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ISSN 1610-0611
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Politische Konflikte 2002


Die Kriegsrhetorik in Washington und Bagdad verschärft sich, der Irak-Konflikt eskaliert. Einen kritisch wissenschaftlichen Blick auf diese Entwicklung werfen die Mitarbeiter des Heidelberger Instituts für internationale Kontliktforschung (HIIK), in dem seit 1991 Krisen und Kriege systematisch untersucht werden.

"Ich halte einen Krieg für sehr wahrscheinlich, denn das gesetzte Ziel der US Regierung ist es, das Regime in Bagdad abzusetzen. Es ist unwahrscheinlich, dass Saddam Hussein von sich aus geht", erläutert Vorstandsmitglied Pamela Jawad.

Insgesamt 35 Mitarbeiter werten in dem Institut in der Heidelberger Altstadt Tag für Tag Agenturmeldungen, Nachrichten und wissenschaftliche Studien aus. Bei ihren Untersuchungen konzentrieren sich die Akademiker auf die Forderungen, die von den einzelnen Konfliktparteien artikuliert werden. "Konfliktursachen werden ausgeschlossen, da sie häufig nicht einfach nachzuvollziehen sind", erklärt Jawad. Die Politikwissenschaftler legen 28 Variablen an, um Konflikte zu charakterisieren, die sie in vier Intensitätsstufen einteilen: Latenter Konflikt, Krise, ernste Krise und Krieg. Die momentane Situation zwischen den USA und Irak werten sie als ernste Krise, es handelt sich laut ihrer Definition um einen "Spannungszustand zwischen Konfliktparteien, welcher mit der öffentlichen Androhung von Gewalt verbunden ist". Überrascht von dieser Entwicklung sind die Experten nicht: "Seit Antritt der neuen US Regierung wurde die Rhetorik sehr scharf. Sie war darauf ausgelegt, eine Drohkulisse aufzubauen", erläutert Jawad.

Das Institut für Konfliktforschung ging 1991 aus einem Forschungsprojekt hervor, in dem unter der Federführung von Professor Frank R. Pfetsch ein Konflikt Simulations Modell entworfen wurde. In einer umfangreichen Datenbank, die einzigartig in Deutschland ist, können Informationen zu Konflikten anhand der beteiligten Parteien oder der betroffenen Regionen abgerufen werden.

Das Heidelberger Institut für Internationale Konfliktforschung (HIIK) präsentiert mit dem „Konfliktbarometer 2002“ seine aktuellen Daten und Analysen zum diesjährigen globalen Konfliktgeschehen. Die Politikwissenschaftler zählen 42 gewaltsam ausgetragene Konflikte, 131 überwiegend gewaltfreie politische Auseinandersetzungen sowie einen Putsch und drei Putschversuche.

Von den 42 gewaltsamen Konflikten sind 13 Kriege und 29 bewaffnete Auseinandersetzungen. Diese sind im Unterschied zu Kriegen durch geringere Dauer und Reichweite des Gewalteinsatzes gekennzeichnet.
Über die Hälfte aller Kriege – insgesamt sieben – werden in Afrika ausgetragen, zwölf von insgesamt 29 bewaffneten Auseinandersetzungen in Asien. Damit bleiben Afrika und Asien wie bereits im Vorjahr die Regionen mit den meisten gewaltsamen Konflikten.

Im Vergleich zum vergangenen Jahr ist die Gesamtzahl der gewaltsamen Konflikte konstant geblieben. Dennoch sind bei einzelnen Konflikten entscheidende Veränderungen festzustellen. Positiv entwickelt sich der innerstaatliche Machtkonflikt in Guinea, der sich vom Vorjahresniveau eines Krieges auf die Intensität eines latenten Konflikts entspannt. Im Gegensatz dazu eskaliert der noch im vergangenen Jahr latente innenpolitische Konflikt in Venezuela am Anfang des Jahres zu einer ernsten Krise. Der einzige zwischenstaatlich geführte Krieg bleibt der Afghanistan-Konflikt zwischen der islamistischen Al-Kaida- Organisation bzw. den Taliban und den USA.

Das Heidelberger Institut zeichnet sich seit seiner Gründung 1991 insbesondere dadurch aus, dass es neben gewaltsamen Konflikten auch nicht-gewaltsame Konflikte beobachtet. Damit werden nationale und internationale Auseinandersetzungen bereits vor einer möglichen Eskalation in die langfristige Analyse mit einbezogen.

Um auf Konflikte besser vorbereitet zu sein, hat die EU-Kommission die Heidelberger Forscher beauftragt, bis Ende des Jahres ein System zur Krisenfrüherkennung zu entwickeln. Das freut Winckler: "Es tut gut zu sehen, wie unsere Arbeit auch außerhalb Deutschlands Anerkennung findet."

Auszüge: Badisches Tagblatt vom 05. Februar 2003 von Markus Koch »
http://www.badisches-tagblatt.de/


Ansprechpartner:
Heidelberger Institut für
Internationale Konfliktforschung (HIIK) »
am Institut für Politische Wissenschaft
der Universität Heidelberg
Pamela Jawad und Nicolas Schwank
Marstallstraße 6
69117 Heidelberg
Telefon: (06221) 54 31 98
Fax: (06221) 54 28 96
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Franz Alt
http://www.sonnenseite.com


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