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ISSN 1610-0611
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IMK Wocheninformationsdienst Nummer: 183


Internationaler Verein für Menschenrechte der Kurden
IMK Wocheninformationsdienst
Datum: 02. März - 21. März 2003 Nummer: 183



Folterverfahren
Am 15. April wird vor der 15. Strafkammer am Amtsgericht in Beyoglu das Verfahren gegen die Polizisten Emre Çözeli, Mehmet Yanbul, Erdal Dogan und Ayhan Misir eröffnet. Ihnen wird vorgeworfen, Ali T. (16), Mucip G. (16) und Ersin Ü. (17) auf der Wache Karaköy gefoltert zu haben, nachdem sie am 8. Dezember 2001 unter dem Verdacht des Diebstahls festgenommen worden waren. (Quelle: Milliyet v. 01.03.2003)

Wiederaufnahme des DEP Verfahrens
Das SSG Ankara hat den Antrag auf Wiederaufnahme des Verfahrens gegen vier Ex- Abgeordnete der Demokratiepartei (DEP) angenommen. Damit werden Leyla Zana, Orhan Dogan, Hatip Dicle und Selim Sadak am 28. März wieder vor Gericht stehen. (Quelle: Cumhuriyet v. 01.03.2003)

Schlaglicht auf die Minderheitendiskussion: Süriyani.
Der Beitrag im Bianet berichtet von einer Diskussion in der Rassismus-Unterkommission des parlamentarischen Menschenrechtsausschusses. Bei der Sitzung hat das Mitglied Tosun erklärt, dass im Kommissionsbericht auch die Warnung Raum gefunden habe, dass angesichts 60.000 Süriyani der Provinz Mardin, die im Ausland leben, in Zukunft die Gefahr bestehen könne, dass diese Autonomierechte beanspruchen könnten, was die einheitliche Struktur des Staates gefährden könne. Im Bianet-Beitrag wird nun gefragt, ob die Süriyani nicht ebenfalls türkische Staatsbürger seien, deren Rechte zu schützen seien und ob auch der Frage nachgegangen worden sei, warum eine so große Zahl von Bürgern dieser Bevölkerungsgruppe ins Ausland abgewandert sei. Die Äußerungen im Ausschuß wurden vom Türkischen Menschenrechtsverein kritisiert. (Quelle: Istanbul Post v. 03.03.2003)

Birdal freigesprochen
Der Ehrenvorsitzende des IHD und st. Vorsitzende von FIDH, Akin Birdal, wurde von der 2. Strafkam-mer des Landgerichts Ankara vom Vorwurf eines Vergehens nach § 159 TSG (Amtsbeleidigung) freigesprochen. Das Verfahren war wegen einer Rede am 20. Oktober 2000 in Deutschland eröffnet worden, wo Birdal gesagt haben soll, dass die Türkei sich wegen des Völkermords an den Armeniern entschuldigen soll. Nachdem lange Zeit ergebnislos nach dem Reporter der Zeitung Gözcü, der den Artikel verfasst hatte, gesucht worden war, hat das Gericht nun das Verfahren aus Mangel an Beweisen eingestellt. (Quelle: Özgür Gündem v. 06.03.2003)

Student der Uni verwiesen
Der Student Abdurrahim Demir wurde von der Universität Dicle in Diyarbakir verwiesen. Er hatte am 22. Januar 2002 insgesamt 1540 Petitionen für Kurdisch als Wahlfach dem Rektor der Universität übergeben und war danach am 4. November 2002 vom SSG Diyarbakir zu einer Strafe von 45 Monaten Haft wegen Unterstützung einer illegalen Organisation verurteilt worden. (Quelle: TIHV v. 07.03.2003)

Amnesty verurteilt Polizeigewalt gegen Frauen
BERLIN. Kurz vor dem Internationalen Frauentag am Sonnabend hat Amnesty International die türkische Regierung zu mehr Schutz von Frauen vor sexueller Gewalt durch Polizeibeamte aufgefordert. Die neue Regierung müsse endlich "umfassende Reformen zum Schutz der Opfer und zur strafrechtlichen Verfolgung der Täter einleiten", sagte Amke Dietert von Amnesty am Mittwoch in Berlin.
Nach einem neuen AI-Türkei-Bericht gehören sexuelle Repressalien gegen Frauen weiter zum türkischen Alltag. So seien Frauen bei Verhören oder in Haft von Polizisten nackt ausgezogen oder so genannten Jungfräulichkeitstests unterzogen worden. Sexuelle Gewalt gegen Frauen werde in Gegenwart von Verwandten verübt, um Geständnisse zu er- zwingen. (Quelle: (epd) Frankfurter Rundschau, 06.03.2003)

Folter in Konya
Halil Ibrahim Kafaoglu hat sich beschwert, dass er nach seiner Festnahme vom Kommissar Metin Kanyer verprügelt wurde. Der Kommissar war zu seiner Tankstelle gekommen und wollte sein Auto waschen lassen, ohne sich an die Reihenfolge zu halten. Der Kommissar rief darauf seine Kollegen und nahm Herrn Kafaoglu, dessen Bruder und zwei Angestellte fest. Auf der Sehit Topal Polizeistation soll er dann Herrn Kafaoglu so stark geschlagen ha- ben, dass dessen Lippe platzte und er Verletzungen an seinem Kiefer erlitt. (Quelle: Radikal v. 11.03.2003)

Kinder gefoltert
Sevda Kurban, Sinem Camuz, Sinan Güzel, H.Y., R.B., Y.A., O.Y., B.S., N.A. (17) und S.Y., die am 10. März nach einer Demonstration gegen den Krieg im Irak vor dem Gymnasium in Besiktas fest-genommen worden waren, haben Foltervorwürfe erhoben. In seiner Anzeige sagte N.A., dass sie in der Anti-Terror-Abteilung des Polizeipräsidium in Besiktas geschlagen, belästigt und beschimpft wurden. Auch den Minderjährigen seien Handschellen angelegt worden. Der Anwalt Behiç Asçi ergänzte, dass die Verdächtigen nicht nur auf dem Polizeipräsidium Besiktas, sondern auch im Krankenhaus Ha-seki geschlagen wurden. (Quelle: Özgür Gündem, 13.03.03)

