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ISSN 1610-0611
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8. Jahrestag des Falls von Srebrenica

Jahrestag Srebrenica: Schwere Vorwürfe gegen internat. Gemeinschaft

Bosnien: 8. Jahrestag des Falls von Srebrenica
(11.7.95)
Schwere Vorwürfe an internationale Gemeinschaft:
500 Todesschützen von Srebrenica noch immer auf
freiem Fuß

Schwere Vorwürfe gegen die internationale
Gemeinschaft hat die Gesellschaft für bedrohte
Völker (GfbV) anlässlich des achten Jahrestages
des Falls der ostbosnischen Stadt Srebrenica
(11.7.) erhoben. „Nach Schätzungen unserer
Menschenrechtsorganisation waren mindestens 500
Todesschützen serbischer Einsatzgruppen an den
Massenerschießungen der 8.000 Männer und Knaben
im Juli 1995 beteiligt. Sie alle sind noch auf
freiem Fuß“, kritisierte der Präsident der GfbV
International, Tilman Zülch, am Donnerstag in
Göttingen. „Alle diese Mörder müssen zur
Verantwortung gezogen werden, sonst gibt es
keine Sicherheit für die Rückkehrer. Die
Regierungen der westlichen Länder haben es
zugelassen, dass die nach wie vor von der
Karadzic-Partei SDS dominierte so genannte
Republika Srpska Bosniens zu einem
„Kriegsverbrechernest“ geworden ist. Dieses Nest
muss ausgenommen werden, damit sich die Täter,
unter ihnen Radovan Karadzic und Ratko Mladic,
auch dort nicht mehr sicher fühlen können,
nachdem in Serbien rechtsstaatliche Zustände
eingekehrt sind.“

Ausdrücklich nehme die GfbV das internationale
Tribunal in Den Haag von dieser Kritik aus,
sagte Zülch. Dieses hat den General Radislav
Krstic wegen Genozid in Srebrenica zu 46 Jahren
Haft verurteilt. Zwei weitere derzeit wegen
Völkermordes in der Stadt an der Drina
Angeklagte, die Offiziere Dragan Obrenovic und
Momir Nikolic, haben zugegeben, dass das
Massaker an den Muslimen in Srebrenica genau
geplant und systematisch durchgeführt worden
sei. Nach Angaben der bosnischen Sektion der
GfbV (Büros in Sarajevo und Srebrenica) sollen
neben den 8.000 erschossenen männlichen
Einwohnern der ehemaligen UN-Schutzzone weitere
2.000 Menschen, überwiegend Frauen und Kinder,
während der Belagerung und nach dem Fall der
Stadt ums Leben gekommen sein. Bisher wurden
rund 6.500 der Opfer aus Massen- und
Einzelgräbern exhumiert, 1.620 identifiziert und
600 bestattet. 282 werden morgen in Potocari,
einem Vorort von Srebrenica, beigesetzt.
Mitarbeiter der GfbV aus Bosnien, Deutschland
und aus der Schweiz werden bei der Trauerfeier
dabei sein.

Die GfbV arbeitet seit 1995 eng mit der
Mütterbewegung von Srebrenica zusammen. Bis zum
Vorabend des Massenmordes hatte die GfbV ständig
Funkkontakt mit dem Radioamateur in der
eingeschlossenen Stadt. Auch er gehört zu den
Ermordeten.


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Gesellschaft fuer bedrohte Voelker e.V. (GfbV)
Inse Geismar, Pressereferentin
Postfach 2024, D-37010 Goettingen
Göttingen/Srebrenica, den 10.07.2003
Hompage:http://www.gfbv.de
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