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ISSN 1610-0611
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DNDi / Initiative

Mehr Forschung für Medikamente gegen vernachlässigte Krankheiten
ÄRZTE OHNE GRENZEN Gründungsmitglied einer neuen Non-Profit-Initiative

Fünf renommierte Forschungs- und Gesundheitsinstitutionen haben am
onnerstag in Genf gemeinsam mit der
internationalen Hilfsorganisation ÄRZTE OHNE GRENZEN eine neue
Non-Profit-Organisation zur Medikamentenforschung ins Leben gerufen. Die so
genannte Drugs for Neglected Diseases Initiative (DNDi/Initiative für
Medikamente gegen vernachlässigte Krankheiten) hat sich zum Ziel gesetzt,
wirksame Arzneimittel gegen Krankheiten zu entwickeln, an denen vor allem
Menschen in ärmeren Ländern leiden. Zu den Gründungsmitgliedern gehören
neben ÄRZTE OHNE GRENZEN fünf weitere Institutionen aus Frankreich,
Malaysia, Brasilien, Kenia und Indien.[1]

Die DNDi ist die erste Non-Profit-Organisation, die sich ausschließlich auf
die Bekämpfung der am meisten vernachlässigten Krankheiten konzentriert. Die
Initiative beabsichtigt, die Medikamentenentwicklung nicht allein der
Marktwirtschaft zu überlassen, sondern zieht den öffentlichen Sektor zur
Verantwortung. Dies wird durch die Wahl der Gründungsmitglieder deutlich,
von denen vier aus dem öffentlichen Sektor kommen. Damit unterscheidet sich
die DNDi von einem "Public Private Partnership" im klassischen Sinne.

Die DNDi plant, in den kommenden zwölf Jahren 250 Millionen US-Dollar für
die Entwicklung von sechs bis sieben Medikamenten auszugeben. Darüber hinaus
soll die Weiterentwicklung von bereits in der Erforschung befindlichen
Wirkstoffen finanziert und koordiniert werden. Ziel der DNDi ist es,
wirksame Arzneimittel gegen Schlafkrankheit, Chagas sowie Leishmaniose zu
finden. Diese tödlichen Krankheiten bedrohen 350 Millionen Menschen
jährlich. Um bereits kurz- und mittelfristige Erfolge zu erzielen, wird die
Initiative sowohl bereits existierende chemische Verbindungen nutzen als
auch in die Erforschung neuer Wirkstoffe investieren.

Laut DNDi werden lediglich zehn Prozent des Forschungsaufwands weltweit in
die Erforschung von Krankheiten investiert, die mehr als 90 Prozent der
globalen Krankheitslast ausmachen. "Patienten in ärmeren Ländern sind
gezwungen, Medikamente zu nehmen, die ihre Wirksamkeit verloren haben oder
erhebliche Nebenwirkungen hervorrufen", sagte Dr. Yves Champey,
einstweiliger Direktor der DNDi. "Diese Menschen verdienen eine bessere
Behandlung. Die DNDi wird die wissenschaftliche Forschung mobilisieren, um
neue Medikamente zu entwickeln."

Die DNDi forderte bereits wissenschaftliche Institutionen weltweit auf, sich
an der Erforschung und Entwicklung von Medikamenten gegen vernachlässigte
Krankheiten zu beteiligen. "Wir haben daraufhin einen überwältigenden
Rücklauf erhalten: 71 Projektideen sind bisher bei uns eingegangen. Dies
zeigt, dass genügend Potential vorhanden ist", erklärte Yves Champey.
"Unsere Aufgabe ist es nun, bereits existierende Kapazitäten und Expertise
im Bereich der Arzneimittelentwicklung zusammenzuführen und zu nutzen."
Neben Regierungen und privaten Geldgebern ist auch die Pharmaindustrie
aufgefordert, ihr Wissen und ihre Forschungseinrichtungen zugänglich zu
machen.

_____________
Genf/Berlin, 3. Juli 2003.

[1] Zu den sechs Gründungsmitgliedern gehören neben ÄRZTE OHNE GRENZEN der
indische COUNCIL OF MEDICAL RESEARCH, das malaysische
Gesundheitsministerium, das französische INSTITUT PASTEUR, die OSWALDO CRUZ
FOUNDATION aus Brasilien sowie das kenianische MEDICAL RESEARCH INSTITUTE.
Darüber hinaus wird die DNDi eng mit dem UNDP/WORLD BANK/WHO Special
Programme for Research and Training in Tropical Diseases (WHO/TDR)
zusammenarbeiten


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