Journalisten verurteilt
Das Verfahren gegen Ümit Gök, Chefredakteur der Zeitschrift “Sanat ve Hayat”, wegen eines Artikels von Haluk Gerger zu Hafterfahrungen von Intellektuellen und Muhsin Kizilkaya zu Spannungen in der Gefangenschaft ging am 12. März zu Ende. Das SSG in Istanbul verurteilte Gök wegen eines Vergehens nach Artikel 8 des Anti-Terror Gesetzes (Separatismuspropaganda) zu 13 Monaten Haft und einer Geldstrafe von 1 Milliarde TL. Am gleichen Tag verurteilte das SSG Istanbul Ali Çelik Kasimogullari, den Besitzer der Tageszeitung “Özgür Gündem”, und dessen Chefredakteur Mehmet Çolak zu einer Geldstrafe von 182 Millionen TL. Grund war ein Artikel von Öcalan mit dem Titel “Der linke Block brachte Hoffnung”. Das Gericht sah dies als Publikation von propagandistischem Material einer illegalen Vereinigung an (Verstoss nach Artikel 6 des Anti-Terror Gesetzes). (Quelle: Ö. Gündem, 13.03.03)

Türkei billigt Anti-Minen Konvention
Die Vollversammlung des Parlaments hat am 12. März das Gesetz verabschiedet, das den Weg zur Ratifizierung der Konvention zum Verbot und zur Vernichtung von Anti-Personen- Minen, deren Ge-brauch, Deponierung, Produktion und Weitergabe ebnet. Die Konvention wurde als Ottawa Vertrag bekannt und am 4. Dezember 1997 zur Ratifizierung vorgelegt. Der Vertrag trat am 1. März 1999 in Kraft. Er wurde bislang von 142 Ländern unterschrieben und 122 Ländern ratifiziert. Nach Ratifizierung haben die Mitgliedstaaten die Verpflichtung, ihre Minen innerhalb von 4 Jahren zu vernichten und die Minenfelder innerhalb von 10 Jahren zu säubern. (Quelle: Cumhuriyet, 13.03.03)

HADEP verboten
Das Verfassungsgericht hat das Verbot der Volksdemokratiepartei HADEP bestätigt. Der Partei wur-de vorgeworfen, die PKK unterstützt und sich gegen die unteilbare Einheit des Landes verhalten zu haben. Das Verbot wurde auf Grund von Artikel 68 und 69 der Verfassung und den Artikeln 101 und 103 des Parteiengesetzes ausgesprochen. In dem Urteil wurde auf verschiedene Verfahren gegen Funktionäre der Partei hingewiesen. Neben den Gründern der Partei wurden insgesamt 46 Funktionären ein Politikverbot von 5 Jahren auferlegt. Be-troffen von dem Verbot sind: Murat Bozlak, Hikmet Fidan, Kemal Bülbül, Kemal Okutan, Kudret Gözütok, Esref Odabasi, Recep Doganer, Mehmet Satan, Hamit Geylani, Mehmet Selim Okçuoglu, Hayri Ates, Hasan Dogan, Mehmet Yücedag, Arif Atalay, Hüseyin Duran, Ismail Minkara, Hamza A-bay, Yilmaz Açikyüz, Muharrem Bilbil (Bülbül), Serhat Inan, Güven Özata, Kadir Bedir, Haci Pamuk, Ismail Turap, Abuzer Aslan, Riza Kilinç, Sü-krü Karadag, Ramazan Sertkaya, Mehmet Mansur Resitoglu, Hediyetullah Ülgen, Mehmet Emin Bayar, Süzan (Suzan) Erdogan, Halime Köklütas, Meh-met Yardimciel, Semistan Agbaba, Zeki Kiliçgedik, Sakine Berktas, Hasan Yildirim, Beser Kaplan, Hi-dir Berktas, Sabri Sel, Ferhat Avci, Yasar Uçar, Ali Gelgeç, Veysel Turhan und Abuzer Yavas. (Quelle: Cumhuriyet,. 14.03.03)

Öcalan-Prozess rechtswidrig: Urteil Strassburgs gegen die Türkei
Strassburg. Die Türkei hat mit dem Todesurteil gegen den Chef der Kurdischen Arbeiterpartei, Ab-dullah Öcalan, gegen das Grundrecht auf einen fai-ren Prozess verstossen. Dies entschied am Mittwoch der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in Strassburg. Das Staatssicherheitsgericht, welches Öcalan im Sommer 1999 wegen „Separatismus und Hochverrats“ verurteilt hatte, sei kein „unabhängiges und unparteiisches“ Tribunal gewesen, befand eine kleine Kammer des Strassburger Gerichts. Auch stelle die Verurteilung zum Tode eine „menschenunwürdige Behandlung“ dar, da der Verurteilte damit der Angst ausgesetzt werde, hingerichtet zu werden. Öcalan war im Februar 1999 von türkischen Sicherheitskräften in Kenia festgenommen und in die Türkei verschleppt worden. Im Juni des gleichen Jahres wurde er zum Tode verurteilt. In der ersten Prozessphase gehörte dem Gericht ein Militärrichter an. Verfahren vor solchen Gerichten sind vom Menschenrechtsgerichtshof wiederholt als unfair gerügt worden. Im vergangenen Sommer schaffte die Türkei die Todesstrafe ab. Damit wurde Öcalans Strafe in lebenslängliche Haft umgewandelt. (Quelle: (afp/dpa) NZZ, 13.03.03)

EU reagiert negativ auf Verbot der Kurden-Partei
Ankara - Die EU hat auf das Verbot der Partei der Kurden durch die türkische Justiz scharf reagiert: Mit dem Verbot der Partei schadet die Türkei nach Ansicht der griechischen EU- Ratspräsidentschaft ihrem Wunsch nach einem EU-Beitritt.
Die Entscheidung des türkischen Verfassungsgerichts werde von den zuständigen EU- Organen geprüft, sagte ein Sprecher des griechischen Aussenamts in Athen. Aber es steht fest, dass sie den europäischen Weg der Türkei negativ beeinflusst.
Das Verbot sei eine besonders negative Entwicklung für die Normalisierung des politischen Lebens in der Türkei und für die Festigung demokratischer Einrichtungen, betonte der Sprecher. Als EU-Bei-trittskandidat sei Ankara dazu verpflichtet, ein nor-males und ungehindertes Funktionieren der Parteien zu garantieren.
Zuvor hatte die türkische Justiz den pro-kurdischen Parteien gleich zwei Schläge versetzt: Zunächst verbot das Verfassungsgericht die Demokratie-Partei des Volkes (HADEP). Zahlreiche führende Mitglieder der HADEP dürfen sich in den nächsten fünf Jahren nicht politisch betätigen, wie die halbstaatliche Nachrichtenagentur Anadolu meldete.
Das Verbot der 1994 gegründeten HADEP begründete das Gericht damit, dass die Partei die verbotene Kurdische Arbeiterpartei (PKK) unterstützt und die Einheit des Staates gefährdet habe.
Unmittelbar nach dem Urteil forderte die Generalstaatsanwaltschaft ein Verbot der Demokratischen Volkspartei (DEHAP). Die DEHAP war 1999 mit Blick auf ein Verbot ihrer Schwesterpartei vorsorglich gegründet worden.
Das Urteil könnte den Spannungen zwischen Kurden und der Zentralmacht in Ankara neuen Auftrieb geben. In den letzten Wochen waren türkische Soldaten an der Grenze zu Irak aufmarschiert, um im Kriegsfall in Nordirak die Gründung eines Kurdenstaates zu verhindern. (Quelle: (sda) News.ch, 13.03.03)

