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ISSN 1610-0611
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Kein Mensch und kein Kontinent haben Aids verdient

HIV/Aids -
Wie geht der Kampf gegen die Krankheit in Südafrika weiter?
Statement von Cornelia Füllkrug-Weitzel, Direktorin von "Brot für die Welt"

Sehr geehrte Damen und Herren,

Im Mai 1983, also ziemlich genau vor 20 Jahren, gelang es einem
französischen Wissenschaftler das HI-Virus, das die Krankheit Aids
hervorruft, zu isolieren und zu beschreiben. Ob ihm damals schon klar war,
dass er damit die Ursache einer der größten Seuchen der Menschheit gefunden
hatte? Derzeit sind 42 Millionen Menschen auf der Welt HIV-positiv oder
schon an Aids erkrankt, 3,2 Millionen davon sind Kinder. Zwei Drittel von
ihnen leben in Afrika südlich der Sahara. Seit Ausbruch der Pandemie vor
über zwanzig Jahren sind mehr als 21 Millionen Menschen an Aids gestorben,
rund 13 Millionen Kinder wurden zu Waisen.

Das sind die nackten, kalten Zahlen. Sie sagen nichts aus über die
Schicksale der Menschen, die mit der Krankheit konfrontiert sind: Verwaiste
Zehnjährige, die ihren jüngeren Geschwistern Mutter und Vater ersetzen
müssen; Jugendliche, die nach einem positiven HIV-Test aus dem Haus und der
Firma geworfen werden; Sterbende, die niemand bei sich aufnehmen will aus
Angst vor Ansteckung und moralischem Stigma; Alte, die ihre Kinder und
Enkelkinder an die Seuche verloren haben und nun alleine dastehen. Millionen
von Menschen, die aus eigener Kraft nicht überleben können.

Neben dem menschlichen Leid steht die soziale und wirtschaftliche Tragödie,
die die Staaten mit hohen Infektionsraten trifft. Viele der in den
vergangenen Jahren erzielten Erfolge, den Lebensstandard der Bevölkerung zu
heben, eine tragfähige Wirtschaft aufzubauen und soziale Dienste anzubieten,
sind durch HIV/Aids zunichte gemacht worden. HIV/Aids zerstört Entwicklung,
zerstört die Überlebensfähigkeit ganzer Nationen in Afrika südlich der
Sahara und macht sie abhängiger denn je von externer Hilfe

Seit 1992 fördert "Brot für die Welt" Projekte zur Aids-Aufklärung sowie zur
Beratung und Betreuung von Menschen, die mit HIV/Aids leben. 4,4 Millionen
Euro gehen derzeit in laufende Projekte. Daneben enthalten viele weitere
Entwicklungsprogramme eine HIV/Aids-Komponente. Vor allem in Afrika betrifft
Aids das Leben aller Menschen. Deshalb hat "Brot für die Welt" sich mit
seinen afrikanischen Partnern darauf geeinigt, HIV/Aids in jedem Projekt in
Afrika zu thematisieren und Präventionsmaßnahmen einzubeziehen.

Denn HIV/Aids ist kein Schicksal, schon gar keine "Strafe Gottes" für
lockeren Lebenswandel. Keiner hat Aids "verdient": kein Individuum und kein
Kontinent. HIV/Aids ist eine Krankheit, deren Verbreitungswege bekannt sind
und die sich darum stoppen ließe. Dazu müssen die betroffenen Regierungen
allerdings den politischen Willen aufbringen und die internationale
Gemeinschaft - relativ wenig - Geld zur Verfügung stellen. Wenn beides
zusammen kommt, ist es möglich, HIV/Aids effektiv zu bekämpfen. Das zeigt
die Entwicklung in unserem eigenen Land, aber auch in Uganda, wo die
Infektionsraten sinken. Häufig fehlt es aber an beidem: an politischem
Willen und an Geld. Deshalb muss der Kampf gegen Aids strategisch an diesen
Fronten geführt werden.

