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ISSN 1610-0611
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Übergriffe von Armeeangehörigen

Irak/ Übergriffe von Armeeangehörigen gegen ausländische Medien nehmen zu

Reporter ohne Grenzen kritisiert die zunehmend feindliche Haltung von
US-Armeeangehörigen gegenüber Journalisten. Die internationale Organisation
zur Verteidigung der Pressefreiheit fordert von US-Interimsverwalter Paul
Bremer Aufklärung über die Gründe, die zur Verhaftung zweier iranischer
Reporter geführt haben. Said Aboutaleb und Soheil Karimi, vom iranischen
Fernsehsender IRIB, werden seit 1. Juli wegen angeblicher "Gefährdung der
Sicherheit" festgehalten.

"Die US-amerikanischen und britischen Truppen müssen den beiden Journalisten
konkrete Verstöße nachweisen oder sie freilassen", fordert Robert Ménard,
Generalsekretär von Reporter ohne Grenzen. "Die Ereignisse der vergangenen
Tage haben uns alarmiert. Übergriffe auf Journalisten haben zugenommen",
stellt Ménard fest. "Die erst kürzlich erhobenen Anschuldigungen von
US-Vize-Verteidigungsminister Paul Wolfowitz, die arabischen Sender Al
Dschasira und Al Arabiya schürten durch ihre Berichte die Gewalt gegen
US-amerikanische Truppen, tragen nicht gerade dazu bei, die Lage zu
stabilisieren und sichere Arbeitsbedingungen für Journalisten zu
gewährleisten", führt Ménard weiter aus.

Nach Angaben von Gholem Reza Kutchak, Büroleiter von IRIB in Bagdad, waren
die beiden Journalisten zusammen mit ihrem irakischen Übersetzer und ihrem
Fahrer von US-Soldaten am 1. Juli verhaftet und in das US-Hauptquartier nach
Diwanija, eine Stadt im Südirak, gebracht worden. Die beiden Reporter hatten
in der Nähe von Kut und Diwanija recherchiert. Am 7. Juli beschlagnahmten
US-Soldaten die persönlichen Gegenstände von Aboutaleb und Karim in deren
Hotelunterkunft in Kerbala. Dem iranischen Botschafter in Bagdad teilte die
US-Armee mit, dass die beiden Reporter in das am bagdader Flughafen gelegene
Gefangenenlager überführt worden seien. Ein Sprecher des britischen Militärs
nannte die Gefährdung der Sicherheit als Grund für die Verhaftungen.

Am 27. Juli wurde der japanische Journalist Kazutaka Sato, von Nippon
Television Network, von US-Soldaten im Stadtteil Al Mansur in Bagdad
geschlagen und über eine Stunde lang festgehalten, bis ihm Kollegen zu Hilfe
kamen. Er wurde auf den Boden geworfen und getreten, nachdem er einen
US-Angriff auf ein Haus, in dem sich angeblich Saddam Hussein aufhielt,
filmte, bei dem fünf Zivilisten ums Leben kamen. "Für mich sah es so aus,
als ob sie etwas zu verbergen hatten, vielleicht die toten Körper der
Zivilisten", vermutet Sato.

Die Zeitung Al Adala, Parteiorgan der schiitischen Partei Iraks, meldete,
dass US-Armeeangehörige ihr Büro in Bagdad durchwühlt hätten.

Vier türkische Journalisten, Yalcin Dogan, Özdemir Ince, Faruk Balikici und
Ferit Aslan, wurden am 26. Juli über eine Stunde lang festgehalten. Die
US-Soldaten gaben zwar die digitale Kamera zurück, doch ohne die darin
enthaltenen Fotos.

Am selben Tag wurde Nawaf Al-Shahwani, Al Dschasira-Korrespondent in Mosul,
mit seinem Fahrer von US-Militärs festgehalten und erst in der
darauffolgenden Nacht wieder freigelassen. Sein Film wurde beschlagnahmt.
Bereits am 22. Juli verhaftete die irakische Polizei ein Team von Al
Dschasira während der Filmaufnahmen anti-amerikanischer und anti-britischer
Proteste.

In dem Bericht "The iraqui media three months after the war: a new but
fragile freedom", den Reporter ohne Grenzen am 23. Juli veröffentlichte,
äußerte die Organisation bereits ihre Besorgnis über den möglichen
Missbrauch der von der Interimsverwaltung im Juni erlassenen Dekrete, die
den Truppen erlauben, gegen Medien und ihre Vertreter wegen "feindseliger
Aktivitäten" vorzugehen.

Berlin, 1. August 2003
Reporter ohne Grenzen
Skalitzer Straße 101, 10997 Berlin
Germany
rog@snafu.de
www.reporter-ohne-grenzen.de
Tel.: 49 - 30 - 615 85 85
Fax: 49 - 30 - 614 56 49


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ai-Bericht: Menschenrechte im Irak | IMI-Standpunkt 2003/077