EU-Beobachter bei Prozess gegen Kurdin
Straßburg - Das Europaparlament wird eine Delegation zu dem neuen Prozess gegen die seit 1994 inhaftierte kurdische Politikerin Leyla Zana entsenden, der am 28. März in Ankara beginnen soll. Insgesamt sieben Europaabgeordnete wollen den Prozess verfolgen, bei dem sich neben Zana drei weitere kurdischstämmige Politiker verantworten müssen.
Die ehemaligen Abgeordneten des türkischen Parlaments waren 1994 wegen angeblicher Unterstützung der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) zu Haftstrafen zwischen dreieinhalb und 15 Jahren verurteilt worden. Dies wurde im vergangenen Juni vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg gerügt. Die Richter werteten das Verfahren vor einem so genannten Staatssicherheitsgerichtshof, dem ein Militärrichter angehörte, als unfair und parteiisch. Der Prozess wird aufgrund einer Rechtsreform neu aufgerollt, die Ankara im Zuge des jüngsten Demokratisierungsprozesses verabschiedete. (Quelle: Wiener Zeitung, 17.3.03)


Schwedischer Appell an das türkische Parlament eine türkische Invasion in Irakisch- Kurdistan zu verhindern !
Die Gerüchte, dass die türkische Regierung im Falle eines Krieges den Irakisch-Irakisch Kurdistan besetzen würde, hat zu großer Beunruhigung dort selbst und in der ganzen Region geführt.
Die politischen Parteien Irakisch Kurdistans haben bereits scharf gegen diese Pläne in verschiedenen Städten u.a. in Suleimania, Arbil und Acre protestiert.
Am 3. März zeigte das schwedische Fernsehen einen Bericht über die bisher größte Demonstration von mehr als einer halben Million Menschen in Arbil. Einen Tag später fanden an anderen Orten ebenfalls große Demonstrationen statt.
In den letzten Wochen gab es auch in europäischen Hauptstädten Kundgebungen gegen diese Pläne.
Unserer Meinung nach verstößt ein Einmarsch in Irakisch Kurdistan gegen internationales Recht nachdem kein Land ein anderes besetzen darf. Außerdem trägt so eine Aktion zu einer wachsenden Instabilität bei und verringert damit die Aussichten auf Frieden in der Region.
Deshalb bitten wir das türkische Parlament dringend zu handeln, um eine Invasion nach Irakisch Kurdistan zu verhindern .
Schweden, Stockholm, 11. März 2003
Gez. 40 schwedische Parlamentarierinnen und Parlamentarier



WKI Präsident Dr.Najimadin Karim gab eine Erklärung zu der Drohung einer türkischen Invasion in Irakisch-Kurdistan
12 Jahre hat Irakisch-Kurdistan Selbstverwaltung genossen und damit ein Beispiel an Demokratie und Fortschritt für die gegeben, die vielleicht bald aus Saddam Husseins hartem Griff befreit werden. Obwohl nicht perfekt, hat das demokratische Beispiel von Kurdistan doch bemerkenswerte Fortschritte in der zivilen Gesellschaft, der Medienwirtschaft, im Internet und NGO’s gemacht. Erstmalig in der Geschichte des Irak teilt er durch das UN Oil-for-Food Programm einen Teil seines Reichtums mit den Kurden.
Viele, die sich an den niedergeschlagenen Aufstand von 1991 erinnern, nennen die Gegenwart „Das goldene Zeitalter“ und damit eine einzigartige Erfolgsstory im Mittleren Osten.
Die PUK und die KDP haben regelmäßig mit der US Regierung und der irakischen Opposition für den Fall eines Regimewechsels zusammengearbeitet.
Die Kurden erkennen den Beitrag der Türkei in der Schaffung und dem Schutz dieses für Kurden sicheren Gebietes an.
Es besteht dennoch z.Z. die Befürchtung, die USA könnte der Türkei erlauben, Truppen nach Irakisch-Kurdistan zu senden als Preis für den Zugang amerikanischer Truppenverbände in den Grenzbereich des Nordirak.
Gegen eine militärische Intervention zu protestieren ist die Pflicht aller Kurden und unserer Freunde, deshalb bin ich dafür, die Gespräche zwischen Türken, Kurden und US Vertretern noch zu intensivieren, um gefährliche Missverständnisse zu vermeiden.
Unsere kurdischen Führer haben wiederholt unseren türkischen Nachbarn versichert, dass ihre Besorgnis keinen militärischen Einsatz rechtfertigt.
Mit unseren US Verbündeten müssen wir die vier wichtigsten Punkte, die eine Entsendung von Truppen in diese Region rechtfertigen würde, ausarbeiten.

Punkt1 - Türkische Vertreter haben angedeutet, entsendete Truppen nach Irakisch Kurdistan könnten Flüchtlinge daran hindern die türkische Grenze wie 1988 und 1991 zu überschwemmen. Unendlich viele Dörfer sind seit 1991 wiederaufgebaut worden und häufig bestehen Pläne Unterkunft bei Verwandten in diesen sicheren Gebieten zu suchen. Flucht an die Grenzen der Türkei und dem Iran sind eher unwahrscheinlich. Beide Länder haben außerdem mit Zelten und anderer Ausrüstung vorgesorgt

Punkt2 - Türkische Vertreter haben ihre Besorgnis über die Behandlung der turkmenischen Minderheit ausgedrückt, um damit ihre Truppenpräsenz zurechtfertigen. Beschwerden kamen allerdings nur von einer kleinen Gruppe von Turkmenen, während deren offizielle politische Vertreter ihr Vertrauen in eine zukünftige Regierungsform ausdrücken, die die politischen und kulturellen Rechte aller Gruppen schützt.

