Bulgarien: Katastrophale Bedingungen für geistig Behinderte
- Geistig behinderte Menschen in Bulgarien leben unter menschenunwürdigen Bedingungen. Anlässlich des Weltgesundheitstages am 7. April fordert ai die bulgarische Regierung auf, das soziale System für geistig behinderte Menschen zu reformieren, um der systematischen Diskriminierung ein Ende zu setzen. "Eine Verbesserung dieser grauenhaften Bedingungen ist für viele geistig behinderte Männer, Frauen oder Kinder eine Frage des Überlebens", sagt Heinz Patzelt, Generalsekretär von ai-Österreich.
"Geistig behinderte Menschen sind in bulgarischen Pflegeheimen schrecklichen und menschenunwürdigen Lebensbedingungen ausgesetzt, der massiven Vernachlässigung und dem systematischen Missbrauch. All das beruht auf der einen Seite auf Gesetzen, die den internationalen Normen widersprechen und auf der anderen Seite auf dem Mangel an medizinischer Versorgung und Therapiemöglichkeit," so Heinz Patzelt, Generalsekretär von ai-Österreich.
"Die bulgarische Regierung hat bereits versucht, in einigen Anstalten Verbesserungen zu schaffen. Es ist aber notwendig, eine Reform des gesamten sozialen Systems für geistig Behinderte durchzuführen", fordert der Generalsekretär von ai-Österreich, "die Internationale Gemeinschaft und die Europäische Union muss Bulgarien als EU-Beitrittsland bei der Umsetzung dieser Reform unterstützen."
Die Bedingungen in den Anstalten sind oft grausam, unmenschlich und erniedrigend. Zahlreiche geistig Behinderte wohnen in heruntergekommenen, mit Kot verschmutzten Häusern ohne funktionierende sanitäre Anlagen. Viele der Menschen sterben dort an Lungenentzündung, Unterkühlung oder Unterernährung - sie werden weder medizinisch oder therapeutisch ausreichend versorgt, noch bekommen sie genug Nahrung und Wärme. Die Heimbewohner werden teilweise angekettet oder in Isolationszellen und Käfigen eingesperrt.
Auch Kinder werden nach wie vor in soziale Einrichtungen eingeliefert, ohne dass zuvor eine professionelle Diagnose gestellt wurde. In den Anstalten bekommen sie weder eine ausreichende medizinische Versorgung noch Zugang zu Therapie oder Rehabilitation, die Pfleger kennen zum Teil nicht einmal die Namen der Kinder.
Gegen diese Zustände protestiert amnesty international zusammen mit der Lebenshilfe Wien und Vertretern von Behindertenorganisationen am Montag, den 7.04.2003 von 9:00 bis 11:00 Uhr vor der bulgarischen Botschaft in Wien (Schwindgasse 1, 1040 Wien). Anlässlich dieser Kundgebung werden der bulgarischen Botschaft Tausende Petitionsunterschriften übergeben.
Wien, 4. April 2003
Amnesty.at
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