Zu unseren wichtigsten Partnern im südlichen Afrika gehört die "Treatment
Action Campaign" (TAC). TAC hat das Schweigen um die Krankheit gebrochen und
Betroffenen den Mut gegeben, sich zu ihrer Infektion zu bekennen und
buchstäblich um ihr Leben und um eine Behandlung mit den lebensverlängernden
antiretroviralen Medikamenten zu kämpfen. Mit unserer finanziellen
Unterstützung hat TAC im vergangenen Jahr einen Prozess gegen die
südafrikanische Regierung gewonnen, der diese zwingt, den Krankenhäusern die
Verteilung von Medikamenten gegen die Mutter-Kind-Übertragung zu
ermöglichen.

TAC hat darüber hinaus mit anderen Organisationen und der südafrikanischen
Regierung einen Nationalen Behandlungs- und Präventionsplan gegen HIV/Aids
ausgearbeitet. Die Regierung weigert sich bisher, diesen Plan zu
unterschreiben, obwohl sie daran mitgearbeitet hat. Daraufhin hat TAC im
März eine Kampagne des zivilen Ungehorsams angekündigt. Mittlerweile hat die
Regierung Gesprächsbereitschaft signalisiert. Im Juni soll ein weiteres
Treffen stattfinden.

Was tut "Brot für die Welt", um den Kampf seiner Partner gegen die
Verbreitung von HIV/Aids zu unterstützen?

Finanzielle Mittel für die Lobbyarbeit von Organisationen wie TAC, aber auch
für weniger spektakuläre Projekte zur Aufklärung, Prävention und
Unterstützung von Kranken sind die eine Seite. Ebenso wichtig ist es,
unseren Partnern in den reichen Staaten des Nordens eine Stimme zu geben.
Deshalb haben wir das internationale Ökumenische Aktionsbündnis gegen Aids
und das nationale Aktionsbündnis gegen Aids mit begründet.

Die meisten Menschen in Deutschland haben keine Vorstellung vom Ausmaß der
Bedrohung, da nur vier Prozent der Infizierten in den Industrienationen
leben. HIV/Aids hat deshalb in der Politik der Industrieländer keine
Priorität. Im Gegensatz zum Kampf gegen den Terrorismus, der seit dem 11.
September in der westlichen Welt als größte Bedrohung der Menschheit
empfunden wird und deshalb auf der politischen Agenda ganz oben steht.

Über 50 Milliarden Dollar wurden alleine von den USA in den Krieg gegen den
Irak investiert. Sechs Milliarden Dollar würden ausreichen, um die
Verbreitung von Aids auf der Welt zu stoppen. Dem Globalen Fonds gegen Aids,
Tuberkulose und Malaria wurde von der Völkergemeinschaft nicht einmal die
Hälfte dieser Summe zugesagt. Deshalb sprechen wir das Thema unermüdlich
immer wieder an und fordern mehr Mittel für den Kampf gegen HIV/Aids.

Für 2003 hat die Bundesregierung 44,5 Millionen Euro für den Globalen Fonds
vorgesehen. Ein Großteil der Summe - 32,5 Millionen - stammt aus dem
Haushalt des Ministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ), ist also
Geld, das sowieso für Armutsbekämpfung und Entwicklungszusammenarbeit
gedacht war. Wir haben die Bundesregierung aufgefordert, den Beitrag für den
Globalen Fonds in diesem Jahr mit zusätzlichen Mitteln auf 100 Millionen
Euro zu erhöhen. Das wäre ein echter Beitrag zur globalen Sicherheit, zu der
der Irak-Krieg bekanntlich wenig beigetragen hat.

(Es gilt das gesprochene Wort.)


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"Kein Mensch und kein Kontinent haben Aids verdient."

Lobbyarbeit ein Schwerpunkt in der Anti-Aids-Arbeit von "Brot für die Welt"
- südafrikanische Treatment Action Campaign als wichtiger Partner

Berlin, 28. Mai 2003. "Brot für die Welt" will seinen Einsatz gegen
HIV/Aids verstärken. "In jedem Entwicklungsprojekt in Afrika soll die
Krankheit Thema sein", erklärte Cornelia Füllkrug-Weitzel, Direktorin von
"Brot für die Welt", bei einem Pressegespräch mit Zackie Achmat, dem
Vorsitzenden der südafrikanischen Treatment Action Campaign (TAC), zum Thema
HIV/Aids am Mittwoch, 28. Mai, in Berlin.