Punkt3 - Die Türkei unterhält seit geraumer Zeit zahlreiche Truppenverbände in Irakisch Kurdistan um gegen die PKK, jetzt KADEK, zu kämpfen, aber KADEK hat jede bewaffnete Aktion gegen die Türkei eingestellt und scheidet somit als Vorwand für die türkische Präsenz aus. Die wichtigsten kurdischen Parteien, US und alliierte Truppen könnten dazu beitragen weitere Sicherheitsbedenken der Türkei abzubauen. Außerdem könnte auch die Türkei durch längst überfällige Reformen in diesem Gebiet die Unzufriedenheit der Kurden mindern, die der KADEK noch immer Popularität und politischen Einfluss möglich macht.
Die Hauptsorge der Türken ist allerdings die Entstehung eines unabhängigen Staates Kurdistan. Selbstverständlich glauben alle Kurden an ihr Recht über ihr Schicksal selbst bestimmen zu dürfen. Eine wirkliche Unabhängigkeit ist z.Z. nicht möglich. Deshalb sind sich kurdische Führer und irakische Oppositionelle einig eine Art von Föderalismus anzustreben, der weder die territoriale Integrität des Iraks noch zu Bedrohung der Türkei führen würde. Im Gegenteil die Iraker, die Kurden und die Türken könnten davon profitieren.
Eine einseitige militärische Intervention der Türkei in Irakisch Kurdistan wäre verheerend und würde nicht nur auf der irakischen Seite der Grenze zu einer Eskalation mit der bewaffneten Guerilla führen. Dies sollte allen beteiligten Parteien klar sein. Jeder Kurde sollte weltweit an Demonstrationen teilnehmen - unterstützt werden wir inzwischen auch von amerikanischen Kongressabgeordneten und Leuten des öffentlichen Lebens, die dafür eintreten, dass die Kurden nicht wieder betrogen werden. Eine Zukunft für die Kurden ohne Saddam Hussein wird es uns ermöglichen unser demokratisches Experiment zu erweitern und als Modell für den ganzen Irak zu dienen. Mit unseren Freunden und Nachbarn .wollen wir daran arbeiten, dass dies Wirklichkeit wird. (Quelle: Washington Kurdish Institut, Presseerklärung vom 10.März 2003



Die Bundesrepublik Deutschland schottet sich gegenüber Schutzsuchenden aus dem irakischen Krisengebiet immer mehr ab:
NÜRNBERG - Zumindest in einer Hinsicht ist es nicht verkehrt, bei der Irak-Politik von einem deutschen Sonderweg zu sprechen: Die Bundesrepublik schottet sich immer mehr gegen Flüchtlinge aus dem nahöstlichen Krisengebiet ab - mit einer Begründung, die es sonst wohl in keinem Zufluchtsland gibt und die auch in der Genfer Flüchtlingskonvention nicht vorgesehen ist: die so genannte innerstaatliche Fluchtalternative.
Diese ist laut Urteil des Bundesverwaltungsgerichts gegeben, wenn ein Landesteil für den Schutz Suchenden faktisch frei von staatlicher oder nichtstaatlicher Verfolgung und anderen am Herkunftsort bestehenden Gefahren ist. Darauf unter anderem führt (wie berichtet) das Nürnberger Bundesamt für die Anerkennung ausländischer Flüchtlinge die stark rückgängige Anerkennungsquote für Asyl-Anträge von Irakern zurück. Menschen, die in der Landesmitte oder im Süden vor dem Terror-Regime Saddam Husseins Schutz suchen, könnten diesen im Nord-Irak finden. Dort gebe es keine Verfolgung, sondern Flüchtlingslager der UN. Dort sei auch die Versorgung nach dem "Oil-for-Food"-Programm besser als weiter südlich. Gestützt wird diese Ansicht auf Lagebeurteilungen des Auswärtigen Amts.
Dieser Auffassung widersprechen Organisationen, die wie der "Verband für Krisenhilfe und solidarische Entwicklungszusammenarbeit" (WADI e.V.) vor Ort tätig sind. Einspruch kommt aber auch vom Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR), das angeblich die Lager im Nord-Irak unterhält - was aber Stefan Telöken, der Sprecher von UNHCR Deutschland, gegenüber unserer Zeitung ausdrücklich verneinte. Immer wieder würden, schreibt WADI-Mitarbeiter Thomas Uwer, vom Auswärtigen Amt und in Urteilen Gutachten zitiert, wonach Flüchtlinge in den nordirakischen Lagern der UN oder von anderen internationalen Organisationen täglich 2230 Kilokalorien aus Nahrungsmittelpaketen erhielten, außerdem Zelte, Decken und Heizkörper.
Ähnlich, aber etwas differenzierter, urteilt Stefan Telöken. Etwa 200 000 "Binnenvertriebene" hielten sich in - nicht von den UN eingerichteten - Lagern im Nordirak auf und würden "am Leben erhalten", mehr nicht. Die Verhältnisse dort seien generell zwar tatsächlich besser als im Rest des Landes, doch die entscheidende Frage sei, ob die Flüchtlinge sich dort sicher fühlen dürften: "Eine bestimmte Kalorienmenge kann nicht der Schutz sein, den diese Menschen brauchen."
Telöken wendet sich entschieden dagegen, die Lage für Flüchtlinge so pauschal zu beurteilen wie die deutschen Gerichte, das Auswärtige Amt und das Nürnberger Bundesamt. Es komme immer auf den Einzelfall an.


Anja Klug, Rechtsberaterin des UNHCR, hat den Standpunkt der UN-Organisation ausführlicher begründet. Demnach erfüllt der Nordirak grundsätzlich nicht die Anforderungen, die das Bundesverwaltungsgericht an inländische Fluchtalternativen gestellt habe. Im Einzelfall müsse geprüft werden, aus welchen Gründen Asylsuchenden Verfolgung droht und ob im Nordirak diese Verfolgung nicht mehr besteht. Außerdem komme es nicht darauf an, ob Flüchtlinge vor den Sicherheitskräften des Zentralregimes sicher sein können, sondern ob lokale Organisationen Terror ausübten. Die Fluchtalternative im Norden sei auch nicht legal zugänglich. Und schließlich, so folgert Anja Klug, bedeute Schutz in aller Regel staatlichen, völkerrechtlich verpflichtenden Schutz. Den könnten im konkreten Fall lo-kale kurdische Organisationen nicht gewährleisten.
Ist das Leben am Rand des Existenzminimums schon in "normalen" Zeiten unzumutbar, wird sich nach Ansicht von Pro Asyl die Lage der irakischen Flüchtlinge im Kriegsfall noch zuspitzen und in einer Katastrophe enden. Die Türkei habe ihre Grenze zum Irak bereits abgeriegelt, in Kuwait und Saudi-Arabien sollen Flüchtlinge in die Obhut amerikanischer und britischer Militärs kommen, die die Arbeit humanitärer Organisationen "koordinieren". Auch das UNHCR befürchtet, dass dann alle Grenzen dicht gemacht werden. Auf diese Weise, prophezeit Pro Asyl, werde Irak zur "Todesfalle für Flüchtlinge". (entnommen, leicht gekürzt, aus Nürnberger Nachrichten, 14.3.2003)


