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ISSN 1610-0611
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Verzweifelte Situation für Zivilisten in Monrovia

Verzweifelte Situation für Zivilisten in Liberias Hauptstadt
ÄRZTE OHNE GRENZEN schickt Hilfsgüter nach Monrovia

Die internationale Hilfsorganisation ÄRZTE OHNE
GRENZEN hat einen Teil des Personals aus der seit Tagen umkämpften
liberianischen Hauptstadt Monrovia abgezogen, bleibt aber weiterhin mit
einem dreiköpfigen Team vor Ort. Nach Angaben der Organisation funktioniert
die Wasserversorgung nicht mehr, und die Krankenhäuser haben keinen Strom.
Viele Bewohner Monrovias sind geflohen, um sich vor den Kämpfen in
Sicherheit zu bringen.

"In den vergangenen Wochen haben wir in den Krankenhäusern und
Gesundheitszentren etwa 2.500 Konsultationen wöchentlich durchgeführt",
sagte Christopher Stokes, Programmleiter von ÄRZTE OHNE GRENZEN für
Westafrika. "Unseren Mitarbeitern zufolge kommen zurzeit nur noch wenige
Patienten in die Gesundheitsstationen. Die große Unsicherheit in der Stadt
hindert die Menschen daran, medizinische Hilfe zu suchen", so Stokes.

Oberste Priorität für das Team von ÄRZTE OHNE GRENZEN ist es, die
Krankenhäuser weiterhin mit Medikamenten und medizinischem Material zu
unterstützen. Noch wird die Belieferung jedoch durch das Chaos und die
Gewalt in den Straßen erschwert. Die Organisation geht davon aus, dass die
Patientenzahl sich drastisch erhöhen wird, sobald sich die Sicherheitslage
in der Stadt etwas verbessert.

In den vergangenen Tagen hat das Redemption-Krankenhaus, in dem ÄRZTE OHNE
GRENZEN tätig ist, einige Menschen behandelt, die durch die Kämpfe verletzt
wurden. Es handelt sich dabei um das einzige öffentliche Hospital der Stadt.
Die Vorräte werden jedoch langsam knapp, es gibt zudem weder Wasser noch
Strom. Am Sonntag wurde zudem das Island-Krankenhaus, das die Organisation
ebenfalls unterstützt, geplündert.

18 Tonnen Hilfsgüter wurden mittlerweile nach Freetown entsandt, der
Hauptstadt des benachbarten Sierra Leone. Darunter befinden sich
Medikamente, Nahrungsmittel sowie Wasser- und Sanitärmaterial. Darüber
hinaus versucht ÄRZTE OHNE GRENZEN mehr Informationen über den Verbleib der
Vertriebenen zu sammeln. In der vergangenen Woche hatten Zehntausende
Menschen aus den ländlichen Gebieten in der Hauptstadt Zuflucht gesucht.
Aufgrund der Unsicherheit wurden sie erneut vertrieben.

ÄRZTE OHNE GRENZEN ruft die Kriegsparteien dazu auf, die Sicherheit der
Bevölkerung zu garantieren, Hilfsorganisationen Zugang zu gewähren und die
dringend benötigten Hilfsgüter in die Krankenhäuser und Gesundheitszentren
passieren zu lassen.





Berlin, 10. Juni 2003.
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AERZTE OHNE GRENZEN / AM KOELLNISCHEN PARK 1 / D-10179 BERLIN
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