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ISSN 1610-0611
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Welt-Aids-Tag: Aids-Behandlung vereinfachen

Welt-Aids-Tag: Aids-Behandlung vereinfachen, Therapieanpassung nicht behindern

Welt-Aids-Tag:
ÄRZTE OHNE GRENZEN: Aids-Behandlung muss vereinfacht werden,
Pharmaindustrie darf Therapieanpassung nicht behindern

Millionen von Menschen, die an Aids erkrankt
sind, könnten überleben, wenn sie mit antiretroviralen Medikamenten
behandelt würden. Dies ist nach Ansicht der internationalen
Hilfsorganisation ÄRZTE OHNE GRENZEN jedoch nur möglich, wenn die Therapie
an die Alltagswirklichkeit in ärmeren Ländern angepasst wird. Hierbei
spielen Kombinationspräparate, in denen mehrere Wirkstoffe in einer Tablette
vereint sind, eine wichtige Rolle. Allerdings müssten die Pharmakonzerne
dafür Patentmonopole fallen lassen.

"Wenn die Aids-Therapie nicht geändert wird, werden Millionen Menschen, die
heute eine Behandlung brauchen, sterben", erklärte Tobias Luppe, der für die
Medikamentenkampagne bei ÄRZTE OHNE GRENZEN zuständig ist. "Anpassung
bedeutet weniger Tabletten, weniger Laboruntersuchungen und kostenlose
Behandlung dort, wo die Menschen leben, also in den Gemeinden."

Der Einsatz von so genannten Kombinationspräparaten, die alle notwendigen
Medikamente der sonst üblichen Dreifachtherapie in einer Tablette vereinen,
spielt für die Vereinfachung der Aids-Behandlung eine zentrale Rolle. In
Malawi behandelt ÄRZTE OHNE GRENZEN mehr als 2.000 Patienten mit einer
solchen Tablette, die zweimal täglich eingenommen wird. Der Einsatz dieser
Kombinationspräparate, die Schulung und die verstärkte Übertragung der
Verantwortung auf Krankenschwestern und Pfleger hat es ÄRZTE OHNE GRENZEN
zufolge ermöglicht, erheblich mehr Patienten zu behandeln.

Der Einsatz dieser Kombinationspräparate wird bislang jedoch durch das
Verhalten einiger Pharmaunternehmen erschwert. Die existierenden Präparate
stammen fast ausschließlich aus der Produktion von Generikaherstellern. Sie
dürfen daher aus patentrechtlichen Gründen in vielen Ländern nicht
eingesetzt werden.

Das deutsche Unternehmen Boehringer-Ingelheim hält beispielsweise weiterhin
an seinem Patentmonopol auf den Wirkstoff Nevirapin (Viramune®) fest.
Nevirapin ist ein Bestandteil der beiden wichtigsten Kombinationspräparate.
"Durch die Freigabe des Patentmonopols hätte Boehringer-Ingelheim die
historische Chance, Millionen von Menschen eine Aidsbehandlung zu
ermöglichen", sagte Tobias Luppe.

ÄRZTE OHNE GRENZEN behandelt zurzeit mehr als 9.000 Patienten in 19 Ländern
mit der Dreifachtherapie. Die Therapie wird begleitet von Aufklärungs- und
Präventionsmaßnahmen, Aidstests und psychosoziale Betreuung, der Behandlung
von Begleiterkrankungen sowie Ernährungsprogrammen.



Berlin, 26. November 2003.
Petra Meyer
http://www.aerzte-ohne-grenzen.de
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