Die Krankheit betrifft alle Menschen in Afrika. Zwei Drittel der 42
Millionen HIV-positiven oder schon an Aids erkrankten Menschen weltweit
leben in Afrika. "Kein Mensch und kein Kontinent haben Aids verdient.
Deshalb müssen wir den Kampf gegen die Krankheit mit aller Kraft weiter
führen", betonte Füllkrug-Weitzel. "Brot für die Welt" finanziere derzeit
HIV/Aids-Projekte in Umfang von 4,4 Millionen Euro jährlich. Neben der
Projektförderung betreibe "Brot für die Welt" Lobbyarbeit in den reichen
Ländern, um auf das Thema HIV/Aids aufmerksam zu machen. "Wir wollen unseren
Partnern eine Stimme geben und für ihr Anliegen eintreten."

Ein besonders wichtiger "Brot für die Welt"-Partner im Bereich Lobbyarbeit
ist die Treatment Action Campaign (TAC) in Südafrika. TAC setzt sich für
bezahlbare Aids-Medikamente ein und übt Druck auf die südafrikanische
Regierung aus, allen HIV-positiven und an Aids erkrankten Menschen eine
Behandlung zu ermöglichen. Es gibt bereits gute Ansätze im Bereich
Prävention sowie ein Gesetz gegen die Diskriminierung von HIV-Positiven.
"Das Problem ist die Behandlung von Kranken", erklärte Zackie Achmat.

"Die Kosten für Aids-Medikamente sind in den vergangenen Jahren zwar stark
gesunken. Die südafrikanische Regierung könnte die Preise weiter reduzieren,
wenn sie ihren internationalen Einfluss geltend macht", erklärte Achmat.
Allerdings dürfen staatliche Krankenhäuser, die die Stütze des
Gesundheitssystems in Südafrika darstellen, keine sogenannte Aids-Generika,
also Nachahmerprodukte von patentierten Medikamenten, ausgeben. Die
Regierung weigert sich, einen HIV/Aids-Präventions- und Behandlungsplan zu
unterzeichnen. Dies sei eine "Krise des Regierens", so Achmat.

Deshalb hat TAC bereits im Dezember 2002 eine Kampagne des zivilen
Ungehorsams angekündigt. Die Regierung signalisierte daraufhin
Gesprächsbereitschaft. Verschiedene Termine mussten aber immer wieder
verschoben werden. Nun soll am 14. Juni ein Treffen von
Regierungsmitgliedern und TAC stattfinden.



Ute Dilg, Pressereferentin,
www.brot-fuer-die-welt.de



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Subject: "Brot für die Welt"-Pressemitteilung "K
ein Mensch und kein Kontinent haben Aids verdient"

Sehr geehrte Damen und Herren,

anbei sende ich Ihnen die "Brot für die Welt"-Pressemitteilung "Kein Mensch
und kein Kontinent haben Aids verdient" und die Rede von Frau Cornelia
Füllkrug-Weitzel bei der heutigen Pressekonferenz von "Brot für die Welt" in
Berlin "HIV/Aids - Wie geht der Kampf gegen die Krankheit in Südafrika
weiter?"

Für Rückfragen steht Ihnen Frau Ute Dilg 01 72/6 25 93 52 zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

Claudia Dengler
___________________________________________________
Brot für die Welt - Öffentlichkeitsarbeit und Werbung
Sekretariat Presse
Stafflenbergstr. 76, 70184 Stuttgart
Postfach 10 11 42, 70010 Stuttgart
Telefon: 07 11/21 59 - 4 44
Telefax: 07 11/21 59 - 1 10
E-Mail: presse@brot-fuer-die-welt.de
Website: http://www.brot-fuer-die-welt.de
___________________________________________________
Brot für die Welt: Ein Stück Gerechtigkeit

Pressegespräch am 27. Mai 2003 in Berlin


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China: ÄRZTE OHNE GRENZEN startet SARS-Projekt | 50.000 Menschen auf der Flucht