100 deutsche Firmen lieferten Rüstungsgüter an den Irak
Frankfurt/Main - Im Irak ist deutsche Wertarbeit gefragt. Zum Beispiel bei der Herstellung von Kanonenrohren für das 210-Millimeter-Geschütz Al Fao, mit dem auch atomare, biologische und chemische Sprengköpfe verschossen werden können. Bei der Produktion der Superkanone vertraut Saddam Husseins Rüstungsindustrie auf die Leistungsfähigkeit von Tiefbohrgeräten made in Germany. Und der deutsche Rechtsstaat vertraut im Kampf gegen die Handlanger des Todes auf seine Justiz. So wurden am 31. Januar 2003 wegen eines illegalen Irak-Geschäfts ein deutscher Ingenieur sowie der Vertriebsleiter einer niedersächsischen Firma zur Rechenschaft gezogen. Das Landgericht Mannheim verurteilte den 59-jährigen Haupttäter aus Pforzheim zu einer Haftstrafe von fünf Jahren und drei Monaten und den 54 Jahre alten Mitangeklagten zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe. Seit einer Woche befindet sich auch jener Mann in Gewahrsam, dem die Mannheimer Staatsanwaltschaft vorwirft, Auftraggeber des über Jordanien abgewickelten Geschäfts mit der Rüstungsindustrie von Saddam Hussein gewesen zu sein. Es handelt sich dabei um den mit internationalem Haftbefehl gesuchten irakischen Geschäftsmann Sahib el Haddad, der vergangene Woche von Bulgarien an Deutschland ausgeliefert worden war und seitdem in Karlsruhe in Untersuchungshaft sitzt. Nach Angaben des Zollkriminalamtes (ZKA), das in der Bundesrepublik die Einhaltung des Außenwirtschaftsgesetzes und des Kriegswaffenkontrollgesetzes überwacht, kooperiert der Irak ungeachtet des gegen ihn verhängten Wirtschaftsembargos mit einer "Vielzahl neuer Lieferanten auch in China, Indien, Russland, Syrien und Osteuropa". Dezentrale Beschaffungsstrukturen und voneinander unabhängig arbeitende Firmen sollen die Rüstungsprogramme unterstützen.
In einem vom Irak für die Vereinten Nationen erstellten Rüstungsbericht sollen fast 100 deutsche Firmen aufgeführt sein, die in den letzten Jahren an Projekten zur Entwicklung von Massenvernichtungswaffen beteiligt gewesen sein sollen. Die Zahl scheint nicht unrealistisch zu sein: Dies ergibt sich nach Informationen der WELT aus einer amtlichen Auswertung des Zollkriminalamtes, die bis in die Mitte der achtziger Jahre zurückreicht und bis zum vergangenen Jahr Ermittlungsverfahren gegen 65 deutsche Firmen wegen Proliferationsverdachts auflistet. Die Zahl der Beschuldigten gibt das ZKA mit 137 an. Aktuelle Verfahren gegen deutsche Geschäftspartner der irakischen Rüstungsindustrie: vier. (Quelle: auszugsweise: Die Welt, 12. März 2003)


Unwillkommene irakische Flüchtlinge sollen in die Obhut der Militärs
Kairo (dpa) - Amerikanische und britische Soldaten bereiten sich an den irakischen Grenzen nicht nur auf eine Invasion zum Sturz von Präsident Saddam Hussein vor, sondern auch auf die Versorgung irakischer Flüchtlinge. Nach Plänen der US-Regierung sollen die Militärs in einem dieser Tage in Kuwait eröffneten Humanitären Zentrum (HOC) Maßnahmen von UN-Hilfsorganisationen, staatlichen und privaten Initiativen koordinieren.
Gleichzeitig sollen die Soldaten in Kuwait und Saudi-Arabien verhindern, dass sich dorthin gelangte Flüchtlinge frei bewegen können. Möglichst sol-len aber Flüchtlinge im Kriegsfall gar nicht erst über die Grenze kommen, sondern in Lagern im Irak betreut werden. Das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR), das bei einem Krieg von schätzungsweise 600 000 Flüchtlingen ausgeht, hat allerdings an die Nachbarn des Irak appelliert, ihre Grenzen zu öffnen.
US-Soldaten sollten bei einem amerikanischen An-griff auf Bagdad per Flugzeug die Bewegungen von Menschen auf der Flucht im Irak überwachen, sagte der saudische Verteidigungsminister Prinz Sultan Ibn Abdelasis. Dafür habe Saudi-Arabien den grenznahen Flughafen Arar zur Verfügung gestellt. Dabei wolle das Königreich für geflohene Iraker nur das Beste, meinte der Prinz. "Wir sind sogar be-reit, 100 000 (Flüchtlinge) zu empfangen, die wir in ihrem eigenen Land unterbringen werden, so dass sie bis zu ihrer Rückkehr in der Nähe ihrer Häuser und Familien können", fügte er hinzu.
Auch die Kuwaiter, die Saddam die Invasion von 1990 bis heute nicht verziehen haben, machen keinen Hehl daraus, dass es ihnen am liebsten wäre, alle Flüchtlinge blieben im Irak. Lager für sie an der kuwaitischen Grenze sollten von amerikanischen und britischen Soldaten überwacht werden, sagte der kuwaitische ehemalige Generalleutnant Ali el Moman als Leiter des Humanitären Zentrums. Damit solle das Eindringen irakischer Agenten verhindert werden, heißt es zur Begründung. "Da wollen die Amerikaner dann wohl potenzielle Osama bin Ladens herausfischen", meint ein westlicher Diplomat in Kairo. Die Planungen der Amerikaner und Golf-Araber zur Eindämmung möglicher Flüchtlingsströme bezeichnete er als "ganz schön brutal".
Die Türkei geht unterdessen davon aus, dass viele Flüchtlinge aus dem Zentral-Irak in der nicht von Saddam Hussein kontrollierten nordirakischen Kurdenregion Zuflucht finden werden. Um zu verhindern, dass sie über die Grenze in die Türkei fliehen, hat der türkische Rote Halbmond in den vergangenen Monaten bereits Zelte, Decken und andere Hilfsgüter für Zehntausende in die Nähe der Grenze gebracht. Die syrische Führung, die sich vehementer als andere arabische Staaten gegen einen Irak-Krieg ausgesprochen hat, trifft selbst keine Vorbereitungen für die Versorgung irakischer Flüchtlinge. Dafür hat das UNHCR damit begonnen, im Nordosten des Landes ein altes Lager aus dem Golfkrieg von 1991 wieder herzurichten, in dem zwischen 10 000 und 20 000 Iraker Zuflucht finden könnten.
Das Königreich Jordanien, das im letzten Golfkrieg rund 1,5 Millionen Flüchtlinge aus dem Irak aufgenommen hatte, hat sich - angeblich erst auf amerikanisches Drängen - bereit erklärt, Flüchtlinge ins Land zu lassen. Allerdings sollen sie dann zwei Lager bei Ruweischid nahe der Grenze voraussichtlich nicht verlassen dürfen. Die Region wurde inzwischen zur militärischen Sperrzone erklärt. Gastarbeiter, die aus dem Irak nach Jordanien fliehen, sollen nach Informationen der jordanischen Zeitung "Al-Rai" nur 72 Stunden im Land bleiben dürfen und sofort in ihre Heimatländer weiterreisen.
Das UNHCR und die iranische Führung rechnen damit, dass etwa die Hälfte der Flüchtlinge versuchen würde, nach Iran zu gelangen. "Hier sind sie aber nicht willkommen", erklärt Ahmed, ein 32 Jahre alter Taxifahrer aus der Stadt Ahvaz nahe der irakischen Grenze. "Nicht schon wieder", stöhnt dort ein Hotelbesitzer, "wir haben wirklich genug vom Irak, von seinen Kriegen und Flüchtlingen." Die Behörden haben der unwilligen Bevölkerung in der Grenzregion deshalb versprochen, die Flüchtlinge direkt an der Grenze unterzubringen und am Verlassen der insgesamt zehn Lager zu hindern. (Quelle: Dpa, 12.03.03)

