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Kein Mensch und kein Kontinent haben Aids verdient
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HIV/Aids - Wie geht der Kampf gegen die Krankheit in Südafrika weiter? Statement von Cornelia Füllkrug-Weitzel, Direktorin von "Brot für die Welt"
Sehr geehrte Damen und Herren,
Im Mai 1983, also ziemlich genau vor 20 Jahren, gelang es einem französischen Wissenschaftler das HI-Virus, das die Krankheit Aids hervorruft, zu isolieren und zu beschreiben. Ob ihm damals schon klar war, dass er damit die Ursache einer der größten Seuchen der Menschheit gefunden hatte? Derzeit sind 42 Millionen Menschen auf der Welt HIV-positiv oder schon an Aids erkrankt, 3,2 Millionen davon sind Kinder. Zwei Drittel von ihnen leben in Afrika südlich der Sahara. Seit Ausbruch der Pandemie vor über zwanzig Jahren sind mehr als 21 Millionen Menschen an Aids gestorben, rund 13 Millionen Kinder wurden zu Waisen.
Das sind die nackten, kalten Zahlen. Sie sagen nichts aus über die Schicksale der Menschen, die mit der Krankheit konfrontiert sind: Verwaiste Zehnjährige, die ihren jüngeren Geschwistern Mutter und Vater ersetzen müssen; Jugendliche, die nach einem positiven HIV-Test aus dem Haus und der Firma geworfen werden; Sterbende, die niemand bei sich aufnehmen will aus Angst vor Ansteckung und moralischem Stigma; Alte, die ihre Kinder und Enkelkinder an die Seuche verloren haben und nun alleine dastehen. Millionen von Menschen, die aus eigener Kraft nicht überleben können.
Neben dem menschlichen Leid steht die soziale und wirtschaftliche Tragödie, die die Staaten mit hohen Infektionsraten trifft. Viele der in den vergangenen Jahren erzielten Erfolge, den Lebensstandard der Bevölkerung zu heben, eine tragfähige Wirtschaft aufzubauen und soziale Dienste anzubieten, sind durch HIV/Aids zunichte gemacht worden. HIV/Aids zerstört Entwicklung, zerstört die Überlebensfähigkeit ganzer Nationen in Afrika südlich der Sahara und macht sie abhängiger denn je von externer Hilfe
Seit 1992 fördert "Brot für die Welt" Projekte zur Aids-Aufklärung sowie zur Beratung und Betreuung von Menschen, die mit HIV/Aids leben. 4,4 Millionen Euro gehen derzeit in laufende Projekte. Daneben enthalten viele weitere Entwicklungsprogramme eine HIV/Aids-Komponente. Vor allem in Afrika betrifft Aids das Leben aller Menschen. Deshalb hat "Brot für die Welt" sich mit seinen afrikanischen Partnern darauf geeinigt, HIV/Aids in jedem Projekt in Afrika zu thematisieren und Präventionsmaßnahmen einzubeziehen.
Denn HIV/Aids ist kein Schicksal, schon gar keine "Strafe Gottes" für lockeren Lebenswandel. Keiner hat Aids "verdient": kein Individuum und kein Kontinent. HIV/Aids ist eine Krankheit, deren Verbreitungswege bekannt sind und die sich darum stoppen ließe. Dazu müssen die betroffenen Regierungen allerdings den politischen Willen aufbringen und die internationale Gemeinschaft - relativ wenig - Geld zur Verfügung stellen. Wenn beides zusammen kommt, ist es möglich, HIV/Aids effektiv zu bekämpfen. Das zeigt die Entwicklung in unserem eigenen Land, aber auch in Uganda, wo die Infektionsraten sinken. Häufig fehlt es aber an beidem: an politischem Willen und an Geld. Deshalb muss der Kampf gegen Aids strategisch an diesen Fronten geführt werden.
