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ISSN 1610-0611
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UN-Bericht ueber Atomanlage

Greenpeace: UN-Bericht ueber Atomanlage im Irak verharmlost nukleares Desaster

- Als voellig unzureichend bewertet Greenpeace den
heute veroeffentlichten Bericht der Internationalen Atomenergiebehoerde
(IAEO) ueber Pluenderungen in der irakischen Atomanlage Tuwaitha.
"Schockierend ist nicht, was in dem Bericht steht, sondern, was nicht drin
steht", erklaert Stefan Schurig, Leiter der Energieabteilung von
Greenpeace. Verantwortlich dafuer ist aber nicht die IEAO, sondern die
US-Verwaltung: Diese hatte der UN-Organisation nur gestattet, den Verbleib
der 500 Tonnen Uran in Tuwaitha zu untersuchen. Davon sind laut Schaetzung
der IAEO mindestens 10 Kilogramm verschwunden. In Tuwaitha gab es aber noch
insgesamt 400 weitere Strahlenquellen, so genannte hochradioaktive
industrielle Isotope. Wie viele davon gepluendert wurden, durfte die IAEO
nicht untersuchen - obwohl diese Isotope fuer den Menschen viel
gefaehrlicher sind als Uran. Greenpeace hat im vergangenen Monat mit einem
eigenen Team in Doerfern rund um die Atomanlage zahlreiche dieser Isotope
gefunden.

"Die US-Verwaltung hat von Anfang an versucht, das Ausmass der
Pluenderungen und das nukleare Desaster in Tuwaitha unter dem Deckel zu
halten", sagt Schurig. "Es ist ein Skandal, dass die Experten der IAEO von
den groessten Problemen vor Ort ferngehalten wurden."

Die Atomanlage Tuwaitha war nach dem Sturz Saddam Husseins Anfang April von
Einwohnern umliegender Doerfer gepluendert worden. Greenpeace war im
vergangenen Monat mit einem internationalen Team vor Ort, um das Ausmass
der Verseuchung zu untersuchen und die Bevoelkerung vor der Gefahr zu
warnen. Die gemessene Strahlung ist alarmierend: Auf dem Gelaende einer
Grundschule lagen die Werte um das 3000-fache ueber dem Normalwert, in
einem Wohnhaus in der Naehe der Atomanlage sogar um das 10.000-fache. In
der Region um Tuwaitha leben rund 10.000 Menschen.

"Die Menschen werden im Moment mit dem Problem voellig allein gelassen",
sagt Stefan Schurig. "Die US-Verwaltung muss deshalb unverzueglich der IEAO
unbeschraenkten Zugang zu der Region gewaehren, damit die UN-Organisation
die Verseuchung erfassen und beseitigen kann."




Hamburg, 16. 7. 2003
http://www.greenpeace.de/


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