspartei werden. Jede
direkte oder indirekte Kriegsbeteiligung, jede Kriegsbegünstigung muss
gestoppt werden.

Auf Bundesebene war zwischen vielen Friedensorganisationen vereinbart
worden, dass am Samstag nach Kriegsbeginn im ganzen Land weitere
Großdemonstrationen stattfinden werden. Auch hierzu wird mit einer
großen Beteiligung gerechnet.

Für den Bundesausschuss Friedensratschlag:
Peter Strutynski (Sprecher)
Kassel, den 20. März, 9.30 Uhr


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