pax christi-Asylkommission fordert großzügige Hilfe für Flüchtlinge im Falle eines Irak-Krieges
In einem Schreiben an Bundesaußenminister Joschka Fischer und den Menschenrechtsausschuss des Bundestages hat die Kommission Asyl/Flüchtlinge von allen Natostaaten eine humanitäre und großzügige Flüchtlingshilfe und umfassende Präventionsmaßnahmen für zivile Opfer von möglichen Giftgas-Angriffen und Bombardements im Falle eines Irak-Kriegs gefordert. Die Bundesrepublik Deutschland sei hier wegen der Beteiligung deutscher Unternehmen am Aufbau von Saddam Husseins Giftgasanlagen und seinem Waffenarsenal besonders gefordert
Bundesaußenminister Fischer wird in dem Schreiben aufgefordert, bei den Vereinten Nationen, in der Europäischen Union und der NATO die notwendigen Schritte gegen den Einmarsch türkischer Truppen in den Nordirak einzuleiten und sich beim UN-Sicherheitsrat für Entsendung von Menschenrechtsinspektoren in den Irak einzusetzen, um den notwendigen Wandel zu Demokratie und Menschenrechten auf friedliche Weise in Gang zu bringen. ……
Die Asylkommission von pax christi fordert auch statt der Vernichtung der türkisch- kurdischen Kämpfer eine Amnestie, weil sie Friedensbereitschaft gezeigt haben. Weiterhin unterstützt pax christi die Forderung der Menschenrechtsvereine in der Türkei, in dieser Krisenzeit keine kurdischen Flüchtlinge in die Türkei abzuschieben. (aus Pressemitteilung pax christi, Bad Vilbel, den 13.3.2003)

Gemeinsame Presseerklärung
15 Jahre Giftgasangriff auf Halabja
In den frühen Morgenstunden des 16. März 1988 flog eine Formation irakischer Kampfflugzeuge die kurdische Stadt Halabja an. Geladen hatten sie eine tödliche Fracht: Kampfgas, das mit deutscher Hilfe in den Chemiefabriken des irakischen Staates hergestellt wurde. "Insektenvernichtungsmittel", wie es im offiziellen Sprachgebrauch hieß, Gift zur Vernichtung von Menschen, für "Perser, Juden und andere Insekten" produziert, wie Tarik Aziz, heute Vizepräsident des Irak, dem früheren Leiter der UN- Waffenkontrollteams Richard Buttler erklärte. Die Piloten mussten so tief über Halabja hinwegfliegen, um ihre tödliche Fracht in Mitten der Stadt zu placieren, dass Passanten die Kennungen auf ihren Tragflächen lesen konnten. Als sich das Gift verteilte, war es bereits zu spät zu fliehen. 5.000 Menschen, Männer, Frauen und Kinder, starben an diesem Tag in Halabja einen grausamen Tod. Über 10.000 wurden lebensgefährlich verletzt, viele von ihnen verstarben später an den Folgen des Angriffs. Der Rest der Bevölkerung floh, ihre Häuser wurden von nachrückenden irakischen Truppen niedergewalzt.
Halabja ist zum Symbol für den Krieg des irakischen Regimes gegen die eigene Bevölkerung geworden. Denn der Angriff des 16. März ist kein Einzelfall geblieben. 4.500 kurdische Siedlungen wurden zerstört, 180.000 Menschen im kurdischen Nordirak verschleppt oder ermordet. In mindestens 42 Fällen hat das irakische Regime nachgewiesenermaßen Giftgas gegen die kurdische Bevölkerung eingesetzt. Die ländliche Bevölkerung wurde zusammengetrieben, Jungen und Männer zwischen 15 und 50 Jahren wurden auf Lastwagen abtransportiert. Ihre Spur verliert im Südirak. Die restliche Bevölkerung wurde in militärisch bewachte Sammelstädte deportiert. War eine Region von "Rebellen befreit", sprach man von einem Akt der "Reinigung".
Dies alles geschah auf den Befehl der irakischen Regierung, vor Ort organisiert von Hasan Ali Majid, Cousin und Vertrauter von Staatspräsident Saddam Hussein und von diesem mit umfassenden Vollmachten zum Massenmord ausgestattet. Umgesetzt wurde es mit der Hilfe deutscher Unternehmen, die im großen Stil Rohstoffe, Fertigungsanlagen und Know- How zur Produktion von Massenvernichtungswaffen an das irakische Regime geliefert haben - über Jahre. Die Erkenntnisse der Ende der Achtziger Jahre eingesetzten Parlamentarischen Untersuchungskommission, die Ermittlungen der Darmstädter Staatsanwaltschaft im sogenannten "Giftgasverfahren", die Quellen und Dokumente internationaler Organisationen legen nahe, dass dies der Bundesregierung bekannt war. Konsequenzen daraus wurden nicht gezogen.
Im gesamten Irak hat das Regime Saddam Husseins unzählige Verbrechen an der eigenen Bevölkerung verübt. Die Menschen des Südirak wurden nach der Niederschlagung der Volksaufstände grausam dafür bestraft, dass sie sich gegen ihre Unterdrücker erhoben. 40.000 Menschen wurden ermordet, zehnmal so viele aus ihren Dörfern vertrieben oder deportiert. Die südirakischen Marschen, ein natürliches Sumpfgebiet in der Größe des Bundeslandes Hessen, wurden trockengelegt, den Bewohnern die Existenzgrundlage entzogen, ihre Siedlungen mit Napalm bombardiert. Tausende Menschen werden überall im Land unter furchtbaren Bedingungen in Haft gehalten. Kurden und Araber, Assyrer, Yeziden & Turkmenen, Suniten, Schiiten und Christen. In den Gefängnissen wird gefoltert und willkürlich getötet. 16.000 Namen hat Amnesty International gesammelt von Menschen, die einfach "verschwanden". All dies ist noch nicht Vergangenheit, all dies ist im Bewusstsein aller Iraker jeden Tag präsent.