Zu unseren wichtigsten Partnern im südlichen Afrika gehört die "Treatment Action Campaign" (TAC). TAC hat das Schweigen um die Krankheit gebrochen und Betroffenen den Mut gegeben, sich zu ihrer Infektion zu bekennen und buchstäblich um ihr Leben und um eine Behandlung mit den lebensverlängernden antiretroviralen Medikamenten zu kämpfen. Mit unserer finanziellen Unterstützung hat TAC im vergangenen Jahr einen Prozess gegen die südafrikanische Regierung gewonnen, der diese zwingt, den Krankenhäusern die Verteilung von Medikamenten gegen die Mutter-Kind-Übertragung zu ermöglichen.
TAC hat darüber hinaus mit anderen Organisationen und der südafrikanischen Regierung einen Nationalen Behandlungs- und Präventionsplan gegen HIV/Aids ausgearbeitet. Die Regierung weigert sich bisher, diesen Plan zu unterschreiben, obwohl sie daran mitgearbeitet hat. Daraufhin hat TAC im März eine Kampagne des zivilen Ungehorsams angekündigt. Mittlerweile hat die Regierung Gesprächsbereitschaft signalisiert. Im Juni soll ein weiteres Treffen stattfinden.
Was tut "Brot für die Welt", um den Kampf seiner Partner gegen die Verbreitung von HIV/Aids zu unterstützen?
Finanzielle Mittel für die Lobbyarbeit von Organisationen wie TAC, aber auch für weniger spektakuläre Projekte zur Aufklärung, Prävention und Unterstützung von Kranken sind die eine Seite. Ebenso wichtig ist es, unseren Partnern in den reichen Staaten des Nordens eine Stimme zu geben. Deshalb haben wir das internationale Ökumenische Aktionsbündnis gegen Aids und das nationale Aktionsbündnis gegen Aids mit begründet.
Die meisten Menschen in Deutschland haben keine Vorstellung vom Ausmaß der Bedrohung, da nur vier Prozent der Infizierten in den Industrienationen leben. HIV/Aids hat deshalb in der Politik der Industrieländer keine Priorität. Im Gegensatz zum Kampf gegen den Terrorismus, der seit dem 11. September in der westlichen Welt als größte Bedrohung der Menschheit empfunden wird und deshalb auf der politischen Agenda ganz oben steht.
Über 50 Milliarden Dollar wurden alleine von den USA in den Krieg gegen den Irak investiert. Sechs Milliarden Dollar würden ausreichen, um die Verbreitung von Aids auf der Welt zu stoppen. Dem Globalen Fonds gegen Aids, Tuberkulose und Malaria wurde von der Völkergemeinschaft nicht einmal die Hälfte dieser Summe zugesagt. Deshalb sprechen wir das Thema unermüdlich immer wieder an und fordern mehr Mittel für den Kampf gegen HIV/Aids.
Für 2003 hat die Bundesregierung 44,5 Millionen Euro für den Globalen Fonds vorgesehen. Ein Großteil der Summe - 32,5 Millionen - stammt aus dem Haushalt des Ministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ), ist also Geld, das sowieso für Armutsbekämpfung und Entwicklungszusammenarbeit gedacht war. Wir haben die Bundesregierung aufgefordert, den Beitrag für den Globalen Fonds in diesem Jahr mit zusätzlichen Mitteln auf 100 Millionen Euro zu erhöhen. Das wäre ein echter Beitrag zur globalen Sicherheit, zu der der Irak-Krieg bekanntlich wenig beigetragen hat.
(Es gilt das gesprochene Wort.)
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"Kein Mensch und kein Kontinent haben Aids verdient."
Lobbyarbeit ein Schwerpunkt in der Anti-Aids-Arbeit von "Brot für die Welt" - südafrikanische Treatment Action Campaign als wichtiger Partner
Berlin, 28. Mai 2003. "Brot für die Welt" will seinen Einsatz gegen HIV/Aids verstärken. "In jedem Entwicklungsprojekt in Afrika soll die Krankheit Thema sein", erklärte Cornelia Füllkrug-Weitzel, Direktorin von "Brot für die Welt", bei einem Pressegespräch mit Zackie Achmat, dem Vorsitzenden der südafrikanischen Treatment Action Campaign (TAC), zum Thema HIV/Aids am Mittwoch, 28. Mai, in Berlin.
