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ISSN 1610-0611
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Endlose Spirale von Gewalt und Vertreibung

Liberia: Endlose Spirale von Gewalt und Vertreibung

Angesichts der schweren Kämpfe und Plünderungen in
der liberianischen Hauptstadt Monrovia berichtet die Hilfsorganisation ÄRZTE
OHNE GRENZEN, dass die Zahl verwundeter Zivilisten ansteigt. Allein am
Montag haben die Mitarbeiter der Organisation 155 Patienten behandelt und 13
Todesfälle gezählt. Zum dritten Mal innerhalb von zwei Monaten sind Tausende
Vertriebene erneut auf der Flucht vor den Kämpfen in der Hauptstadt. ÄRZTE
OHNE GRENZEN veröffentlichte am Mittwoch einen Bericht mit Zeugenaussagen
über die leidvollen Erfahrungen vieler Liberianer. Alle Konfliktparteien
werden darin aufgefordert, die Gewalt gegen die Zivilbevölkerung
einzustellen.

"Jeden Tag hören wir von unseren Patienten entsetzliche Geschichten",
erklärt die medizinische Koordinatorin Nathalie Civet in Monrovia.
"Willkürliche Gewalt, Vergewaltigungen und Vertreibung gehören für diese
Menschen zur Tagesordnung." Die derzeitigen Kämpfe in Monrovia verschlimmern
die Situation erneut. In der Hauptstadt und in den Lagern außerhalb fehlen
Nahrungsmittel und medizinische Hilfe. Die prekäre sanitäre Lage hat zudem
zu einem Cholera-Ausbruch geführt. Darüber hinaus zeigen immer mehr Menschen
Anzeichen von Unterernährung.

Der 28 Seiten umfassende Bericht "Liberian Stories" gibt Aufschluss über die
bitteren Erfahrungen vieler Liberianer während des jahrelangen Krieges. Die
Menschen berichten über willkürliche Gewalt, Plünderungen, Vergewaltigung,
Zwangsrekrutierung und familiäre Trennungen. ÄRZTE OHNE GRENZEN ruft alle
Konfliktparteien auf, Gewalttätigkeiten gegen Zivilisten einzustellen, ihnen
eine sichere Flucht sowie den Zugang zu überlebensnotwendiger Hilfe zu
garantieren. Auch Hilfsorganisationen benötigen freien Zugang zur
Zivilbevölkerung. Zudem werden die Regierungen der Nachbarländer
aufgefordert, die Grenzen für Flüchtlinge offen zu halten und ihnen
angemessenen Schutz und Hilfe zu bieten.

Laut ÄRZTE OHNE GRENZEN gibt es im ganzen Land kein einziges
funktionierendes Krankenhaus mehr. Vor sechs Wochen hatten humanitäre
Hilfsorganisationen noch Zugang zu einem Viertel des Landes, derzeit nur zu
einem einzigen Stadtteil Monrovias. Die Mehrheit der Liberianer bleibt bei
den Kämpfen sich selbst überlassen.

ÄRZTE OHNE GRENZEN arbeitet seit 1990 in Liberia. In Monrovia unterhält die
Organisation zwei Notkliniken, chirurgische Einrichtungen und
Ernährungszentren sowie acht Gesundheitsstationen und vier
Cholera-Behandlungszentren. Zudem stellt sie die Wasserversorgung für die
Vertriebenen in der Stadt sicher.

"Liberian Stories" kann abgerufen werden unter: www.aerzte-ohne-grenzen.de

Spenden: Sparkasse Bonn, BLZ: 380 500 00, Kto: 97 0 97, Stichwort Westafrika




Berlin, 23. Juli 2003.

Petra Meyer, Kattrin Lempp

AERZTE OHNE GRENZEN / AM KOELLNISCHEN PARK 1 / D-10179 BERLIN
OFFICE@BERLIN.MSF.ORG / HTTP://WWW.AERZTE-OHNE-GRENZEN.DE
SPENDENKONTO: 97097 / SPARKASSE BONN / BLZ 380 500 00


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