Heute, 15 Jahre nach dem Angriff auf Halabja, leiden Menschen aus der Stadt an Nervenlähmungen, Hautkrankheiten, Tumoren und Schäden an Lunge und Atemwegen, an häufigen Fehlgeburten. Forschungen vor Ort haben ergeben, dass das Giftgas genetische Veränderungen bewirkt hat. Auch heute noch haben diese Menschen Angst, obwohl große Teile der kurdischen Region seit 1991 selbstverwaltet sind. Saddam Hussein droht noch immer damit, an den Kurden Rache zu üben und sie erneut mit Giftgas und Krieg zu überziehen.
Bis heute auch wartet die kurdische Bevölkerung vergebens auf ein Zeichen aus Deutschland. Keine Ansprache, keine diplomatische Note, keine Feierstunde- kurz: KEIN WORT, mit dem die Bundesregierung ihr Bedauern darüber ausgedrückt hätte, dem irakischen Regime beim Mord an den Kurden adjutiert zu haben.
Die Menschen im kurdischen Nordirak haben in den vergangenen Jahren die Region wieder aufgebaut. Dort ist unter schwierigen Bedingungen ein demokratisches Experiment entstanden, das wegweisend für die Entwicklung des gesamten Irak sein könnte. Gemeinsam mit anderen irakischen Oppositionsparteien aller Bevölkerungsgruppen haben sich die Kurdischen Parteien auf ein Grundsatzprogramm für einen Staat nach Saddam Hussein geeinigt, ein Staat, der demokratisch, föderal und demilitarisiert sein soll, in dem erstmals die Rechte des Einzelnen als Staatsbürger zählen - unabhängig von seiner Herkunft, seinem Glauben oder seiner politischen Überzeugung. Und ein Staat, der erstmals auch bereit für einen Frieden mit allen Nationen im Nahen Osten.
Dieses Programm benötigt dringend Unterstützung, damit es Wirklichkeit werden kann. Bis heute aber weigert sich die Bundesregierung, mit der irakischen Opposition auch nur zu sprechen. Der Wunsch der irakischen Menschen nach Befreiung von der Diktatur wird weiter ignoriert.
Am 15. Jahrestag der Bombardierung Halabjas hoffen die irakischen Kurden und mit ihnen die unterdrückten Menschen des Irak darauf, dass Deutschland endlich auch ihre Bemühungen für einen demokratischen Irak unterstützt.
Wer keinen Krieg will, der muß über Alternativen zu Saddam Hussein nachdenken, denn sein Frieden ist Krieg.
Patriotische Union Kurdistan-Deutschland (PUK)
Demokratische Partei Kurdistans-Irak (KDP-Irak) - Deutschland, Oberster Rat des islamischen Widerstands im Irak (SCIRI), Kommunistische Partei Irak (ICP), Demokratischer Bund der Assyrer in Deutschland (ADB), Internationales Zentrum für die Menschenrechte der Kurden (IMK e.V.),
Wadi e.V, Gesellschaft für bedrohte Völker e.V.,
Navend e.V., Koalition für einen demokratischen Irak

PRESSEERKLÄRUNG

ANGRIFF AUF DAS KURDISCHE NEUJAHRSFEST "NEWROZ"
Am Samstag den 15.März 2003 wurde die in Berlin von vier verschiedenen kurdischen Organisationen durchgeführte NEWROZ-Veranstaltung von 25-30 PKK Provokateuren in Anwesenheit von Ausländerbeauftragte Prof. Barbara John gewaltsam sabotiert.
Die Provokateure der PKK waren mit Schlagstöcken, Eisenstangen, Messern und Schusswaffen ausgerüstet. Der kurdische Volkssänger Sivan Perwer, der sich zu der Zeit auf der Bühne befand, wurde auch zur Zielscheibe der PKK-Gewalttäter. Das energische Eingreifen der Sicherheitsordner und die heftigen Proteste der Zuschauer hat die PKK- Marionetten letztendlich in die Flucht geschlagen. Die PKK-Provokateure haben somit ihr ersehntes Ziel, die Sabotage der NEWROZ-Feier nicht vollenden können und der Abend wurde wie geplant fortgesetzt.
Die kurdische Öffentlichkeit tadelte den widerwärtigen Anschlag auf die NEWROZ-Feier und weist nach diesem feindlichen Angriff das kurdische Volk auf die Instrumentalisierung der PKK durch den türkischen Staat hin.
Ein ähnlicher Angriff seitens der PKK fand auch am 16.März während der NEWROZ-Feier in Paris statt. Doch auch hier haben die Marionetten ihr ersehntes Ziel nicht erreicht. Die Eskalation wurde verhindert und die Veranstaltung wie geplant auch dort gefeiert.
Diese Provokateure versuchen seit Jahren NEWROZ-Veranstaltungen zu stören und zu terrorisieren. Durch diese Provokationen und Terroraktionen haben sie in Europa die rechtmäßige Kurdensache beschädigt und terrorisiert.
Nach unseren Informationen sind diese Angriffe - wie auch in der Vergangenheit - von der PKK-Zentrale geplant und durchgeführt worden.
Mehrere Menschen, die an der Veranstaltung teilnehmen wollten, wurden von den PKK- Aktivisten mit Gewalt bedroht.
Weshalb greift ausgerechnet diese Partei, die jegliche politische Ziele aufgegeben hat und der türkischen Regierung mit ihrer jetzigen Provokationspolitik dient, erneut das NEWROZ- Fest an? Hinzu kommt, dass gerade die Angriffe sich in dem Zeitraum abspielen, in der die türkische Regierung offenkundig bestrebt ist, unser Volk in Südkurdistan als Geiseln zu nehmen, ihnen ihre Rechte und Freiheiten zu entziehen, und sie sogar zu vertreiben. Während alle Parteien und politischen Gruppierungen (außer der PKK) aller vier Teile Kurdistans sich gegen eine türkische Besatzung Südkurdistans aussprechen und eine gemeinsame Einheit bilden, ist es eine traurige Wahrheit, dass die PKK vom türkischen Staat für seine Zwecke missbraucht wird!
Diese Realität muss dem kurdischen Volk bewusst werden, damit es gegen diesen abartigen Pakt gemeinsam vorgeht!
Wir protestieren gegen diese aggressive Haltung und rufen die Öffentlichkeit auf, geschlossen gegen diesen schmutzigen Angriff vorzugehen und einzuschreiten. Den Aggressionen der PKK muss Einheit geboten werden!
Wir, die kurdischen demokratischen Organisationen, die wir unten unterschrieben haben, rufen die PKK-Führung dazu auf, sich von derartigen Angriffen endgültig zu verabschieden und ihre Hände nie wieder mit kurdischem Blut zu waschen! Es ist offensichtlich, dass jede terroristische Handlung in irgendeiner Stadt Europas der kurdischen Nationalbewegung große Schäden zufügen wird.
Wir fordern die PKK auf:
- Lasst endlich davon ab, dem Feind zu dienen!
- Hört auf ein Hindernis für das kurdische Volk zu sein, das seine ganze Einheit und Stärke sowohl seinen Freunden, als auch seinen Feinden gegenüber auf der ganzen Welt demonstriert!
BERLIN, 17.03.03
HOYBUN-KOMKAR- HEVBENDI- PYK-S