Die Krankheit betrifft alle Menschen in Afrika. Zwei Drittel der 42 Millionen HIV-positiven oder schon an Aids erkrankten Menschen weltweit leben in Afrika. "Kein Mensch und kein Kontinent haben Aids verdient. Deshalb müssen wir den Kampf gegen die Krankheit mit aller Kraft weiter führen", betonte Füllkrug-Weitzel. "Brot für die Welt" finanziere derzeit HIV/Aids-Projekte in Umfang von 4,4 Millionen Euro jährlich. Neben der Projektförderung betreibe "Brot für die Welt" Lobbyarbeit in den reichen Ländern, um auf das Thema HIV/Aids aufmerksam zu machen. "Wir wollen unseren Partnern eine Stimme geben und für ihr Anliegen eintreten."
Ein besonders wichtiger "Brot für die Welt"-Partner im Bereich Lobbyarbeit ist die Treatment Action Campaign (TAC) in Südafrika. TAC setzt sich für bezahlbare Aids-Medikamente ein und übt Druck auf die südafrikanische Regierung aus, allen HIV-positiven und an Aids erkrankten Menschen eine Behandlung zu ermöglichen. Es gibt bereits gute Ansätze im Bereich Prävention sowie ein Gesetz gegen die Diskriminierung von HIV-Positiven. "Das Problem ist die Behandlung von Kranken", erklärte Zackie Achmat.
"Die Kosten für Aids-Medikamente sind in den vergangenen Jahren zwar stark gesunken. Die südafrikanische Regierung könnte die Preise weiter reduzieren, wenn sie ihren internationalen Einfluss geltend macht", erklärte Achmat. Allerdings dürfen staatliche Krankenhäuser, die die Stütze des Gesundheitssystems in Südafrika darstellen, keine sogenannte Aids-Generika, also Nachahmerprodukte von patentierten Medikamenten, ausgeben. Die Regierung weigert sich, einen HIV/Aids-Präventions- und Behandlungsplan zu unterzeichnen. Dies sei eine "Krise des Regierens", so Achmat.
Deshalb hat TAC bereits im Dezember 2002 eine Kampagne des zivilen Ungehorsams angekündigt. Die Regierung signalisierte daraufhin Gesprächsbereitschaft. Verschiedene Termine mussten aber immer wieder verschoben werden. Nun soll am 14. Juni ein Treffen von Regierungsmitgliedern und TAC stattfinden.
Ute Dilg, Pressereferentin, www.brot-fuer-die-welt.de
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Subject: "Brot für die Welt"-Pressemitteilung "K ein Mensch und kein Kontinent haben Aids verdient"
Sehr geehrte Damen und Herren,
anbei sende ich Ihnen die "Brot für die Welt"-Pressemitteilung "Kein Mensch und kein Kontinent haben Aids verdient" und die Rede von Frau Cornelia Füllkrug-Weitzel bei der heutigen Pressekonferenz von "Brot für die Welt" in Berlin "HIV/Aids - Wie geht der Kampf gegen die Krankheit in Südafrika weiter?"
Für Rückfragen steht Ihnen Frau Ute Dilg 01 72/6 25 93 52 zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüßen
Claudia Dengler ___________________________________________________ Brot für die Welt - Öffentlichkeitsarbeit und Werbung Sekretariat Presse Stafflenbergstr. 76, 70184 Stuttgart Postfach 10 11 42, 70010 Stuttgart Telefon: 07 11/21 59 - 4 44 Telefax: 07 11/21 59 - 1 10 E-Mail: presse@brot-fuer-die-welt.de Website: http://www.brot-fuer-die-welt.de ___________________________________________________ Brot für die Welt: Ein Stück Gerechtigkeit
Pressegespräch am 27. Mai 2003 in Berlin
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China: ÄRZTE OHNE GRENZEN startet SARS-Projekt | 50.000 Menschen auf der Flucht
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