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ISSN 1610-0611
Newsletter


ai zum Weltgesundheitstag am 7.April 2003


Bulgarien: Katastrophale Bedingungen für geistig Behinderte


- Geistig behinderte Menschen in Bulgarien leben unter
menschenunwürdigen Bedingungen. Anlässlich des Weltgesundheitstages am 7.
April fordert ai die bulgarische Regierung auf, das soziale System für
geistig behinderte Menschen zu reformieren, um der systematischen
Diskriminierung ein Ende zu setzen. "Eine Verbesserung dieser grauenhaften
Bedingungen ist für viele geistig behinderte Männer, Frauen oder Kinder
eine Frage des Überlebens", sagt Heinz Patzelt, Generalsekretär von
ai-Österreich.



"Geistig behinderte Menschen sind in bulgarischen Pflegeheimen
schrecklichen und menschenunwürdigen Lebensbedingungen ausgesetzt, der
massiven Vernachlässigung und dem systematischen Missbrauch. All das beruht
auf der einen Seite auf Gesetzen, die den internationalen Normen
widersprechen und auf der anderen Seite auf dem Mangel an medizinischer
Versorgung und Therapiemöglichkeit," so Heinz Patzelt, Generalsekretär von
ai-Österreich.



"Die bulgarische Regierung hat bereits versucht, in einigen Anstalten
Verbesserungen zu schaffen. Es ist aber notwendig, eine Reform des gesamten
sozialen Systems für geistig Behinderte durchzuführen", fordert der
Generalsekretär von ai-Österreich, "die Internationale Gemeinschaft und die
Europäische Union muss Bulgarien als EU-Beitrittsland bei der Umsetzung
dieser Reform unterstützen."



Die Bedingungen in den Anstalten sind oft grausam, unmenschlich und
erniedrigend. Zahlreiche geistig Behinderte wohnen in heruntergekommenen,
mit Kot verschmutzten Häusern ohne funktionierende sanitäre Anlagen. Viele
der Menschen sterben dort an Lungenentzündung, Unterkühlung oder
Unterernährung - sie werden weder medizinisch oder therapeutisch
ausreichend versorgt, noch bekommen sie genug Nahrung und Wärme. Die
Heimbewohner werden teilweise angekettet oder in Isolationszellen und
Käfigen eingesperrt.



Auch Kinder werden nach wie vor in soziale Einrichtungen eingeliefert, ohne
dass zuvor eine professionelle Diagnose gestellt wurde. In den Anstalten
bekommen sie weder eine ausreichende medizinische Versorgung noch Zugang zu
Therapie oder Rehabilitation, die Pfleger kennen zum Teil nicht einmal die
Namen der Kinder.



Gegen diese Zustände protestiert amnesty international zusammen mit der
Lebenshilfe Wien und Vertretern von Behindertenorganisationen am Montag,
den 7.04.2003 von 9:00 bis 11:00 Uhr vor der bulgarischen Botschaft in Wien
(Schwindgasse 1, 1040 Wien). Anlässlich dieser Kundgebung werden der
bulgarischen Botschaft Tausende Petitionsunterschriften übergeben.


Wien, 4. April 2003
Amnesty.at


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