Der IMK e.V. protestiert gegen die Angriffe der PKK / KADEK auf die NEWROZ-Veranstal- tungen und solidarisiert sich mit den betroffenen demokratischen kurdischen Organisationen.
Bonn, 18.03.03





Wie zuvor auch diesmal möchten wir an Sie appellieren, uns mitzuteilen falls Sie eine e- mail-Adresse haben, denn der Versand über e-mail ist kostengünstiger und schneller.

Wir möchten Sie gleichzeitig auf unsere web-Seiten hinweisen, die interessante Beiträge enthält:
· Gemeinsamer Brief an Herrn Verheugen, Mitglied der Europäischen Kommission, 19.03.03 (Deutsch)
· Pressemitteilung des Stellvertretenden Vorsitzenden der SPD-Bundestagsfraktion Gernot Erler „Irak: Jetzt droht auch noch ein “Krieg im Krieg“
· Aufruf von: Dilshad Barzani, VERTRETUNG DER REGIONALREGIERUNG KURDISTAN-IRAK IN DEUTSCH-LAND „Sorgen bezüglich der Intentionen der Türkei im irakischen Kurdistan“
· Pressemitteilung des IMK e.V. „Nein zur Besetzung Südkurdistans (Nordirak) durch die türkischen Streitkräfte“
· Offenbacher Bündnis gegen rechte Gewalt und Rassismus: Aufruf um Hilfe und Unterstützung für einen zum Tode verurteilten jungen Mann. Sein Name ist Sassan Alkanaan, er ist 34 alt.
· Presseerklärung des IMK e.V. vom 07. Januar 2003 (Deutsch und Englisch)
· Anmerkung zum Lagebericht des Auswärtigen Amtes zur Türkei (Deutsch)
· Offener Brief an die Bundesregierung wegen eines möglichen EU-Beitritts der Türkei (Deutsch)

· Gedanken zum Thema Irak I und II, von Alexander Kauz (Deutsch)
· Kampagne gegen Straflosigkeit „Gerechtigkeit heilt“ (Deutsch)
· Eine Analyse über das Verhalten der türkischen Medien während des Bundestagswahlkampfes in Deutschland, von Irina Wiessner (Deutsch)

Diese Beiträge tragen nicht unbedingt unsere Meinung, sondern geben die aktuell für unser Themengebiet interes-santen Diskussionen wieder. Besuchen Sie doch einmal www.kurden.de <http://www.kurden.de/>.

Mit freundlichen Grüßen,
Ihre Redaktion





Neuerscheinung Neuerscheinung Neuerscheinung
Die Dokumentation der Wochenendtagung vom 06. - 08. Dezember 2002 in der Evangelischen Akademie Bad Boll mit dem Titel „Kurden im Irak und in der Türkei: Ihre Zukunft zwischen Agas, Sheiks und Öl-Multis“ ist erschienen. Die 56-seitige Dokumentation kann bei uns für eine Gebühr in Höhe von Euro 6,00 (einschließlich Portokosten) bestellt werden.





Neue Publikation
der IMK e. V. möchte alle Interessierten und MitarbeiterInnen in der Flüchtlingsarbeit darauf hinweisen, dass wir eine neue Publikation herausgeben.
Thema dieser Publikation ist „Traumatisierte kurdische Flüchtlinge in Deutschland“ und trägt den Namen der gleichnamigen Fachtagung, die vom 15.-16. Juni 2001 im Maternushaus in Köln, stattfand:

„Odyssee ins Ungewisse“

Durch Herrn Dr. Ilhan Kizilhan wird ausführlich über die spezifischen Fluchtursachen der Kurdinnen und Kurden in Nordkurdistan berichtet. Er gibt einen historischen Überblick der Flüchtlingsentwicklung und geht auf die wirtschaftliche und soziale Lage der Menschen in Nordkurdistan ein.
Herr Prof. Ferhad Ibrahim und Herr Abubekir Saydam behandeln das Thema: „Fluchtursachen aus dem Irak und Südkurdistan - Gibt es eine innere Fluchtalternative?“ Sie schildern die aktuelle Situation im Irak und in Sürkurdistan und berichten von Stationen der Traumatisierung.
„Fluchtwege“ ist das Thema von Herrn Jürgen Hoppe, Journalist. Hier werden die Methoden und Vorgehensweisen von Schleppern oder Schleusern erläutert, die für hohe Geldsummen, Flüchtlinge unter oft unmenschlichen Bedingungen nach Deutschland schleusen.
Frau Dipl. Psychologin Hamidiye Ünal spricht über traumatisierte Flüchtlinge in Gesellschaft und in Therapie. Sie geht auf Foltermethoden und auch auf die psychosoziale und rechtliche Situation der Flüchtlinge in Deutschland ein. Besonders behandelt wird das Thema „Trauma“, von den Folgen über Symptome bis hin zu Beratung und Therapie.
Das Thema „Möglichkeiten der Behandlung von traumatisierten Flüchtlingen im Herkunftsland Türkei“ wird exemplarisch anhand einer Prozessbeobachtung in Izmir von Dr. med. Nesmil Ghassemlou behandelt. Anschliessend werden die Voraussetzungen für eine erfolgversprechende Behandlung und die Behandlungsmöglichkeiten erörtert.
Die 64-seitige Publikation (Format DIN A4) kann in gebundener Form bei uns gegen die Entrichtung eines Betrages von 8,00 Euro (inkl. Versandkosten) bestellt werden.





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IMK e.V.,
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Spendenkonto: Volksbank Bonn (BLZ: 380 60 186), Konto-Nr.: 201 246 90 23


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